Lange tat sich der FC Bayern schwer beim letzten Bundesligaspiel gegen Mainz 05. Der Außenseiter agierte beim Gastspiel in München mit einer Mittelfeldraute und versperrte zusammen mit zwei eng stehenden Stürmern die Passwege ins Zentrum.
Die Folge: Bayern musste über die Außenverteidiger aufbauen. Weil Benjamin Pavard aber eher ein auf Sicherheit bedachter, defensiv denkender Spieler ist und auf der anderen Seite Alphonso Davies seine Stärken bei Tempovorstößen hat, hakte es gehörig im Ballbesitzspiel des Rekordmeisters.
Dass sich dieses Bild in der zweiten Halbzeit veränderte und der 0:2-Rückstand in einen 5:2-Sieg gedreht wurde, lag vor allem an einer Umstellung: Joshua Kimmich agierte in der zweiten Hälfte als Rechtsverteidiger und kurbelte das Offensivspiel der Bayern an.
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Er positionierte sich nicht so weit außen wie zuvor Pavard, sodass die Passdistanz der Innenverteidiger zu ihm nicht so groß war - das Spiel wurde schneller. Weil Kimmich aus der leicht eingerückten Position immer wieder diagonal in den Raum neben Mainz´ Sechser spielen konnte, bekamen die Offensivspieler endlich ihre Aktionen im Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr der Gegner.
Doch nicht nur Kimmichs Passspiel, sondern auch seine Läufe waren entscheidend gegen den sehr kompakt stehenden Gegner. Kimmich rückte im Verlauf der Angriffe sehr weit mit vor und kombinierte auf engem Raum mit Thomas Müller und Leroy Sané. Mainz musste weit auf die Seite schieben - und gab ballfern große Räume frei.
Diese fanden die Bayern immer wieder über Verlagerungen und konnten Tempo aufnehmen.

FC Bayern München | Joshua Kimmich (l.) jubelt mit Niklas Süle

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Flick: Kimmich gegen Gladbach wieder auf der Sechs
Ist der Rechtsverteidiger Kimmich also aktuell wertvoller als der Sechser Kimmich? Jein.
Das Gladbacher Trainerteam um Marco Rose wird sich den Ansatz der Mainzer ganz genau angeschaut haben. Wer die Bayern möglichst oft und lange aus dem Zentrum drängt, hat gute Chancen auf eine stabile Defensive.
Gladbach hat das Mainzer System ebenfalls im Repertoire, kann aber auch aus einem 4-2-3-1 so gut wie kaum eine andere Mannschaft den Aufbau des Gegners lenken. Gut möglich also, dass Bayerns Außenverteidiger erneut die prägenden Aufbauspieler sein werden - was für Kimmich als Rechtsverteidiger spräche.
Auf der Spieltagspressekonferenz stellte Hansi Flick jedoch klar: Kimmich spielt auf der Sechs!
Vielleicht ein Bluff, vielleicht ein Vertrauensbeweis für die Alternativen - dem formschwachen Pavard täte dies vermutlich gut. Dass Flick Kimmich am Freitagabend (ab 20:30 Uhr im Liveticker) offenbar auf der Sechserposition einplant, dürfte vor allem am Gegner liegen.

Borussia Mönchengladbach will den FC Bayern München ärgern

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Gladbach gehört zu den intensivsten Mannschaften der Liga. Das Umschalten in beide Richtungen ist blitzschnell - da kann das Bayernspiel den absichernden, organisierenden, antreibenden Kimmich im Zentrum definitiv gut gebrauchen.
Gut möglich, dass Flick seine Innenverteidiger in diesem Spiel anweisen wird, vermehrt lange Diagonalbälle zu spielen. So könnte eine mögliche Pressingfalle der Gladbacher (Pässe auf die Außenverteidiger provozieren und kompakt auf die Seite schieben) umgangen werden.
Bringt man den Gladbacher Defensivblock so in Bewegung, öffnen sich auch die Räume im Zentrum, die vorher zugestellt waren - und Kimmich könnte aus seiner Paradeposition antreiben, verlagern und anschließend die Restverteidigung bzw. das Gegenpressing organisieren.
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Rechtsverteidiger Kimmich wird wieder öfter gebraucht werden
Dass Kimmichs Positionswechsel gegen Mainz ein spielentscheidender Faktor gewesen ist, ist keine Garantie für einen Einsatz als Rechtsverteidiger im kommenden Spiel - im Gegenteil: Gegen Gladbach dürfte er ja nach Flicks Aussage erneut im Mittelfeld starten.
Dennoch wird Kimmich demnächst sicherlich noch des Öfteren auf der rechten Seite benötigt werden.
Nach dem Spiel gegen die offensivstarken Gladbacher warten mit Holstein Kiel im Pokal sowie Freiburg, Augsburg und Schalke in der Liga allesamt Gegner, die vermutlich tief stehen werden gegen den Rekordmeister.
Sie alle werden sich voraussichtlich ein Beispiel an Mainz nehmen und mit allen Mitteln das Zentrum verdichten.
Sind dann außen kreative Lösungen gefragt, kommt Kimmich ins Spiel. Weil im Zentrum genug hochkarätige Optionen zur Verfügung stehen und in diesem Transferfenster nicht mehr mit einem Neuzugang auf der Position rechts hinten zu erwarten ist, wird der Rechtsverteidiger Kimmich wohl noch das ein oder andere Mal wichtig.
Wohl dem, der so einen kompletten Spieler im Kader hat, der zwei Positionen auf Weltklasseniveau mit Leben füllen kann.
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