Nach der peinlichsten Pleite einer lange grandiosen Saison nahm Sebastian Rode kein Blatt mehr vor den Mund - und gewährte einen tiefen Einblick ins zerrissene Innenleben von Eintracht Frankfurt. "Wenn eine Mannschaft, die schon abgestiegen ist, den Sieg mehr will als eine, die die Champions League erreichen kann, ist das sehr ernüchternd", urteilte der Mittelfeldspieler nach dem 3:4 (1:1) bei Schalke 04.
Nachdem der Traum von der Premiere in der Königsklasse ausgerechnet beim abgeschlagenen Tabellenletzten so gut wie geplatzt war, nahm Rode auch den scheidenden Adi Hütter mit in die Verantwortung. "Die ganze Mannschaft samt Trainer" habe "versagt", meinte der 30-Jährige. Und widersprach der Mär, dass der angekündigte Wechsel des Österreichers zu Borussia Mönchengladbach nicht für den sportlichen Einbruch verantwortlich sei.
"Wir haben uns immer eingeredet, dass es uns nicht belastet", sagte Rode, "aber es ist nicht von der Hand zu weisen, jetzt haben wir es schwarz auf weiß." Als Hütter vor einem Monat seinen Abschied zum Saisonende bekannt gab, hatte die Eintracht noch ein Polster von sieben Punkten auf Borussia Dortmund. Seitdem holte sie aus fünf Spielen nur noch vier Zähler.
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"Es war nicht mehr so, wie es vorher war", gab auch der scheidende Coach zu: "Natürlich ist etwas passiert." Auf Schalke drehten Andre Silva (29.) und Evan Ndicka (51.) nach dem frühen 0:1 durch Klaas-Jan Huntelaar (15.) das Spiel.

Eintracht kollabierte

Doch innerhalb von 13 Minuten kollabierte die Eintracht, als die Regionalligaspieler Blendi Idrizi (52.) und Florian Flick (60.) sowie Jungprofi Matthew Hoppe (64.) den Absteiger zum erst dritten Saisonsieg schossen. Dass Silva mit seinem 27. Saisontor (72.) noch den Vereinsrekord von Bernd Hölzenbein aus der Spielzeit 1976/77 verbesserte, tröstete niemanden.
Sportvorstand Fredi Bobic, der direkt nach Hütter seinen Weggang zu Hertha BSC verkündet hatte, wollte von einem Zusammenhang mit dem sportlichen Sinkflug nichts wissen. "Das ist aus meiner Sicht sehr billig", meinte Bobic dem HR, er habe "nie einen Bruch gesehen".
Die Geschichte vom Niedergang nach seiner Abschiedsankündigung wollte Hütter nicht als entscheidenden Handlungsstrang dieser Saison stehen lassen. Der Österreicher wählte ein anderes Narrativ.

Mutiges Ziel knapp verfehlt

Er habe im Januar nach dem Pokal-Aus das Ziel Champions League ausgerufen, "da waren wir auf Tabellenplatz neun, wenn ich euch das gesagt hätte, hätten mich alle für verrückt erklärt". Diese mutige Zielsetzung habe zur Leistungsexplosion und damit auf Kurs Königsklasse geführt.
"Das ist hohes Risiko, das ist mutig, und man kann auch scheitern", sagte er, betonte aber, dass "Tabellenplatz fünf am Ende des Jahres ein sehr, sehr gutes Ergebnis" sei. Als Verlierer will Hütter nicht gehen - auch wenn das derzeit viele anders sehen.
Als Sieger durften sich beim Absteiger Schalke vor allem Spieler wie Flick (21), Idrizi (23), Hoppe (20) oder Mehmet Aydin (19) fühlen, die größtenteils noch vor wenigen Wochen gegen Rödinghausen oder Wegberg-Beeck gekickt hatten. "Die Jungs haben Werbung für sich gemacht", stellte Trainer Dimitrios Grammozis mit Blick auf die 2. Liga fest.
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