Maximilian Philipp wirkte ziemlich bedröppelt. "Sie haben den besten Torwart der Welt drin und wahrscheinlich auch den besten Spieler der Welt. Das ist halt Bayern München", meinte der Offensivspieler des VfL Wolfsburg nach dem 1:2 (1:1) beim FC Bayern am 12. Spieltag der Bundesliga - übrigens tatsächlich die erste Saisonpleite der Wölfe.

Manuel Neuer und Robert Lewandowski hatten es einmal mehr für den FC Bayern rausgerissen. Zum Ärger von Philipp, aber zur Freude ihres Übungsleiters und dessen Familie.

Bundesliga
Matthäus fordert Weltfußballertitel für Lewandowski
16/12/2020 AM 23:04

"Ich habe meiner Mutter zum Geburtstag drei Punkte versprochen", meinte Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick: "Die hat Manuel am Ende festgehalten."

Das - und was uns sonst noch auffiel in drei Punkten.

1. Bayrische Lebensversicherung

In den letzten sechs Bundesliga-Spielen lag Bayern nun jeweils 0:1 in Rückstand – das schaffte sonst nur Schalke. Der feine Unterschied: Bayern verlor keine dieser Partien, drehte drei noch in einen Sieg um.

Nach drei Remis aus den vergangenen vier Bundesliga-Spielen war die Kombination Kingsley Coman/Robert Lewandowski gegen Wolfsburg einmal mehr Bayerns Lebensversicherung: Der Franzose bereitete das 1:1 des Polen vor (45.+1), der Mittelstürmer legte kurz nach dem Seitenwechsel mit seinem zweiten Tor nach Zuspiel von Jérôme Boateng nach (50.).

Für Coman war sein Assist zum Ausgleich der fünfte Bundesliga-Treffer der Bayern in Serie, den er vorbereitete. Lewandowski steht derweil schon wieder bei 15 Ligatoren.

Und als Wolfsburg kurz vor Schluss drauf und dran war, doch noch das 2:2 zu erzielen, meldete sich der dritte Versicherungsangestellte der Bayern: Manuel Neuer. Atemberaubend, wie er gegen Bartosz Bialeks freien Abschluss noch den Arm hochriss und den Ball über die Latte lenkte (85.).

"Was soll ich groß sagen? Er ist halt der Beste", meinte Wolfsburgs Xaver Schlager verbal achselzuckend. Oder frei nach Herrmann Gerland: Immer knapp gewinnen ist auch Können.

2. Flicks Impro-Elf

Da Bayern mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Javi Martínez und Tanguy Nianzou quasi der ganze Maschinenraum ausfiel, musste sich Trainer Flick etwas einfallen lassen. Heraus kam: Die wohl offensivste Bayern-Startelf der Saison mit fünf Angreifern (Lewandowski, Coman, Müller, Gnabry, Sané) in einem 4-1-4-1-System.

Hinter den fünf Offensiven ließ Flick den normalerweise auch eher offensiv denkenden Corentin Tolisso den Aushilfssechser geben, dafür stellte er Innenverteidiger Niklas Süle zur Absicherung als Rechtsverteidiger auf, der sich mit den Innenverteidigern David Alaba und Jérôme Boateng im Dreierverbund um den Spielaufbau kümmern sollte.

Linksverteidiger Lucas Hernández sollte entsprechend höher agieren. Bayerns Offensivspiel kam damit ein bisschen asymmetrisch daher. Mit mehreren Spielern "out of position" taten sich die Bayern auch spürbar schwer, ein effektives Pressing aufzuziehen und kompakt zu verschieben.

In der ersten Hälfte hätten sich die Münchner deshalb auch nicht beschweren dürfen, wenn sie 0:2 in Rückstand geraten wären – zum Beispiel durch Philipps Volley, der nur hauchdünn am linken Pfosten vorbeistrich (29.).

"Im Moment müssen wir ein bisschen improvisieren", meinte Flick und wollte sich auch gar nicht mit weiteren Eventualitäten aufhalten: "Wir haben gewonnen. Das ist das Entscheidende."

Fürs Spitzenspiel am Samstagabend bei Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen (18:30 Uhr im Liveticker) kann der Bayern-Trainer zumindest wieder auf die Rückkehr von Joshua Kimmich und Leon Goretzka hoffen.

3. Sané liefert ein Fallbeispiel

Offensiv zeigte Leroy Sané bei Bayern einmal mehr gute Ansätze, wenn er dynamisch auf die Abwehr zulief. Vor dem Tor offenbarte der Neuzugang aber auch einmal mehr Probleme bei der Ballan- und mitnahme auf engstem Raum – so vertändelte er die erste Großchance des Spiels (4.).

Keine Minute später lieferte der 24-Jährige dann ein Fallbeispiel dafür ab, warum ihn Flick derzeit noch nicht als Säule seiner Mannschaft sieht: Sané fehlt es zu oft an der rechten Sorgfalt in Sachen Defensive.

Wie der Flügelstürmer den Ball vorm Wolfsburger 1:0 durch Maximilian Philipp (5.) am eigenen Fünfer sorglos vom eigenen Körper wegflippern ließ, statt resolut zu klären, hatte jedenfalls kein Weltklasseniveau – und sorgte in der Gesamtbewertung eher für einen Daumen zur Seite.

Sané habe "in der ein oder anderen Situation vom Ansatz gezeigt, welche Qualität, welche Dynamik er haben kann", meinte Flick auf der anschließenden Pressekonferenz – mit Betonung auf "kann". Mit Ausnahme der Szene beim Gegentor habe der deutsche Nationalspieler aber, so fand zumindest Flick, "sehr gut gegen den Ball gearbeitet".

Bemerkenswert jedoch auch folgender Fakt: Seit dem Saisonauftakt gegen seinen Ex-Klub Schalke, als Sané ein Tor und zwei Vorlagen zum 8:0 beisteuerte, hat er bei keinem Startelfeinsatz mehr einen Scorerpunkt sammeln können. Und das waren immerhin sieben.

Wenn Sané also, wie Flick noch sagte, auf einem "sehr, sehr guten Weg" sei, dann muss dies derzeit eher die Trainingsleistungen betreffen.

Das könnte Dich auch interessieren: Wegen Lewandowski: Rummenigge kritisiert DFL

Bundesliga
Lewandowski und Neuer sorgen für Bayern-Sieg nach Rückstand
16/12/2020 AM 21:23
Bundesliga
Musiala winkt Profivertrag - keine Wintertransfers bei Bayern?
16/12/2020 AM 08:02