Nach dem 1:2 in der Vorwoche in Leverkusen wollte Schalke 04 endlich den zweiten Saisonsieg. Dimitrios Grammozis nahm im Vergleich dazu drei personelle Wechsel vor: Ralf Fährmann, Bastian Oczipka und Can Bozdogan verdrängten Frederik Rönnow, Kerim Calhanoglu und Sead Kolasinac auf die Bank.
Der FC Augsburg verschaffte sich durch das 2:1 gegen Hoffenheim mächtig Luft im Abstiegskampf. Heiko Herrlich sah also keinen Grund, etwas an der Startelf zu ändern.
Die Partie auf Schalke begann für Königsblau optimal: Der erste Angriff führte zum 1:0, nachdem FCA-Keeper Rafal Gikiewicz eine Oczipka-Flanke nicht festhalten konnte und Suat Serdar zum Tor einlud (4.). Auch danach zeigte sich der Tabellenletzte engagiert, Klaas-Jan Huntelaar verzog knapp (9.).
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Erst nach der Anfangsphase kam der FCA besser in die Partie. Rani Khedira und Carlos Gruezo zogen das Spiel zunehmend an sich und ordneten den Spielaufbau der Fuggerstädter. Doch es brauchte einen Ausrutscher von Malick Thiaw, um die beste Chance für Augsburg zu ermöglichen: Marco Richter scheiterte aus zwölf Metern per Flachschuss an Fährmann (24.).
Im Verlauf der ersten Halbzeit verdiente sich Königsblau die Führung durch eine engagierte und geschlossene Mannschaftsleistung. Alle Spieler zeigten vollen Willen und Einsatz. Zudem setzte Schalke immer wieder Nadelstiche, so auch in der 36. Minute, als Serdar einen Angriff kläglich abschloss und das Ziel aus aussichtsreicher Position deutlich verfehlte.
Die Augsburger, bei denen Tobias Strobl zur Halbzeit für Rani Khedira gebracht wurde, kamen im zweiten Durchgang besser in die Partie. Doch Schalke ließ sich nicht in die Defensive drängen und sorgte regelmäßig für Entlastung.
Mitte der zweiten Halbzeit ergriffen die Fuggerstädter die Initiative, wurden griffiger und holten sich viele zweite Bälle. Rúben Vargas scheiterte noch am glänzend reagierenden Fährmann (56.), Richter schoss aus kurzer Distanz weit über den Kasten (57.).
Schalke zog sich in dieser Phase zu sehr zurück, sorgte kaum noch für Entlastung und war beinahe nur noch am Verteidigen. Augsburg stand in der Folgezeit nicht mehr ganz so kompakt, was den Schalkern viele Räume in der Offensive ermöglichte. Doch die Knappen spielten oft zu umständlich und gaben den Ball so schnell wieder her.
Die Augsburger blieben auch in der Schlussphase klar am Drücker, ohne wirklich gefährlich zu werden. So dauerte es bis zur Schlussphase, ehe Richter per Fallrückzieher Fährmann zur Glanzparade zwang (76.). Ansonsten ließ Augsburg Tempo und Ideen vermissen. Auf der anderen Seite wurde Schalke nur einmal gefährlich, als Huntelaar mit einem herrlichen Freistoß an Gikiewicz scheiterte (81.).
Augsburg rannte in den Schlussminuten unermüdlich an, doch es fehlten die letzte Gier und die nötige Durchschlagskraft. So kam Schalke zum zweiten Saisonsieg und sendete doch noch ein Lebenszeichen.
Schalke gastiert nächsten Samstag in Freiburg. Augsburg empfängt zeitgleich Bielefeld und kann einen weiteren wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt machen.

Die Stimmen zum Spiel

Rafal Gikiewicz (FC Augsburg): "Klarer Fehler von mir. Das tut mir leid, die Niederlage nehme ich auf meine Kappe. Das müssen wir nächste Woche besser machen. Schalke hat genügend Qualität und es ist für jeden eine Überraschung, dass sie ganz unten stehen. Sie hatten zwei Torschüssen und machen ein Tor. Bei uns fehlte es an Präzision."
Marco Richter (FC Augsburg): "Wir wussten, dass ein großer Brocken auf uns zukommt. Wir haben uns etwas einlullen lassen und verlieren dann auch noch. Wir haben es nicht so schlecht gemacht, aber die Chancenverwertung steht ganz oben. Auch ich hätte das eine oder andere Tor machen müssen. Die Durchschlagskraft war heute leider nicht so gut."
Dimitrios Grammozis (Trainer Schalke 04): "Es war ein sehr schönes Gefühl. Am Ende war es eine Abwehrschlacht, die Jungs haben alles rausgehauen und brutale Leidenschaft an den Tag gelegt - aber man hat auch gesehen, dass Schalke wieder gut Fußball spielen kann. So werden wir noch ein paar Punkte holen."
Heiko Herrlich (Trainer FC Augsburg): "Durch den frühen Rückstand sind wir der Musik erstmal hinterher gelaufen, haben es trotzdem geschafft, uns Torchancen zu erspielen. Auch in der zweiten Halbzeit hatten wir mehr Dominanz, hatten mehr den Ball. Ärgerlich, dass uns nicht der Ausgleich gelungen ist. Das Tor war für uns heute wie vernagelt. Wir haben es verpasst, einen Riesenschritt nach vorne zu machen."

Das fiel auf: Grammozis pfeift auf große Namen!

Grammozis ist bereits der fünfte Trainer in dieser Spielzeit beim FC Schalke 04. Er wird die Knappen wohl auch in der 2. Bundesliga trainieren. Und so schärft der Deutsch-Grieche aktuell sein Profil und setzt auf junge Spieler. Mit dem beiden 19-jährigen Mehmet Aydin und Malick Thiaw sowie Can Bozdogan (20) standen drei Youngsters in der Startelf. Dagegen saßen mit Sead Kolasinac, William und Shkodran Mustafi drei Spieler auf der Bank, die als Heilsbringer in der Winterpause geholt wurden. Grammozis denkt schon jetzt an die Zukunft! Der Erfolg gegen Augsburg gibt ihm recht.

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Der FC Schalke zeigte gegen Augsburg eine couragierte und geschlossene Mannschaftsleistung. Klaas-Jan Huntelaar ging dabei voran. Der 36-Jährige warf sich wie jeder seiner Mitspieler in jeden Ball und gewann zwölf Zweikämpfe. Für einen Stürmer ist dies eine herausragende Bilanz. Der Hunter steht sinnbildlich für den Kampf, den Schalke unter Grammozis wiederentdeckt hat.

Die Statistik: 17

Der FCA und Rückstände - das passt in dieser Saison einfach nicht zusammen. Auf Schalke geriet Augsburg bereits zum 17. Mal in Rückstand. Die Ausbeute liest sich miserabel: Drei Remis und 14 Niederlagen gab es nach Rückstand. In dieser Statistik sind nur der FC Schalke (ebenfalls drei Punkte bei 22 Rückständen) und Arminia Bielefeld (ein Punkt) schlechter.
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