Mit knallrotem Kopf brüllte Jan-Moritz Lichte auf einen aufgebrachten Fan ein, wild gestikulierend geigte der Trainer des FSV Mainz 05 ihm seine Meinung. Nach der nächsten Niederlage - der vierten im vierten Bundesligaspiel - kochten die Emotionen bei den Rheinhessen hoch, auch wenn Lichte anschließend nur von einem "Meinungsaustausch" sprach.

"Man hat gesehen", sagte der Coach, "dass wir mit allem - wirklich mit allem - versuchen, Spiele zu gewinnen. Da wollte ich mit ein, zwei Fans nochmals genauer drüber sprechen."

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Nach dem 0:1 (0:1) gegen Bayer Leverkusen habe ein Fan von der Tribüne aus lautstark Kritik vorgebracht, "dass wir uns keine richtigen Torchancen herausgearbeitet haben", wie Lichte erzählte, nachdem sich die Gemüter wieder abgekühlt hatten. "Mir war einfach danach", sagte der weiter sieglose Trainer, "das zu klären und das Gefühl zu vermitteln: Wir müssen das gemeinsam schaffen."

Engagierte Leistung der Mainzer

Zuvor hatten auch seine Spieler auf dem Platz erstmals in dieser Saison gezeigt, dass sie wirklich an einem Strang ziehen. Denn bislang hatten die Mainzer nur mit Grabenkämpfen, einem Spielerstreik, einer Trainerentlassung sowie hohen Niederlagen und teilweise blutleeren Auftritten von sich reden gemacht. Die engagierte Leistung gegen den Champions-League-Aspiranten Leverkusen machte Mut.

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"Ein Punkt wäre nicht unverdient gewesen", sagte Lichte, der das Ruder nach dem zweiten Spieltag übernommen hatte - schließlich hatten die Mainzer der Werkself mit einer geschlossenen Defensivleistung kaum Chancen erlaubt. Das einzige Tor durch Lucas Alario (30.) fiel nach einem Eckball. "Wir haben unsere Seele in dieses Spiel gelegt", sagte Jean-Paul Boetius: "Ich weiß, dass wir nach vier Spieltagen keine Punkte haben. Das ist eine bittere Pille, die wir schlucken müssen. Aber wir haben ein anderes Gesicht gezeigt."

Und genau daraus schöpfen die gebeutelten 05er Zuversicht - was auch 248 der 250 zugelassenen Zuschauer mit Applaus honorierten. "Wir haben den Fans gezeigt, dass wir alles für diesen Klub geben", sagte Boetius. Sportvorstand Rouven Schröder pflichtete dem Mittelfeldspieler bei.

Schröder glaubt an Aufschwung

"Die Mannschaft hat gemeinschaftlich gezeigt, dass sie den Willen hatte, das Spiel zu gewinnen und sich zu zerreißen", sagte der 44-Jährige: "Uns fehlt einfach im Moment ein Quäntchen. Elementar wichtig ist aber der Glaube, das war heute ein wichtiges Zeichen."

Schon kommenden Samstag haben die Mainzer wieder die Chance, sich vor den eigenen Fans endlich zu belohnen. Dann kommt in Borussia Mönchengladbach das nächste Spitzenteam nach Rheinhessen. Lichte forderte von seinem Team bereits "Enthusiasmus und Engagement" wie gegen Leverkusen - denn der Trainer ist sich sicher, "dass wir das nur gemeinsam schaffen, deswegen brauchen wir auch jeden Fan". Selbst wenn er ihn höchstpersönlich auf Linie bringen muss.

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(SID)

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