Mats Hummels hatte nicht viel mehr übrig, als ein gequält, sarkastisches Lachen. Soeben war Stuttgarts Stürmer Nicolás González frei auf den Kasten des bemitleidenswerten Roman Bürki zugelaufen und hatte ihn als vierter Stuttgarter und zum insgesamt fünften Mal in diesem Spiel überwunden.
1:5 gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart. In Worten: Eins zu Fünf. So viele Gegentore im eigenen Stadion kassierte der BVB zuletzt vor elf Jahren. Am 12. September 2009 unterlagen die Schwarz-Gelben 1:5 dem großen FC Bayern. Besonders bezeichnend: Mit dem Ergebnis ist der BVB noch gut bedient. 4:10 Schüsse aufs Tor hieß es am Ende aus Dortmunder Sicht - einige Male rettete Roman Bürki in höchster Not, einmal der Pfosten, als der Keeper schon geschlagen war beim Stand von 1:4.
Favre war nach dem Spiel am "Sky"-Mikrofon dementsprechend bedient: "Das war eine Katastrophe", raunzte der Schweizer. Auf die Frage nach dem Zustandekommen antwortete er schmallippig: "Zu viele große Fehler. Es ist schwer zu erklären. Sie haben gut gespielt, aber wir waren sehr, sehr schlecht."
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"Das war eine Katastrophe!" BVB geht gegen VfB komplett unter
12/12/2020 AM 16:29
Ebenso ratlos gab sich Kapitän Marco Reus, der wie die komplette Offensivreihe einen rabenschwarzen Tag erwischte: "Stuttgart war uns in allen Belangen überlegen. Aggressivität, Zweikampfverhalten, Gegenpressing. Sie haben alles an den Tag gelegt, was wir uns vorgenommen haben", analysierte der 31-Jährige und fällte dann doch noch ein relativ klares Urteil: "Wir laufen nur hinterher. Wir sind keine Mannschaft, die gut verteidigen kann, das muss man ganz klar sagen."

BVB auf der Suche nach "sinnvollem Fußball"

Auch wenn Reus nicht per se auf die Abwehrkette der Borussia abzielte, sondern das gesamte Defensivverhalten anprangerte, kommt einem beim Gedanken an die Dortmunder Hintermannschaft sofort Abwehrchef Mats Hummels in den Sinn. Der ehemalige Nationalspieler war wie so oft derjenige, der kurz nach Spielende die klarste Analyse lieferte.

Borussia Dortmund

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"Ich glaube heute ist wirklich viel schief gelaufen", startete der 70-fache Nationalspieler und fuhr fort: "Wir kommen mit einem glücklichen 1:1 in die Pause. Dann legen wir ihnen die Tore reihenweise auf. Stuttgart hat es hervorragend gemacht. Die waren aggressiv und zielstrebig, wir waren das nicht."
Dabei bemängelte Hummels das Fehlen gleich mehrerer wichtiger Grundlagen. Der fehlende Spirit einer Spitzenmannschaft sei "auf jeden Fall ein Teils des Ganzen", aber eben nicht die einzige Wurzel des Übels. "Es geht auch um geistige Frische, um Automatismen. Es geht darum, sinnvollen Fußball zu spielen." Sinnvoll heiße, "Risiko da einzugehen, wo es angebracht ist. Oft können wir Dinge durch individuelle Klasse kompensieren, heute ging das gnadenlos schief."

Dortmund fehlt ohne Haaland die Strafraumpräsenz

Dass es spielerisch gerade nicht klappt, kann sicherlich nicht allein an der Personalie Erling Haaland festgemacht werden. Es ist jedoch auffällig, dass ohne den Dortmunder Torgaranten das komplette System Favre komplett an Wirkungslosigkeit verliert.
Ob nun Julian Brandt, Thorgan Hazard oder Marco Reus als falsche Neun vorne drin stand - die fehlende Strafraumpräsenz war beim BVB allgegenwärtig. Die Westfalen brauchen einen Spieler, der bei eigenem Ballbesitz vorne die Position hält und gegen den Ball in Haaland-Manier das Pressing eröffnet.
Eine Statistik, die diese These stützt: Mit Youssoufa Moukoko auf dem Platz traf der BVB in den vergangenen drei Pflichtspielen vor dem 1:5 gegen den VfB viermal in 100 Minuten bei null Gegentoren, ohne Moukoko lautete die Torbilanz in 170 Minuten 0:4. Ein unverkennbarer Makel.

Axel Witsel (l.) und Marco Reus können es nicht fassen

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Bis zur kurzen Winterpause stehen jetzt noch zwei Auswärtsspiele bei Werder Bremen (Dienstag ab 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) und bei Union Berlin (Freitag ab 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) an. Zwei Spiele, die wegweisend sein werden, geben sie doch klar die Richtung für das kommende Jahr 2021 vor.
Vor allem für Trainer Lucien Favre, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft.
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