Bruno Labbadia atmete einmal kurz durch, aber seine Enttäuschung konnte der Trainer von Hertha BSC nach dem nächsten Rückschlag nicht lange verbergen. Passenderweise kreisten die Krähen über dem Berliner Olympiastadion, in dem es langsam dunkel wurde, als Labbadia die völlig verdiente 0:2 (0:1)-Niederlage gegen den VfB Stuttgart erklärte. Ein gruseliges Ambiente nach einer teilweise schauderhaften Vorstellung des ambitionierten "Big City Clubs" - und auch der Coach zeigte sich erschrocken.

"Wir haben uns das komplett anders vorgestellt", waren Labbadias Worte nach der dritten Liga-Niederlage in Folge. Aber warum es soweit kommen musste und die Berliner Fehler am laufenden Band produzierten, das ließ sich schwer erörtern. "Es herrscht oft einfach nicht das nötige Selbstvertrauen und die Klarheit", so der Trainer: "Wir machen sehr viele einfache Abspielfehler, die mich verwundern, weil wir das sehr viel trainieren."

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Dass in dieser Lage eine Diskussion auch um seine Person aufkommen könnte, glaubt aber Labbadia nicht. "Ich finde es albern, dass wir darüber reden müssen", sagte er am Sonntag: "Was soll ich dazu sagen? Dann brauchen wir hier keine Mannschaft aufzubauen und kaufen nur noch alles, was fertig ist. Dann ist es nur noch: 'Friss oder stirb'." Der 54-Jährige hatte vor der Saison angekündigt, dass es hart wird in den ersten Wochen.

Europapokal als hohes Ziel

Die Mannschaft ist talentiert, aber unerfahren nach zahlreichen personellen Umwälzungen im Sommer. Die Hierarchie muss sich erst finden und manche Neulinge brauchen Zeit, um in ihre Rolle hineinzuwachsen. Dazu wurde bei Matteo Guendouzi, der sehnlichst erwarteten Mittelfeld-Leihe vom FC Arsenal, vor einigen Tagen das Coronavirus nachgewiesen. Und viele Nationalspieler kehrten erst auf den letzten Drücker aus der Länderspielpause zurück.

Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um das Ziel Europapokal auszugeben, wie es Hertha-Aufsichtsrat Jens Lehmann unter der Woche in der Sport Bild getan hatte. Die sportliche Leitung war nicht erfreut darüber. Die Bosse wissen um die Wechselhaftigkeit in ihrem Team, das nach dem Pokal-Aus gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig drei von vier Bundesliga-Duellen verlor.

Gerade nach Rückständen, so war es auch gegen Stuttgart, gerät Hertha ins Schlingern. "Da fehlt uns der ein oder andere auf dem Platz, der aufweckt und positiv an die Sache rangeht", analysierte Labbadia: "Das wissen wir. Wir haben immer gesagt, dass sich das entwickeln muss."

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Gleichzeitig passieren haarsträubende Missgeschicke wie vor dem 0:1 durch Stuttgarts Verteidiger Marc-Oliver Kempf (9.), der bei einem Freistoß mit einem Rempler sämtlichen Gegenspielern entwischte und unbehelligt einköpfte. "Wir haben von außen sogar noch reingeschrien, dass sie aufmerksamer sein sollen", sagte Labbadia: "Aber jeder hat sich auf den anderen verlassen."

Auch der 20-Meter-Schuss von Stuttgarts Kapitän Gonzalo Castro (68.) zum 0:2 hätte zwingender verteidigt werden müssen. Bis nächsten Samstag (15:30 Uhr im Liveticker) hat Labbadia Zeit, mit dem Team daran zu arbeiten - dann geht es zu RB Leipzig, das derartige Versäumnisse genau so hart bestraft. Am deutlichsten fasste Defensivmann Maximilian Mittelstädt bei Sky die derzeitige Lage zusammen: "Wir dürfen nicht vier von fünf Pflichtspielen verlieren. Zumindest nicht mit so einem Anspruch, den wir haben."

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(SID)

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