"Ich habe wirklich keine Lust mehr."
Hansi Flick ist auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel des FC Bayern München gegen den 1. FC Union Berlin (Samstag, ab 15:30 Uhr im Eurosport Liveticker) der Geduldsfaden gerissen.
Angesprochen auf die öffentlich ausgetragenen Reibereien mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic und die seit Wochen aufbrausenden Gerüchte um einen möglichen Wechsel im Sommer von der Säbener Straße ins Amt des Bundestrainers machte der Bayern-Coach klar, wie sehr es in ihm brodelt.
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"Bei den Dingen, die von außen reingetragen werden, da habe ich sicherlich auch eine Teilschuld dabei. Aber wir vergessen jetzt alles und gehen fokussiert in die Zukunft. Ich versuche das Ganze so zu lösen und so zusammenzuarbeiten, dass es im Sinne des Vereins ist und alles andere, was sonst an Störfeuer kommt, das kommt nicht von mir", erklärte Flick ungewöhnlich deutlich.

FC Bayern: Spannungen zwischen Flick und Salihamidzic

Zuvor hatte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge Flick und Salihamidzic in einem Interview gerüffelt und aufgefordert, ihre internen Spannungen ad acta zu legen.

Flammender Appell von Flick: "Habe keine Lust mehr!"

"Dieses Thema muss ein Ende haben. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, müssen harmonisch, loyal und professionell zusammenarbeiten. Das ist meine klare Forderung an die sportliche Führung", forderte der Bayern-Boss.
Zwischen Flick und Salihamidzic gab es immer wieder Uneinigkeiten, besonders was die Personalplanung angeht. Zuletzt hatte Salihamidzic vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Paris Saint-Germain (2:3) bei "Sky" bestätigt, dass der auslaufende Vertrag von Jérôme Boateng nicht verlängert wird. Flick wollte den Weltmeister von 2014 gerne halten.
Auf der Pressekonferenz wurde Flick auch gefragt, warum er denn die Diskussionen um seine Zukunft beim FC Bayern nicht beende, indem er die Erfüllung seines bis 2023 laufenden Vertrags an der Säbener Straße öffentlich bestätigt. Flicks Antwort: "Nächste Frage."

FC Bayern München: Salihamidzic, Rummenigge, Flick (v.l.n.r.)

Fotocredit: Imago

Flick konzentriert sich auf sportliche Ziele

Der 56-Jährige versucht zumindest medial die außersportlichen Themen von seiner Mannschaft fernzuhalten und sich auf die Ziele des FC Bayern zu fokussieren. "Entscheidend und wichtig ist, jetzt Ruhe im Umfeld zu haben und daran müssen wir uns alle halten. Wir werden uns darauf vorbereiten, möglichst den maximalen Erfolg hinzubekommen. Das heißt, die Bundesliga zu gewinnen und in der Champions League ins Halbfinale zu kommen", so der gebürtige Heidelberger.
Die sportlich ohnehin schon hohen Erwartungen beim deutschen Rekordmeister hat Flick selbst mit dem Triple-Gewinn in der vergangenen Saison nochmals erhöht. Doch nach dem frühen DFB-Pokal-Aus in der 2. Runde bei Holstein Kiel (7:8 n.E.) und der Niederlage in der Champions League gegen Paris könnten die Münchner in dieser Saison am Ende "nur" mit der Meisterschaft dastehen.
"Ich bin jetzt 1,5 Jahre im Amt des Cheftrainers beim FC Bayern. Wir hatten im letzten Jahr eine Mannschaft, die qualitativ besser war als die Mannschaft in diesem Jahr", meinte Flick und setzte damit versteckt noch einen Seitenhieb gegen Salihamidzic. Denn seiner Meinung nach konnten die Abgänge von Thiago (FC Liverpool), Ivan Perisic (Inter Mailand) sowie Philippe Coutinho (FC Barcelona) qualitativ nicht aufgefangen werden.
Durch die Verletzungen von Robert Lewandowski (Bänderdehnung), Leon Goretzka (Oberschenkelzerrung), Niklas Süle (Muskelfasseriss), Lucas Hernández (Rippenprellung), Corentin Tolisso (Sehnenriss im Oberschenkel), Douglas Costa (Haarriss im Fuß) sowie die Corona-Erkrankung von Serge Gnabry fehlen Flick derzeit sieben wichtige Spieler im Saisonendspurt. Gegen Union fällt zudem der rotgesperrte Alphonso Davies aus.
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Flick lässt im Saisonendspurt Dampf ab

"Trotzdem haben wir in der Bundesliga und Champions League alle Chancen, unsere Ziele zu erreichen. Wir sind auf unseren Job fokussiert, ich bin absolut fokussiert auf meine Mannschaft. Ich spüre, dass meine Mannschaft auch loyal mir gegenüber ist. Das ist das Entscheidende, wir sind ein Team und da sind alle mit dabei. Das Trainerteam, der Staff und jeder einzelne Spieler", sagte Flick.
Auffällig dabei, dass er explizit nicht die Bayern-Führungsebene um Rummenigge und Salihamidzic in seine Aufzählung miteinbezog. Absicht? "Dazu ist alles gesagt", entgegnete Flick genervt auf Nachfrage. Zuvor ging er allerdings geschlagene acht Sekunden in sich, die innere Wut war dem 56-Jährigen dabei sichtbar anzumerken.

Flick verteilt Spitze: "Mannschaft war letztes Jahr besser"

Flick hat vor den entscheidenden Wochen der Saison auf der Pressekonferenz Dampf abgelassen. Der gebürtige Heidelberger hat damit gezeigt, dass er eben auch anders kann. Unangenehme Fragen zu seiner Person will der Bayern-Trainer nun erstmal nicht mehr beantworten.
"Ich will mich in Zukunft nicht mehr zu diesen Themen äußern. Ich weiß, dass es die Aufgaben der Journalisten ist, immer etwas aus dem Flick herauszubekommen, was neu ist und ich verstehe es absolut. Aber verstehen sie auch, dass ich in Zukunft, wenn so eine Frage zu diesem Thema kommt, nicht darauf antworten werde."
Wie lange Flick sein Schweigegelübde aufrecht erhalten wird, wird sich zeigen. Spätestens im Sommer muss er diese Fragen beantworten.
Nun steht aber erst einmal das sportliche Pflichtprogramm gegen Union Berlin an.
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