Rom ist immer eine Reise wert - wohl dem, der sie aktuell antreten darf.
Der FC Bayern München spielt jedenfalls äußerst gerne in Rom; neun Tore glückten den Münchnern bereits bei zwei Gastspielen bei der AS Roma, am Dienstag kamen vier weitere hinzu: 4:1 hieß es am Ende im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Lazio Rom. Ein auch in der Höhe verdienter Sieg der Bayern, die sich in Europa erneut, schwache Liga-Ergebnisse hin oder her, von ihrer Schokoladenseite zeigten.
Das A und O dabei: "Jeder einzelne war bereit, Besonderes zu leisten", sagte Trainer Hans-Dieter Flick, als das Werk vollbracht war und die Bayern schon Kurs aufs Viertelfinale genommen hatten.
Champions League
Bayern-Reaktionen aus Rom: "Das hat uns stark gemacht"
24/02/2021 AM 00:17
"Es hat uns immer stark gemacht, wenn wir dem Gegner gleich gezeigt haben, dass nichts zu holen ist", sagte derweil Leon Goretzka. Nach 42 Minuten hieß es bereits 3:0 für die Münchner. "So haben wir das Spiel gleich in die richtige Richtung gelenkt."
Spielbericht: Vier Tore in Rom - Bayern lässt Lazio keine Chance
Was uns sonst beim Spiel in der ewigen Stadt auffiel.

1. Von wegen Dornröschen-Bayern

Es brauchte also mal wieder die Champions League, die große Bühne, die Fernsicht auf den Pokal mit den großen Ohren, um die Bayern aus ihrem in der Liga zuletzt in den Anfangsminuten stets zur Schau gestellten Dornröschenschlaf zu reißen.
Ein Unterschied wie Tag und Nacht war jedenfalls in Sachen Intensität bei den Münchnern zu erkennen; tapsten sie zuletzt gegen Bielefeld (3:3) und Frankfurt (1:2) in der ersten Halbzeit nur über den Rasen, war in Rom gleich richtig Feuer drin.
Schon nach sieben Minuten tankte sich Aushilfsrechtsverteidiger Niklas Süle mit der Behändigkeit eines Tanzbären samt Übersteiger bis zum Strafraum durch. Kurz darauf hätte Robert Lewandowski beinahe schon eine scharfe Hereingabe von Joshua Kimmich verwertet (8.), ehe er eine Uhrumrundung des Sekundenzeigers später freudig einen Blackout von Mateo Musacchio zur Bayern-Führung nutzte.

Robert Lewandowski (r.) trifft für den FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Ein Tor, das die Tektonik des Spiels früh zugunsten der Bayern verschob: Die Flick-Truppe ließ sich fortan vom Forechecking der Römer nicht beirren, kombinierte sich stark aus dem eigenen Defensivdrittel und erspielte sich offensiv weitere klare Chancen – die nächste nutzte Jamal Musiala zum 2:0 (24.).
Nur elf Minuten später hätte Lewandowski beinahe auch noch einen Querschläger des Ex-Bayern-Torwarts Pepe Reina zum 3:0 genutzt – dafür war dann Leroy Sané nach einem bemitleidenswerten Verstolperer von Patric und erstklassiger Vorarbeit von Kingsley Coman zuständig (42.). "Unser Trainer hat drauf hingewiesen, dass sie Fehler machen, wenn wir Druck machen", sagte Sané.
"Wir haben es geschafft, diesen Matchday-Modus aus dem vergangenen Jahr auf den Platz zu bringen und von Anfang an Vollgas zu geben", sagte Goretzka: "Wir waren von Anfang an aggressiv, hatten guten Zugriff und haben die Bälle hoch gewonnen. Das hat uns in der Vergangenheit schon stark gemacht. Das war heute ein sehr guter erster Schritt in die richtige Richtung."

2. Flick beweist Händchen mit Musiala

Zugegeben, angesichts der nur zur Hälfte besetzten Bayern-Bank in Rom waren die Alternativen rar. Statt zwölf Bayern-Profis nahmen im Stadio Olimpico neben Trainer Flick verletzungs- und Corona bedingt nur ein Torwart (Hoffmann) und fünf Feldspieler (Hernández, Sarr, Martínez, Roca, Choupo-Moting) Platz.
Jamal Musiala, 17, hatte man aber nicht unbedingt in der Startelf erwartet; vor allem nicht, weil Flick dem Youngster unlängst öffentlich recht klar eine kleine Leistungsdelle und einen verklärten Fokus aufs Wesentliche attestiert hatte – Aussagen, die man durchaus als eine Rüge verstehen konnte.
Vor dem Spiel in Rom erklärte Flick, er habe lediglich "offen gesagt, wie es ausschaut" – es seien in den letzten Wochen "viele neue Dinge auf ihn eingeprasselt", unter anderem Musialas erster Profi-Vertrag sowie die Debatte, ob er nun für Deutschland oder England spielen wird. Flick habe entsprechend "nur gesagt, dass er die letzten Wochen nicht ganz so die Leistung gebracht hat, die wir von ihm kennen".
Nun stand Musiala in Rom dann aber doch statt Eric Maxim Choupo-Moting auf der Müller-Position hinter Lewandowski in der Startelf und tat genau das, was sich Flick von ihm erhofft hatte. "Unbekümmert spielen, Torgefahr zeigen und den letzten Pass spielen", hatte sein Trainer als Erwartungshorizont aufgezeichnet.
Seine Klasse stellte Musiala vor allem beim 2:0 unter Beweis, als er, von Goretzka hervorragend freigespielt, zum schon wiederholten Male im Bayern-Trikot aus knapp 16 Metern eiskalt und vor allem präzise platziert flach einnetzte und damit sein erstes Champions-League-Tor erzielte. "Wir wollten so einen wie ihn für die Position zwischen den Linien und in den Halbräumen, um dort Überzahlsituationen zu schaffen und Anspielpunkte zu haben. Wir freuen uns alle, dass er eine gute Leistung gezeigt hat", freute sich Flick.

Flick lobt Musiala: "Wir wollten so einen wie ihn"

"Er hat sich brutal darüber gefreut, von Anfang an zu spielen", verriet Vorlagengeber Goretzka nach der Partie bei "Sky". Alle Mitspieler hätten ihn vor der Partie dazu ermutigt, frei aufzuspielen. "Jo (Kimmich, Anm. d. Red.) und ich haben versucht, ihm den Rücken freizuhalten und ihm die Freiheiten zu geben, die er für sein Spiel braucht."
Mit seinem Tor stellte Musiala den nächsten Jungspund-Rekord auf: Nie war ein Spieler eines deutschen Klubs jünger in der Champions League erfolgreich als mit 17 Jahren und 363 Tagen, Bayern-intern löste er damit einen gewissen Samuel Osei Kuffour ab, der 1994 bei seinem Premierentreffer 62 Tage älter gewesen war.
Zwar war bei Musiala, der in der zweiten Halbzeit körperlich zusehends abbaute und auch nur drei seiner zehn Zweikämpfe gewann, noch längst nicht alles perfekt; insgesamt schlug er sich in einem K.o.-Spiel der Champions League aber wacker und rechtfertigte seinen Startelfeinsatz. "Es ist wichtig, dass er in solchen Spielen reift", hatte Flick vor dem Spiel gesagt. Reifeprüfung bestanden.

3. Offensive stärkt die Defensive

Nach drei Gegentoren gegen Bielefeld und zwei in Frankfurt fragte sich der geneigte Bayern-Fan doch, ob das noch was wird diese Saison mit Brillanz in der Abwehr. Sorgen, die sich die Anhänger in der Champions League offenbar nicht machen müssen.
Zwar blieben die Münchner in Rom nicht gänzlich schadenfrei (was an einem vorzüglichen Solo von Joaquín Correa, 49., lag), stabilisierten die Abwehr aber immerhin so weit, dass niemand in die Nähe eines Herzinfarkts getrieben wurde.
Was freilich – wie so oft – nicht nur an den Herren der Viererkette lag, sondern an der Arbeit gegen den Ball im Verbund. Giftig jagten alle Bayern zu fast jeder Zeit dem Spielgerät (und den Römern!) über die gesamte Länge des Platzes hinterher, besetzten zu fast jeder Zeit auch für den Mitspieler dessen verlassene Position und ließen so nur selten Unterzahlsituationen zu.
"Offensiv fängt die Defensive an", sagte Sané hinterher brav: "Das war heute ganz ordentlich."
In der Abwehrkette war gerade bei Aushilfsrechtsverteidiger Niklas Süle ein klarer Anstieg der Formkurve erkennbar; auch David Alaba agierte hoch performant an der Seite von Jérôme Boateng. Dass Goretzka pünktlich wieder vor der Abwehr neben Joshua Kimmich installiert werden konnte, machte die Sache für Bayern umso besser.
Flick gefiel's. "Wir haben eine sehr gute Mannschaftsleistung gezeigt", sagte der Coach: "Wir wollten den Gegner von Anfang an unter Druck setzen, das haben wir gut gemacht, hohe Ballgewinne gehabt und uns dementsprechend auch Torchancen herausgearbeitet. Von daher sind wir heute sehr zufrieden."
Das könnte Dich auch interessieren: Müller meldet sich aus Quarantäne: "Muss raus aus dem Stall"

Schwalbe des Jahres: Profi in Guatemala mit dreister Täuschung

Champions League
Musiala auf Rekordjagd: Bayern-Youngster schreibt erneut Geschichte
23/02/2021 AM 22:54
Champions League
Ewige CL-Torschützenliste: Lewandowski zieht an Real-Legende vorbei
23/02/2021 AM 21:29