Nach dem so überraschenden wie wichtigen 2:1-Erfolg gegen RB Leipzig wollte der 1. FC Köln mit seinem neuen Trainer Friedhelm Funkel im Abstiegskampf in Augsburg unbedingt nachlegen.
Tatsächlich erwischten die Gäste in der WWK-Arena einen Auftakt nach Maß: Im Anschluss an einen Eckball flankte Ellyes Skhiri von links zurück an die Strafraumgrenze, wo Ondrej Duda auf seinen großen Moment lauerte: Der Slowake traf die Volleyabnahme perfekt und zirkelte den Ball in den linken Winkel – ein Treffer der Marke "Tor des Monats" (8.).
Augsburg blieb passiv. In der Defensive stand die Elf von Heiko Herrlich oftmals viel zu weit weg vom Gegenspieler, offensiv gelang den Fuggerstädtern kein einziger gefährlicher Torabschluss.
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Stattdessen zeigte sich der "Effzeh" weiterhin in Spiellaune. Vor allem Torschütze Duda stellt die Augsburger Abwehr immer wieder vor Probleme. Ein weiterer Distanzschuss des Ex-Herthaners aus 20 Metern halblinks wurde vom Ex-Unioner Rafal Gikiewicz entschärft (19.).
Wenig später fiel der zweite Treffer dann aber doch – und wieder war Duda beteiligt. Der Slowake bediente mit einem Pass über das halbe Spielfeld auf der rechten Außenbahn Benno Schmitz, der bis zur Grundlinie durchbrach und dann flach ins Zentrum passte. Dort ließ Marius Wolf den Ball clever durch für Florian Kainz, der auf Höhe des Elfmeterpunktes rechts unten einschob (23.).
Wer nun eine Trotzreaktion der Augsburger erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht. Im Gegenteil, es kam sogar noch ärger für den FCA: Martin Andersson schickte Wolf auf der rechten Seite steil, der bei seinem Pass ins Zentrum viel Übersicht bewies und Duda fand. Der wiederum bedankte sich mit einem wuchtigen Schuss ins rechte Eck und schnürte den Doppelpack (33.).
Heiko Herrlich musste nun reagieren und brachte noch vor der Halbzeitpause mit Jan Moravek und Robert Gumny für Tobias Strobl und Raphael Framberger frische Kräfte für die bislang so harmlose Offensive (42.).
Was auch immer Augsburgs Trainer in der Halbzeitpause ansprach, es schien zu funktionieren. Mit Wiederbeginn war der FCA die bessere Mannschaft und erzielte wenig später den Anschlusstreffer.
Bei einem Eckball für die Hausherren konnte Köln den Ball nicht klären, sodass das Leder über Umwege beim eingewechselten Fredrik Jensen am linken Pfosten landete. Dessen Abschluss klärte Raphael Czichos auf der Linie – allerdings vor die Füße von Gumny. Der Pole stand goldrichtig und schob aus vier Metern zum 1:3 ein (54.).
Vom Kölner Offensivdrang aus dem ersten Durchgang war nur noch wenig zu sehen, einzig ein Schuss von Wolf aus 16 Metern sorgte für Gefahr, rauschte aber knapp am Tor von Gikiewicz vorbei (60.).
Wenig später erzielte dagegen der FCA das 2:3. Wieder war Jensen beteiligt, der sich rechts im Strafraum gegen Sebastiaan Bornauw durchsetzte und von der Grundlinie zurück in den Fünfmeterraum spielte. Dort stand Ruben Vargas richtig und schob aus vier Metern ins linke Eck ein (62.).
Anschließend drückten vor allem die Augsburger auf den Ausgleich, ein Kopfball von Gumny im Anschluss an einen Eckball wurde von Skhiri in höchster Not auf der Linie entschärft (73.). Wenig später verfehlte André Hahn das Ziel ebenfalls per Kopf nur denkbar knapp (78.).
Köln hingegen konnte sich nur noch selten befreien, stand in der Schlussphase allerdings defensiv sehr sicher. Augsburg kam auch in den sechs Minuten Nachspielzeit nicht mehr gefährlich vors Tor, sodass der 1. FC Köln am Ende den nächsten wichtigen Sieg im Abstiegskampf feierte.
Mit 29 Punkten steht Köln nun vor Hertha BSC (26) auf dem Relegationsplatz - die Berliner haben allerdings nach ihrer Corona-Quarantäne drei Spiele weniger absolviert. Köln stellte aber den Anschluss an Arminia Bielefeld, Werder Bremen (beide 30) und Mainz (31) her. Auch der FCA (33) ist, obwohl aktuell noch Zwölfter, wieder in der Verlosung.

Die Stimmen:

Heiko Herrlich (Trainer FC Augsburg): "Ich habe dafür keine Erklärung. Ich glaube, einige haben es immer noch nicht kapiert, in was für einer Situation wir uns befinden. Die erste Halbzeit war desaströs. Dass Köln eine gute Mannschaft ist und Fußball spielen kann, wenn man sie lässt, das ist bekannt. Aber dass man so in die Zweikämpfe geht, das kann ich nicht verstehen."
Friedhelm Funkel (Trainer 1. FC Köln): "Ich glaube, dass wir eine sehr gute erste Halbzeit hingelegt haben. Wir haben effektiv und schnell nach vorne gespielt. Wir haben wunderschöne Tore erzielt, wenn ich an das Tor von Duda denke. Wir hätten sogar ein viertes Tor machen können. Und dann war es so, wie es eben manchmal ist: Der Gegner hat nochmal alles versucht, wir haben uns zu weit zurück gezogen, nicht mehr die Dominanz gehabt. Wir haben zwei Tore hinnehmen müssen, aber wir haben es zum Schluss konsequent verteidigt und dann auch ein bisschen Glück gehabt. Wichtig ist, dass wir gewonnen haben, das zählt."
Raphal Gikiewicz (FC Augsburg): "Ich sehe nix Positives. Wir verlieren zu Hause. In den ersten 45 Minuten haben wir die Eier in der Kabine gelassen. Meiner Meinung nach hatten sie hier ein Abschlusstraining. Wir verlieren ein wichtiges Spiel und schicken Köln neue Luft. Ich darf hier auch nicht zu viel sagen, sonst bekomme ich noch eine Strafe."
André Hahn (FC Augsburg): "Was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war bodenlos. Das war eine absolute Frechheit, vor allem wie wir verteidigt haben. Wir haben uns dann in der Halbzeit nochmal eingeschworen, haben uns gesagt, dass wir eh nichts mehr zu verlieren haben. Aber am Ende hat es nicht gereicht."
Florian Kainz (1. FC Köln): "Ich glaube, die ganze Mannschaft ist durch, es war eine harte Woche. Aber wir sind froh, dass wir die drei Punkte geholt haben. Es war ein Zittersieg am Ende. Köln lebt auf jeden Fall."
Marius Wolf (1. FC Köln): "Wir haben uns in der Halbzeit eigentlich vorgenommen, genauso weiter zu machen. Es ist uns nicht ganz so gelungen. Er (Friedhelm Funkel, Anm. d. Red.) hat uns einfach neue Motivation gegeben. Er hat mit jedem gesprochen und nochmal heiß gemacht. Vielleicht hatten wir am Ende auch das Glück, das wir sonst nicht hatten."

Der Tweet zum Spiel:

Der Abstiegskampf kostet jeden Köln-Fan Nerven – und offensichtlich Lebensjahre.

Das fiel auf: Der Funkel-Effekt

Bereits unter der Woche gelang dem 1. FC Köln der wichtige Sieg gegen RB Leipzig, nun folgte der Dreier beim FC Augsburg. Es scheint, als habe Friedhelm Funkel dem Abstiegskandidaten neuen Lebensmut eingehaucht. Das zeigte sich in Augsburg schon an der Körpersprache. Seine Spieler waren vor allem in der ersten Halbzeit sehr präsent, gewannen einen Großteil der zweiten Bälle und entschieden am Ende 55 Prozent der Zweikämpfe für sich. All das sind Tugenden, auf die es im Abstiegskampf ankommt und die für neue Hoffnung in der Domstadt sorgen dürften.

Die Statistik: 6

Aus drei Spielen unter Friedhelm Funkel holte der 1. FC Köln nun sechs Punkte – so viele wie insgesamt in den acht Spielen davor.
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