Bei Schalke fielen kurzfristig sieben Spieler aus. Drei Akteure wurden Corona-positiv getestet, vier weitere befanden sich in Kontaktgruppe 1 und musste in Quarantäne. Dennoch gab es nur drei personelle Wechsel im Vergleich zur 2:4-Niederlage in Hoffenheim: Salif Sané, Blendi Idrizi (Bundesligadebüt) und Matthew Hoppe ersetzten Suat Serdar (nicht im Kader), Alessandro Schöpf (Bank) und Mark Uth (5. Gelbe Karte).
Ganz anders präsentierte sich die Berliner Elf. Nach der Nullnummer gegen Bielefeld warf Pal Dardai die Rotationsmaschine an. Lediglich Alexander Schwolow, Lucas Tousart und Krzysztof Piatek blieben in der Startelf. Mit acht neuen Akteuren sollte der Dreier auf Schalke her.
Nach einem ersten Warnschuss des Berliners Javairo Dilrosun (3.), war es Schalke, das ohne 14 Spieler den besserten Start erwischte. Amine Harit erzielte in seinem 100. Bundesligaspiel früh das 1:0 für den Absteiger (6.). Im vorerst vorletzten Bundesliga-Heimspiel zeigte Königsblau eine ansprechende Leistung und hatte nichts zu verschenken. Dennoch musste man nach 18 Minuten den Ausgleich hinnehmen, Dedryck Boyata köpfte ungehindert zum 1:1 ein. Für Schalke war es bereits der 30 Gegentreffer nach einem Standard – ein trauriger Rekord.
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12/05/2021 AM 10:23
Nach dem Ausgleich drückte Hertha aufs Tempo, ohne jedoch gefährlich zu werden. Schalke hielt die Angriffe weit vom eigenen Tor entfernt. So entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, in der beide Teams überwiegend über die Flügel kamen. Piateks Abseitstor (26.) wurde richtigerweise zurückgepfiffen, Klaas-Jan Huntelaar vergab freistehend (37.). Dilrosun gehörte der Schlusspunkt der ersten Hälfte, doch der Schuss des Niederländers ging knapp über die Latte (44.).
Hertha blieb auch im zweiten Durchgang am Drücker - und stets nach ruhenden Bällen gefährlich. So scheiterten Piatek (55.) und Boyata (63.) an Ralf Fährmann bzw. am Pfosten. Die Schalker Schwäche bei Standards machte sich im ganzen Spiel mal wieder bemerkbar. Doch auch der Absteiger setzte immer wieder Nadelstiche, Huntelaar traf nur das Außennetz (59.).
Mit einem der wenig gelungenen Angriffe kam Hertha dann doch noch zum 2:1: Nemanja Radonjic bediente den eingewechselten Jessic Ngankam, der flach einnetzte (73.). Schalke versuchte in der Schlussphase alles, auf der Gegenseite ließ Radonjic per Heber das 3:1 liegen (83.). So blieb es bis zum Schlusspfiff spannend. Doch Schalke blieb im zweiten Durchgang zu harmlos und trat auch in Überzahl (Gelb-Rot Dodi Lukebakio, 88. Min) im Berliner Strafraum nur selten in Erscheinung.
Leidenschaft und Einsatz konnte man der Schalker Mannschaft nicht absprechen, die in der Nachspielzeit zwei Riesenchancen zum Ausgleich hatte: Shkodran Mustafi und Benito Raman scheiterten jedoch am linken Pfosten (90.+3). So rettete Hertha den knappen Sieg über die Zeit.
Für Königsblau ist es die vierte Niederlage in Folge und die elfte Heimpleite in dieser Saison - Vereinsnegativrekord. Berlin holt drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt und kann diesen am Wochenende fix machen. Pal Dardai muss dann auf neben Lukebakio auch auf Vladimir Darida verzichten, der seine fünfte Gelbe Karte sah.
Für den FC Schalke 04 steigt am Samstagnachmittag das vorerst letzte Bundesligaheimspiel. Dann gastiert die Eintracht aus Frankurt in der Veltins-Arena. Hertha BSC bekommt es zeitgleich mit dem 1. FC Köln zu tun. Ein absolutes Abstiegs-Endspiel.

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Pal Dardai (Trainer Hertha BSC): "Es war ein verdienter Sieg. Wir waren durchgehend kontrolliert und hatten gute Chancen. Dann bekommen wir quasi aus dem Nichts ein Tor. Nach dem 2:1 sollten wir das 3:1 machen, wir hatten genügend Umschaltaktionen. Zum Schluss hatten wir ein wenig Glück, aber es war verdient. Die Jungs haben gut gearbeitet. Wir haben jetzt zwei Matchbälle, jetzt können alle positiv bleiben. Bei uns verletzen sich jedes Wochenende mehrere Spieler. Ich glaube nicht, dass Piatek am Samstag spielen kann."
Alexander Schwolow (Hertha BSC): "Der Sieg war sehr wichtig, jetzt haben wir gleich das nächste wichtige Spiel am Samstag. Es fühlt sich heute sehr gut an, aber wir haben noch eine Riesenaufgabe am Samstag. Wir sind heute ruhig geblieben und sind nicht in Hektik verfallen. Wir konnten einige Chancen herausspielen. Klar, am Ende hatten wir Glück. Aber unterm Strich hatten wir die deutlich besseren Chancen und gehen als verdienter Sieger vom Platz. Auf dem Platz hat an das Gefühl, dass jeder für den anderen kämpft. Wir sind eine verschworene Truppe geworden."
Jessic Ngankam (Hertha BSC): "Pal Dardai meinte vor meiner Einwechslung, dass ich heute befreit aufspielen kann, dass ich heute zeigen kann, wie wir in den letzten Tagen zusammen gearbeitet haben. Es war eine tolle Teamleistung und deswegen hat es mich gefreut, dass wir heute drei Punkte geholt haben. Es ist ein sehr schönes Gefühl. Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr hier, also ein richtiger Herthaner. Da macht es einen stolz, der Mannschaft geholfen zu haben."
Shkodran Mustafi (FC Schalke 04): "Wir haben gut angefangen, sind verdient in Führung gegangen. Wir hatten den Plan klar nach vorne zu spielen. In der ersten Halbzeit haben wir das ordentlich gemacht. Doch dann bekommen wir wieder ein Standtor. Danach hat die Hertha Druck gemacht. Am Ende haben wir noch zweimal den Pfosten getroffen. Das Spiel hätte für beide Seiten ausgehen können."
Ralf Fährmann (FC Schalke 04): "Wir haben zu viele Fehler gemacht. Dass wir Fehler machen, ist klar. Trotzdem wollten wir heute einfach punkten, das haben wir leider nicht geschafft. Sich zu pushen ist in dieser Situation nicht schwierig. Wir können die Situation nicht ändern, müssen das Beste daraus machen."

Das fiel auf: Beide Mannschaften agierten sehr linkslastig

Sowohl die Schalker, als auch die Berliner, kamen meist über die linke Seite. So resultierten beide Treffer im ersten Durchgang über diese Seite. Beim Absteiger war Kolasinac weitaus aktiver als Becker auf der anderen Seite. Auch bei den Gästen lief viel über die agilen Dilrosun und Radonjic. Mathew Leckie, der in den vergangenen neun Partien, nur auf 31 Einsatzminuten kam, konnte nicht nachhaltig Werbung für sich betreiben.

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Gleich sieben Spieler fehlten Coronabedingt beim FC Schalke 04. Die DFL und die Gesundheitsbehörden entschieden dennoch, das Spiel stattfinden zu lassen. Eine Entscheidung, die bei vielen Fans auf Unverständnis stoßen sollte. Viele Fußballfans witterten eine Wettbewerbsverzerrung.

Die Statistik: 30

Die Schalker Schwäche bei gegnerischen Standards ist eklatant. Gegen Hertha BSC kassierte Königsblau bereits den 30. Gegentreffer nach einem ruhenden Ball. Das ist unrühmlicher Rekord in der Bundesliga.
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(SID)

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