Rummenigge gab am Dienstag überraschend bekannt, dass er Ende Juni, sechs Monate früher als geplant, als Vorstandschef beim FC Bayern aufhören wird. Der Noch-Bayern-Boss erklärte bereits im "Bild"-Interview seinen Blitz-Ausstieg bei den Münchnern, nun äußerte er sich auch gegenüber "Kicker".
Es sei der "strategisch sinnvollste und logische Zeitpunkt", so Rummenigge und betonte, dass man gehen soll, wenn es am schönsten ist: "Und diese sieben Titel seit Juni 2020, die lassen sich nun mal schlecht toppen."
Doch zum anderen gehe es auch um das Verantwortungsbewusstsein, was die Nachfolge betrifft. Er spüre inzwischen, dass sein Nachfolger Oliver Kahn für die Aufgabe "bereit" sei. Der ehemalige Torwart kenne den Verein aus allen Perspektiven. "Es ist für mich persönlich ein sehr gutes Gefühl, dass ich den Verein in gute Hände übergeben kann", erklärte Rummenigge.
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Kahns "erste große Entscheidung beim FC Bayern" sei die Verpflichtung von Trainer Julian Nagelsmann als Nachfolger von Hansi Flick gewesen. Rummenigge habe sich auch bewusst schon nicht mehr an der Tainersuche beteiligt.
Zudem sei es im "Sinne des Trainers und Vereins", dass er Nagelsmann nicht noch das erste halbe Jahr beim FC Bayern begleite. "Dann hätte hinter Oliver Kahn immer noch ein Schatten gelauert, der am Ende noch irgendetwas hätte besser wissen wollen oder müssen", stellte Rummenigge klar.
Das würde niemandem guttun, schon gar "keinem neuen, jungen Trainer". Und das Schöne an einer Position sei ja: "Ich muss nichts mehr beweisen. Saniert werden muss bei Bayern auch nichts. Aber renovieren und neu einrichten, das tut ja immer der, der neu einzieht."

Rummenigge kritisiert Transfermarkt

Rummenigge wird nach seiner Amtsübergabe zunächst in den Urlaub fahren und eine Pause einlegen. Doch danach werde er natürlich auch seine Verantwortung im UEFA-Exekutivkomitee wahrnehmen.
Er wolle sich dann "strategischeren Aufgaben widmen", denn "der jüngste Angriff auf die Statik des europäischen Fußballs durch die Super-League-Initiative hat doch deutlich gezeigt, welchen Problemen wir uns stellen müssen."
Generell mache sich Rummenigge Gedanken über die enormen Ablösesummen, die explodiereneden Spielergehälter sowie die Beraterhonorare.
"In erster Linie haben wir alle einen Dämon namens Transfermarkt gefüttert", meinte Rummenigge und gab zu bedenken: "Die angestrebten Reformen müssen gut durchdacht werden. Die Frage ist ja: Steuern wir das Schiff nicht schon lange in einen Orkan, den wir nicht mehr kontrollieren können? Die südeuropäischen Klubs funken schon jetzt SOS."
Doch auch viele deutsche Vereine würden aktuell von "der Hand in den Mund leben. Von den unteren Ligen ganz zu schweigen".

Rummenige wundert sich über Berater Struth

Rummenigge fordert "einen Kulturwandel, hin zu mehr Rationalität und weg von einem völlig überhitzten, emotionalisierten Markt". Dabei äußerte er auch Kritik an den Spielerberatern und wunderte sich im Speziellen über Volker Struth: "Ich erinnere mich noch genau wie Volker Struth zu Beginn der Pandemie gesagt hat, man müsse in Zukunft kleinere Brötchen backen. Das war eine bemerkenswerte Aussage. Bei den Verhandlungen zu Upamecano wurden daraus aber schnell wieder eher ausgewachsene Baguettes."
Generell müsse man über Gehaltsobergrenzen und über die Decklung der Beraterhonorare sprechen. Ihm sei zwar bewusst, dass Gehaltsobergrenzen einen erheblichen Eingriff in die Vertragsfreiheit der beteiligten Personen darstellen würden, doch den betroffenen Rechten der Spieler und der Vereine würde das berechtigte Interesse der Verbände und Ligen an einem fairen und finanziell nachhaltigen Wettbewerb entgegenstehen.
Gehaltsobergrenzen sollten den Wettbewerb letztendlich "stabilisieren und nicht einschränken".

Indirekte Kritik an Alaba?

Rummenigge erläuterte: "Es gab Zeiten, da hatte die ganze Welt nur das Schneller-Höher-Weiter im Blick. Der Turbokapitalismus im Fußball macht auch mir zwischenzeitlich große Sorgen, denn er lässt die Fans zu sehr außer Acht."
Er ist der Meinung, dass nur sehr wenige Menschen in dieser existenziellen Krise Verständnis dafür hätten, "wenn ein Fußballprofi schon 15 Millionen im Jahr verdient und dann mit 19,5 Millionen nicht zufrieden ist."
Auf die Nachfrage, ob er David Alaba damit meint, antwortete er: "Wir müssen generell eine Balance finden zwischen der Basis und der wirtschaftlichen Komponente, dürfen den Fußballfan nicht vergessen, nur weil er jetzt ein Jahr nicht im Stadion war. Fußball hatte immer ein verbindendes Element."
Rummenigges Aussage muss als indirekte Kritik an Alaba aufgefasst werden. Der Österreicher verlässt den FC Bayern und wechselt zu Real Madrid, nachdem Verhandlungen über einen neuen Vertrag gescheitert waren. Ein Grund dafür seien unter anderem die Gehaltsforderungen des Abwehrspielers gewesen.
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