Kaum war der Schlusspfiff ertönt, waren die Schalker Absteiger auch schon in der Kabine verschwunden: Als um 22.22 Uhr das Unvermeidliche nach einem beispiellosen Absturz mit nur zwei Bundesligasiegen in 15 Monaten feststand, wollten die Dauerverlierer nur noch weg.
Bittere Tränen der Enttäuschung weinten nur Timo Becker auf der Ersatzbank und der Ur-Schalker Gerald Asamoah.
"In meinen über 20 Jahren in diesem Verein habe ich es mir nie erträumt, dass es einmal so weit kommt. Mir fehlen die Worte - es ist hart. Mir geht es nicht gut und ich kann mir vorstellen, wie die Schalker Fans zuhause vor dem Fernseher sitzen und am Weinen sind", sagte Teammanager Asamoah nach dem 0:1 (0:0) bei Arminia Bielefeld mit brüchiger Stimme bei "Sky": "Wir wussten bereits was auf uns zukommt. Es ist dennoch brutal, wenn man merkt, dass es jetzt vorbei ist. Wir haben alle enttäuscht und müssen uns alle hinterfragen."
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Auf die Spieler war Asamoah erstmal nicht gut zu sprechen: "Wir sind Tabellenletzter und haben 13 Punkte geholt. Wenn da einer sagt, dass er alles gegeben hat, dann weiß ich nicht, was ich mit dem machen würde. Wir haben enttäuscht. Das Emblem von Schalke zu tragen bedeutet viel und ob das alle Jungs verstanden haben, ist fraglich. Jeder sollte sich hinterfragen, ob er alles getan hat, um den Verein am Leben zu halten."

"Tut noch mehr weh als erwartet"

Mit der Pleite beim Aufsteiger besiegelten die Königsblauen bereits vier Runden vor Saisonende den vierten Abstieg ihrer Vereinsgeschichte.
"Es hat sich abgezeichnet, aber es tut trotzdem ungemein weh. Wir trauern mit unseren Fans, mit unseren Mitgliedern, mit alle den Menschen, die Schalke 04 die Treue halten, besonders in schlechten Zeiten", sagte Sportvorstand Peter Knäbel und versprach: "Da kommen wir wieder raus. Wir werden alles tun, um diesen Verein wieder dahin zu bringen, wo er hingehört."
Asamoah meinte: "Ich bin ein Typ, der positiv denkt. Ich weiß, was wir im Hintergrund machen und bin optimistisch, dass wir das hinbekommen und wieder hochkommen. Es ist dennoch schwer zu verstehen, dass wir jetzt zweitklassig sind."
Der Traditionsklub, fast zwei Jahrzehnte lang Stammgast im Europapokal, verabschiedet sich nach 30 Jahren wieder aus dem Oberhaus - als einer der schlechtesten Absteiger der Ligahistorie.
"Es ist eine sehr bittere Stunde für alle Schalker. Wir sind brutal enttäuscht, dass die Gewissheit jetzt da ist, dass wir in die zweite Liga müssen", sagte Trainer Dimitrios Grammozis: "Jetzt müssen wir trotz dieser Enttäuschung nach vorne schauen und eine Mannschaft auf den Platz stellen, auf die die Fans wieder stolz sind."
"Tut noch mehr weh als erwartet. Scheiße", twitterte derweil der Vereinsaccount, als der Abstieg feststand. Mitleid kam vom Gegner: "Für Schalke tut es mir leid. Es ist so ein großer Klub, und sie werden irgendwann wieder Bundesliga spielen", sagte Bielefelds Manuel Prietl bei "Sky".

Bielefeld darf hoffen

Die Arminia dagegen darf weiter auf den Klassenerhalt hoffen: Nach vier Spielen in Folge ohne Niederlage beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz vier Punkte. Allerdings hat Hertha BSC wegen der Corona-Quarantäne zwei Spiele weniger bestritten. Schalke tritt wie 1981, 1983 und 1988 den Gang in die Zweitklassigkeit an - noch nie jedoch hatte der Abstieg so früh festgestanden, und noch nie hatte der siebenmalige Meister 21 Saisonniederlagen kassiert.
Schon vor dem Anpfiff hatte festgestanden, dass die Gelsenkirchener nur mit einem Sieg das Unvermeidbare noch hinauszögern könnten. Doch das Team von Trainer Dimitrios Grammozis lieferte die nächste enttäuschende Leistung in einer historisch schlechten Saison ab, wirkte nie wie eine Mannschaft, die unbedingt gewinnen musste.
Kapitän Fabian Klos beendete den Schalker Kampf um den Klassenerhalt mit einem Distanzschuss aus 25 Metern (50.). Das Ergebnis hätte noch deutlicher ausfallen können, denn die Ostwestfalen vergaben mehrere hochkarätige Torchancen und Klos sogar einen Foulelfmeter (80.). Schalkes Verteidiger Malick Thiaw sah wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte (71.).

Grammozis engagiert

Gegenüber der 0:4-Pleite am vergangenen Samstag in Freiburg hatte Grammozis seine Startelf überraschend nur auf zwei Positionen verändert. Ausgerechnet Timo Becker und Can Bozdogan aus dem eigenen Nachwuchs mussten auf die Ersatzbank.
Mehr Engagement als seine Spieler zeigte Grammozis, der an der Seitenlinie immer wieder sein Team mit lautstarken Anweisungen und häufigem Applaus zu motivieren versuchte. Erst nach mehr als einer halben Stunde brachte Kapitän Sead Kolasinac erstmals den Ball auf das Arminia-Tor, ohne aber Keeper Stefan Ortega dabei vor irgendwelche Probleme zu stellen (32.).
Auch nach der Pause blieben die Gastgeber die klar spielbestimmende Mannschaft. Dem 1:0 ging ein völlig unnötiger Ballverlust von Omar Mascarell im Mittelfeld voraus. Klos scheiterte kurz vor Schluss vom Punkt an Ralf Fährmann, traf zwar im Nachsetzen, stand dabei aber im Abseits.

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