Nach nur einem Sieg aus den letzten sechs Ligaspielen wollte der FC Augsburg endlich den Bock umstoßen und sich Luft im Abstiegskampf verschaffen. Trainer Heiko Herrlich nahm nach dem 1:2 in Berlin zwei personelle Wechsel vor: Robert Gumny und Marco Richter ersetzten Florian Niederlechner (Bank) und Mads Pedersen (Adduktorenprobleme).
Bei der krisengeschüttelten Borussia wechselte Trainer Marco Rose auf drei Positionen: Oscar Wendt, Jonas Hofmann (nach muskulären Problemen) und Lars Stindl (nach Gelbsperre) kamen für Ramy Bensebaini (Muskelprobleme), Denis Zakaria und Hannes Wolf (beide Bank) in die Startelf.
Gladbach kam gut in die Partie gegen tiefstehende Augsburger, die sich überwiegend im Mittelfeld positionierten und Pressing ab der Mittellinie ausübten. Doch die bayerischen Schwaben leisteten sich immer wieder haarsträubende Ballverluste und luden so die Gäste förmlich ein. Florian Neuhaus (5.), Stindl (15.) sowie Valentino Lazaro (19.) konnten die Geschenke jedoch nicht annehmen.
Bundesliga
"Ein Scheißtag": Gladbach im freien Fall
12/03/2021 AM 23:02
Augsburg agierte gegen den Ball mit zwei Viererketten, dennoch hatten die Gastgeber nicht immer Zugriff auf gut spielende Fohlen. Doch Gladbach ließ vor allem beim Abschluss die nötige Lockerheit vermissen. Nach acht sieglosen Pflichtspielen in Folge fehlte das Selbstverständnis vor dem Tor. So war es Kapitän Stindl, der einen Foulelfmeter (Framberger an Thuram) kläglich neben das Tor setzte (38.). Kurz vor der Halbzeit erlief Lazaro einen Rückpass, scheiterte jedoch aus kurzer Distanz an Rafal Gikiewicz. Augsburg war mit dem 0:0 zur Halbzeit gut bedient, lediglich André Hahn tauchte mal gefährlich im Strafraum der Gäste auf (37.).
Der zweite Durchgang begann mit einem Paukenschlag: Der eingewechselte Ruben Vargas stellte mit seinem Kopfballtreffer zum 1:0 den Spielverlauf völlig auf den Kopf (52.). Gladbach zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt, was auch für das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer spricht. Im Gegenzug scheiterte Marcus Thuram an Gikiewicz (53.).
Es entwickelte sich ein Duell zwischen Gladbachs Offensivkräften und Augsburgs Schlussmann. Doch Thuram (63.) sowie Alassane Plea (72.) und Neuhaus (72.) scheiterten am Polen. Dazwischen traf Neuhaus doch noch mit einem überlegten Schuss zum 1:1 (68.).
Die Fohlenelf drückte auf den zweiten Treffer, wurde jedoch erneut von effizienten Augsburgern kalt erwischt. Marco Richter traf mit dem zweiten Augsburger Schuss aufs Tor zum 2:1 (76). Gladbach stemmte sich gegen die sechste Niederlage in Folge, brachte jedoch bei über 20 Torschüssen den Ball nur einmal im Netz unter. Ganz anders die Hausherren: Nach einem Konter stellt Hahn mit dem 3:1 den Endstand her (89.).
Die Gladbacher sind am Dienstag in der Champions League gefordert und müssen ein 0:2 gegen Manchester City aufholen. Kommenden Samstagabend geht es dann zum FC Schalke 04. Für Augsburg geht es nächsten Sonntag (18:00 Uhr) mit der Auswärtspartie in Freiburg weiter.

Stimmen zum Spiel

Rafal Gikiewicz (FC Augsburg): "Erste Halbzeit waren wir nicht auf dem Platz, aber nach ein paar harten Worten in der Kabine haben wir die richtige Mentalität gezeigt. Wir sind vor dem Tor einfach eiskalt. Schade, dass wir nicht zu Null gespielt haben. Heiko Herrlich hat uns in der Halbzeit klar gesagt, was wir falsch gemacht haben."
Marco Richter (FC Augsburg): "Rafal Gikiewicz hat uns in den letzten Wochen schon geholfen, er hätte es längst verdient gehabt in der Nationalmannschaft zu spielen. In der ersten Halbzeit haben wir schon geschwächelt, aber umso stärker sind wir aus der Halbzeit gekommen und haben uns die drei Punkte auch verdient."
Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach): "Es war ganz schwierig heute, obwohl wir heute viel richtig gemacht haben. Der Elfmeter geht klar auf meine Kappe. Nach dem Ausgleich wollten wir eventuell zu früh zu viel. Das passt aktuell ins Bild. Wir dürfen aber nicht aufgeben und müssen weitermachen. Der Aufwand und die Idee stimmen, wir investieren viel. Aber am Ende des Tages zählen Ergebnisse und da hinken wir hinterher."
Florian Neuhaus (Borussia Mönchengladbach): "Wir machen die Tore nicht, mich eingeschlossen. Es war wahnsinnig bitter, dass wir nicht in Führung gehen. Dann geht Augsburg durch einen Standard in Führung. Dann machen wir das 1:1 und hatten das Gefühl, dass wir das Spiel drehen können. Das geht mir schon auf die Nerven. Wichtig war, dass wir endlich mal wieder Torchancen hatten. Deswegen ist es heute umso bitterer, aber aktuell ist es einfach nicht so gut."

Das fiel auf: Fehlendes Selbstvertrauen bei der Borussia

Augsburg leistete sich über die gesamte Spielzeit immer wieder einfache Ballverluste. Bereits in der Anfangsphase hatten die bayerischen Schwaben Glück, dass Gladbach diese Fehler nicht mit Toren bestrafte. Doch nach sieben sieglosen Spielen spürte man der Fohlenelf das fehlende Selbstvertrauen an. Die guten Chancen im ersten Durchgang wurde allesamt kläglich vergeben, allen voran der Foulelfmeter von Stindl. Im Strafraum fehlte es dem Team von Marco Rose an der nötigen Lockerheit und dem Selbstverständnis. Auch im zweiten Durchgang wurde dies kaum besser. Gladbach feuerte 28 Mal aufs Tor, traf lediglich einmal.

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Gladbach kassierte in Augsburg die sechste Niederlage in Folge. Der letzte Sieg datiert vom 22. Januar – ausgerechnet in Dortmund (4:2), wo Marco Rose im Sommer hingehen wird. Seit der Bundesligagründung gab es im Rheinland nur einmal mehr Niederlagen am Stück: Acht Pleiten in der Saison 1989/90, dem bisherigen negativen Vereinsrekord.

Die Statistik: 1

Die Augsburger sind in dieser Saison nicht gerade durch erfolgreiche Standardsituation aufgefallen. Gegen Gladbach feierte der FCA immerhin Premiere bei den Toren nach einem Eckball. Die erste Augsburger Ecke in der Partie landete bei Ruben Vargas, der den ersten Treffer nach einem Eckball für die bayerischen Schwaben in dieser Saison markieren konnte.
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