Ein Fußball-Leckerbissen war es nicht - eher harte Arbeit.
"Spielerisch war nicht ganz so viel möglich, wenn ich auf den Rasen schau", sagte Manuel Neuer bei "Sky" nach dem 4:0 des FC Bayern München beim FC Schalke 04 und spielte damit auf das holprige Geläuf in der Schalker Arena an, das nach diesem Spiel ausgedient hat.
Kombinationsfußball war den Bayern so kaum möglich, spielerischer Glanz utopisch - der Tabellenführer zog sich nach Anfangsschwierigkeiten dennoch souverän aus der Affäre.
Bundesliga
Müller spricht sich für Boateng-Verlängerung aus
24/01/2021 AM 17:17
"Wir haben die Vorlage, die die Konkurrenz gegeben hat, genutzt", freute sich Trainer Hans-Dieter Flick, der seiner Mannschaft prompt zwei Tage frei gab.

So viele Tore wie noch nie! Bayern auf Rekordjagd

Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Ergebnis deutlicher als das Spiel

Ja, der FC Bayern München hat mit Siegen gegen den SC Freiburg (2:1), den FC Augsburg (1:0) und jetzt Schalke (4:0) sein (Ergebnis-)Tal durchschritten und binnen sieben Tagen einen großen Schritt Richtung neunte Meisterschaft in Folge gemacht.
Spielerisch leicht geht den Münchnern das Ganze aber noch nicht von der Hand. Auf Schalke taten sich die Bayern jedenfalls lange schwer, die gut verschiebende Defensive der Königsblauen zu knacken.
Dem Ex-Schalker Leroy Sané auf rechts und Serge Gnabry auf links fehlten unterstützende Läufe der Außenverteidiger Niklas Süle und Alphonso Davies (je nur eine Flanke), in der Mitte verirrten sich die Bayern oft im Gewirr der weißblauen Beine. Ebenfalls nicht ganz so gut: Bayerns Offensive stand teilweise mit vier Mann auf einer Linie, ohne dass jemand einen tiefen Laufweg andeutete.
"Wir haben das Tor teilweise belagert, aber die letzte Aktion hat gefehlt", sagte Thomas Müller.

Titel-Vorentscheidung für Bayern? Flick: "Absoluter Quatsch"

So kamen die Münchner in der ersten halben Stunde zwar zu einigen brauchbaren Chancen, so richtig zwingend wirkte das jedoch nicht – bis Joshua Kimmich mal wieder den Rechtsverteidiger in sich entdeckte und aus dem Halbfeld punktgenau auf den Kopf von Müller flankte (1:0, 33.).
Auf der Gegenseite musste jedoch auch Manuel Neuer in der ersten Halbzeit zweimal beherzt eingreifen, um ein Schalker Tor zu verhindern. "Es war ein Spiel mit Nachlässigkeiten, Schalke hatte gleich zu Beginn eine super Chance", bilanzierte Müller.
Erst mit Robert Lewandowskis unter Ozan Kabak und Ralf Fährmann durchgestecktem 2:0 (Vorlage: abermals Kimmich, 54.) bewegte sich Bayern in ruhigen Gewässern. Die Schlusspunkte durch Müller (Vorlage: Kimmich, 88.) und Alaba (nach Querpass des eingewechselten Kingsley Coman, 90.) schraubten das Ergebnis weiter in die Höhe.
"Wir haben zwei zu viel bekommen", bilanzierte Fährmann nicht ganz grundlos.

2. Sané-Frust

Beim 8:0 im Hinspiel hatte Leroy Sané mit einem Tor und zwei Assists einen glänzenden Einstand im Bayern-Trikot gegeben – einen Eindruck, den der Ex-Schalker im Rückspiel nicht bestätigen konnte.
Zwar fiel der 24-Jährige in Bayerns mittelprächtig klickender Offensive zwar keineswegs ab, aber auch nicht sonderlich auf.
Das lag vor allem daran, dass der Flügelstürmer keinen Schuss aufs Tor brachte und insgesamt 15 Mal den Ballbesitz verlor – ein Manko, an dem Sané weiter arbeiten muss.
"Ich war nicht ganz zufrieden", sagte Trainer Flick auf die gesamte Offensive bezogen: "Klar, wir haben vier Tore geschossen, aber ich habe auch gesehen, dass wir das eine oder andere bei Ballbesitz besser machen können. Wir spielen manchmal zu viel Risiko, manchmal zu langsam. Es gibt Ballverluste, die wir vermeiden können."
Nach 64 Minuten hatte Flick von seiner Nummer zehn genug gesehen und brachte Coman für Sané, der die Auswechslung mit einem wütenden Wegpfefferns seiner Handschuhe quittierte.
Als Eindruck bleibt: Sané ist wenig zufrieden mit sich und seiner Leistung, auf gute Ansätze folgen ernüchternde Auftritte – vielleicht setzt sich der Nationalspieler aber auch selbst zu sehr unter Druck.
Und auch, wenn längst noch nicht alles perfekt ist: In Sachen Körpersprache und im Anlaufen nach Ballverlusten hat Sané im Laufe der Saison jedenfalls schon einen merklichen Schritt nach vorne gemacht. "Man kann von ihm nicht erwarten, dass er jedes Spiel auf Top-Niveau spielt", meinte Flick: "Und wenn er unzufrieden ist, ist das seine Entscheidung."

Das sagt Flick über den stinkigen Sané

3. Lewandowski: Nur noch 17

Die große Kunst des Robert Lewandowski ist, alles relativ einfach aussehen zu lassen. Wie der Mittelstürmer der Bayern jedenfalls den Ball beim 2:0 unter Abwehrspieler Kabak und Torwart Fährmann förmlich ins Tor log, war eigentlich fast unmöglich – und damit ganz große Kunst.
Findige Statistiker haben herausgefunden, dass der Pole damit nun schon bei 23 Saisontreffern steht und dass das nach 18 Bundesliga-Spielern noch niemandem gelungen war – nicht mal dem großen Gerd Müller.
Dessen magische 40 aus der Saison 1971/72, nach wie vor der heilige Gral aller Bundesliga-Torjäger, scheint damit für Lewandowski erreichbarer denn je – wenn er nur munter so weiter trifft.
Mit Toren in acht Auswärtsspielen in Folge hat der 32-Jährige am Sonntagnachmittag jedenfalls einen weiteren Bundesliga-Rekord scheinbar im Vorbeigehen mitgenommen. Dass er darüber hinaus zum elften Mal in Folge gegen Schalke traf, war auch noch keinem Spieler gegen einen einzelnen Verein in der Liga-Geschichte gelungen.
Was sich dabei durch die Saison zieht: Lewandowski scheint für seine Tore weniger Chancen denn je zu brauchen. Auf Schalke reichten dafür vier Abschlüsse. Mit 37 Ballaktionen hielt sich Lewandowski ansonsten auch vornehm zurück. Der große Gerd Müller machte das aber auch nicht anders.
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