Grammozis gab sich keinen falschen Illusionen hin. "Wir können keine Wunderdinge in zwei Tagen vollbringen", sagte der neue Trainer von Schalke 04 nach seinem ernüchternden Einstand. Spätestens seit dem 0:0 im Spiel um den letzten Strohhalm gegen den FSV Mainz 05 ist klar: Der Abstieg wird für den abgeschlagenen Tabellenletzten nicht mehr zu vermeiden sein, der fünfte Coach der Saison kann mit dem Neuaufbau beginnen.
Ein wenig aus der Not geboren, aber auch aus Überzeugung hatte der 42-Jährige schon bei seinem Debüt als Bundesliga-Trainer damit angefangen: Sechs Spieler aus der Schalker "Knappenschmiede" standen in der Startelf, darunter vier Teenager. Routiniers wie Benjamin Stambouli, Omar Mascarell oder Bastian Oczipka, Gesichter des Schalker Absturzes, saßen draußen - ebenso wie insgesamt elf Verletzte.
"Es hat eine gewisse Tiefe im Kader gefehlt", gab Grammozis zu, dem unter anderem Stammtorwart Ralf Fährmann, Abwehrchef Salif Sane und vier (!) Stürmer nicht zur Verfügung standen. So gab er schon mal einen Vorgeschmack darauf, wie die Mannschaft in der zweiten Liga aussehen könnte: mit Talenten wie Kerim Calhanoglu (18), Can Bozdogan (19), Matthew Hoppe (19) oder Malick Thiaw (19).
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Anders als sein Vorgänger Christian Gross, der immer wieder dieselben erfahrenen Spieler in derselben Formation aufgeboten hatte, experimentierte Grammozis - taktisch und personell. Nicht nur, weil ihm nach dem zusätzlichen Ausfall des Spielmachers Amine Harit beim Aufwärmen erst recht die Alternativen fehlten.

FC Schalke 04: Grammozis experimentiert viel

U19-Kapitän Calhanoglu habe "im Training frech aufgetrumpft", berichtete der langjährige Jugendtrainer des VfL Bochum, "deshalb hat er sich seine Chance verdient". Schon nach den ersten Tagen im Amt und dem ersten Spiel ist klar: Grammozis arbeitet perspektivisch, weil der kurzfristige Erfolg nach den Misserfolgen seiner vier Vorgänger nicht mehr möglich ist.
So war Nationalspieler Suat Serdar der einzige Spieler in der Startelf, den der frühere Schalker Sportvorstand Christian Heidel, jetzt wieder in Mainz in der Verantwortung, bei seiner 160 Millionen Euro teuren Einkaufstour verpflichtet hatte.
Die Abkehr von der ohne Sinn und Verstand zusammengekauften, völlig überschätzen Mannschaft, die den beispiellosen Absturz mit nur einem Sieg in den letzten 40 Bundesligaspielen verursachte, hat begonnen. Spieler wie Sane, Mascarell, Mark Uth, aber auch Harit und Serdar werden Grammozis in der zweiten Liga wohl nicht zur Verfügung stehen, auch weil der mit 240 Millionen Euro verschuldete Traditionsklub dringend Transfereinnahmen benötigt.
In den noch ausstehenden zehn Ligaspielen wird der neue Coach, der vor allem mit Blick auf die Mission Wiederaufstieg verpflichtet wurde, genau hinschauen: Auf wen kann er im Unterhaus setzen? Wer hilft beim totalen Umbruch nach dem totalen Absturz? Über "Wunderdinge" wie den Verbleib in der Bundesliga muss er sich seit Freitagabend keine Gedanken mehr machen.
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(SID)

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