Der Assist-Hattrick gegen den 1. FC Köln (5:1) darf als eine persönliche Warnung des Ex-Schalkers Leon Goretzka an den BVB gesehen werden.
Pünktlich zum Topspiel gegen Dortmund (Samstag, 18:30 Uhr im Liveticker) meldet sich Bayerns Mittelfeldmotor nach seiner Corona-Erkrankung wieder in Bestform zurück - und beweist: Bayern ist erst Bayern, wenn Goretzka spielt.
Goretzka gehört zu den Spielern, die beim Blick in Statistiken nicht groß auffallen. Er ist nicht überdurchschnittlich oft am Ball, geht selten ins Dribbling, hat keine auffällige Passquote und weist auch nicht wahnsinnig viele Ballgewinne auf. Trotzdem ist Goretzka ein absoluter Schlüsselspieler beim Rekordmeister - weil er eben alles gut kann.
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Er taucht in keiner Kategorie ganz oben im Ranking auf, aber eben auch nie unten. Ein Blick auf das Spiel der Bayern zeigt im Gegensatz zu den reinen Zahlen hingegen sofort, wie wichtig der 26-Jährige ist.

Goretzka bildet kongeniales Duo mit Kimmich

Im 4-2-3-1 bildet er zusammen mit Joshua Kimmich die Doppelsechs. Während Kimmich hauptsächlich im Spielaufbau hilft und die Restverteidigung organisiert, ist Goretzka ein Verbindungsspieler. Er ist tatsächlich überall auf dem Feld zu finden. Dahinter steckt kein blinder Aktionismus, sondern ein gutes Spielverständnis: Braucht ein Mitspieler Hilfe, ist der Nationalspieler sofort da
Übt der Gegner Druck auf den Münchener Aufbau aus, zeigt Goretzka sich leicht versetzt zu Kimmich auf der Sechs oder bietet sich etwas weiter außen an. So schafft er eine weitere Anspielstation oder zieht einen Gegenspieler aus der Ordnung. Wird er also verfolgt und eng gedeckt, bekommen Bayerns Offensivspieler größere Räume und ein Innenverteidiger oder eben Manuel Neuer überspielt im Anschluss den Druck des Gegners mit einem gezielten langen Ball.
Mit seinen langen, raumgreifenden Schritten läuft er dann sofort wieder nach vorne, um die vier Offensivspieler zu unterstützen - oft als Anspielstation für einen Rückpass, um das Spiel anschließend zu verlagern und sich in der gegnerischen Hälfte festzusetzen.

Robert Lewandowski und Leon Goretzka von Bayern München

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Goretzka auf dem Weg zur perfekten Balance

Dass Goretzka viele Wege gehen kann, dabei ein gutes Auge und Timing für Laufwege in die Tiefe hat und selbst torgefährlich werden kann, ist schon lange bekannt. Mittlerweile agiert er darüber hinaus jedoch strategischer und kreativer. Nach über 100 Pflichtspieleinsätzen für eine Topmannschaft weiß Goretzka nun genau, wann er das Spiel beruhigen oder beschleunigen muss. Im Gegensatz zu seiner Anfangszeit in München unterlaufen ihm viel weniger Fehler in der Vorwärtsbewegung.
Ist dieser offensive Moment jedoch gekommen, sieht man weiterhin den bekannten Offensivdrang. Goretzka nutzt immer wieder die Möglichkeit, selbst mit in den Strafraum zu gehen. Vor allem zwei Spielsituationen treten hier häufig auf: Der Ball ist am linken Flügel und wird wieder zurück zum nachrückenden Linksverteidiger gespielt. Diesen Pass nimmt Goretzka als Startsignal für seinen Laufweg von der halbrechten Seite in den Strafraum. Am langen Pfosten ist er dann bereit für einen direkten Torabschluss oder eine Ablage auf Robert Lewandowski und Co.
Die zweite Situation, in denen Goretzka sein gutes Timing beweist, ist der klassische Doppelpass. Kaum ein anderer zentraler Mittelfeldspieler geht seinen eigenen Pässen so oft hinterher und übt so Druck auf die gegnerische Viererkette aus. Für die Abwehr, die mit dem Rücken zum Tor steht, ist ein heranpreschender Goretzka nahezu unmöglich zu verteidigen, oftmals bleibt nur der Versuch einer spontanen Abseitsfalle.
Doch Goretzka wird nicht nur durch seine eigenen Laufwege zum Tor gefährlich. Mittlerweile ist es eine Spezialität des Mittelfeldspielers, diagonale Bälle von halb rechts vors Tor zu flanken. Leicht angeschnitten, sodass der Ball sich rechtzeitig vom Tor (und somit weg vom möglicherweise herausstürmenden Torwart) wegdreht. Gegen Köln führten gleich zwei dieser Halbfeldflanken zum Torerfolg.

Goretzka: Malocher in der Defensive

Neben all den offensiven Fähigkeiten, die Goretzka ins Münchener Spiel einbringt, erfüllt er auch sehr wichtige defensive Aufgaben. Da nur wenige Teams gegen die Bayern konstruktiv aufbauen, gibt es in der Regel nur zwei grundsätzliche Situationen im Spiel gegen den Ball: Ein langer Schlag des Gegners weit in die Hälfte des Rekordmeisters oder eben Kontersituationen.
Mit seiner guten Sprungkraft räumt Goretzka viele Kopfbälle ab und kann damit Nebenmann Kimmich unterstützen, der in dieser Hinsicht naturgemäß Defizite hat. Auch beim Kampf um die herunterfallenden "zweiten" Bälle ist Goretzka extrem verlässlich und langt mit ordentlicher Aggressivität zu.
Noch wichtiger als sind jedoch die Momente nach Ballverlusten der Bayern. Hier schaltet Goretzka meist am schnellsten und leitet die prompte Balljagd ein. Im Gegenpressing sind die ersten drei bis fünf Sekunden entscheidend, um dem Gegner den Ball direkt wieder abzunehmen. Der Nationalspieler bringt hier nicht nur seine Athletik und Reaktionsschnelligkeit ein, sondern zeigt auch in diesen Situationen ein hervorragendes Spielverständnis: Er stürzt nicht blind in Zweikämpfe, sondern hat immer die möglichen Passoptionen im Blick.

Marco Reus (l.) im Duell mit Leon Goretzka (r.)

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Bayerns Schlüssel zum Erfolg: BVB-Konter unterbinden

Oft läuft er den Ballführenden so an, dass er sich zwischen zwei möglichen Passempfängern befindet - dann liest er den Gegner und packt zu. So schnell anhand der Körperhaltung und womöglich auch des Blickes des Gegenspielers zu erkennen, wohin der nächste Pass gehen soll, ist eine Kunst, die nicht viele Spieler beherrschen. Nicht vergessen: Das alles geschieht binnen weniger Sekunden und auch nicht aus der geordneten Defensivformation, sondern aus einer Umschaltaktion heraus.
Gegen den BVB, der in den letzten Wochen deutlich kompakter mit größerem Fokus auf das Konterspiel agiert hat, wird diese Fähigkeit enorm wichtig sein - denn einen Konter gegen Haaland, Reus und Co. will man beim FC Bayern möglichst nicht verteidigen müssen.
Eurosport-Check: Modellathlet mit Zug zum Tor, defensiver Cleverness und Bereitschaft sowie strategischen Fähigkeiten: Goretzka hilft dem FC Bayern an allen Ecken und Enden. Auch die dritte Zwangspause in dieser Spielzeit hat ihn nicht zurückgeworfen und er spielt, als wäre er nie weg gewesen. Mit seiner Präsenz in Offensive und Defensive fällt er einfach immer auf - außer in der Statistik. Die Wahrheit liegt also wirklich auf dem Platz.
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