Niko Kovac hatte einen, Jupp Heynckes gleich mehrere, Carlo Ancelotti und Pep Guardiola sowieso. In der jüngeren Vergangenheit heuerten beim FC Bayern ausschließlich Trainer an, die schon einmal etwas gewonnen hatten.
Julian Nagelsmann, designierter Nachfolger von Hansi Flick, bildet dahingehend eine seltene Ausnahme und wechselt - Interimstrainer wie Andries Jonker und Willy Sagnol mal ausgenommen - als erster Coach seit Jürgen Klinsmann im Juli 2008 titellos nach München.
Die schmerzhafte 1:4-Klatsche im DFB-Pokalfinale gegen den BVB verhinderte, dass sich das Trainerjuwel, das dem FC Bayern rund 25 Millionen Euro an Ablöse wert ist, pünktlich zum Amtsantritt beim Rekordmeister den ersten Pokal in die Vitrine stellen kann.
DFB-Pokal
BVB-Triumph: Die versteckte Erkenntnis zu Terzic
14/05/2021 AM 09:11
Es war die bisher bitterste Pleite in der noch jungen Karriere für Nagelsmann und sie hinterlässt einen ersten kleinen Kratzer im bislang fast makellosen Trainerlack des 33-Jährigen. Das Gute ist: in den kommenden Jahren lässt er sich mit großer Wahrscheinlichkeit wegpolieren.

Nagelsmanns schwierige Aussage

Dass die zweite Niederlage gegen Borussia Dortmund innerhalb von sechs Tagen Spuren hinterlässt, steht außer Frage. Dass es im Zuge großer Enttäuschungen schwerfällt, vor die Kameras zu treten und fundierte Analysen zu geben, ebenfalls.
Dennoch mutet es komisch an, nach einem 1:4 zu behaupten, man wäre nicht die schwächere Mannschaft gewesen. "Ich finde nicht, dass wir schlechter waren als der Gegner, oder sehen Sie das anders?", gegenfragte der 33-Jährige den interviewenden Journalisten der "ARD". Die Antwort darauf wird er sich mit etwas Abstand selber geben können.

Julian Nagelsmann

Fotocredit: Getty Images

Bereits in der ersten Halbzeit liefen die Sachsen in drei Konter, die ihnen allesamt um die Ohren flogen. Der BVB war die pure Effizienz im Umschaltspiel, das Spiel der Mannschaft von Edin Terzic genau auf diese Stärke ausgelegt.

Nagelsmanns Aussage rein statistisch nachvollziehbar

Leipzig hätte das wissen können, schließlich kassierte man auf diese Art und Weise schon im Bundesligaspiel in Dortmund am vergangenen Wochenende das 2:3 durch Jadon Sancho mitten in der eigenen Drangphase.
Nagelsmann muss sich daher eingestehen, von Interimstrainer Terzic vor allem in den ersten 45 Minuten ausgecoacht worden zu sein.
Rein statistisch gesehen kann man der Argumentation Nagelsmanns allerdings folgen - unterlegen war RB in Berlin angesichts von 22:10 Torschüssen, 57 Prozent gewonnener Zweikämpfe, der deutlich besseren Passquote (84 Prozent zu 78 Prozent) und knapp 60 Prozent Ballbesitz nicht.
"Dortmund hat aus sehr wenigen Situationen sehr viel gemacht und wir aus sehr vielen Situation sehr wenig", analysierte Nagelsmann weiter und traf damit den Kern der Sache.

Julian Nagelsmann: Die letzten Saisonspiele sind nicht bedeutungslos

Als RB-Trainer bleiben dem gebürtigen Landsberger nun noch zwei Pflichtspiele in der Bundesliga. Am Sonntag geht es gegen den Tabellendritten aus Wolfsburg (ab 20:30 Uhr im Liveticker), am 34. Spieltag zu Union Berlin.
Duelle, die für die Leipziger sportlich einigermaßen bedeutungslos sein mögen, für Nagelsmann aber bestimmt nicht. Schließlich will der sicher nicht mit vier Niederlagen im Gepäck von Leipzig nach München reisen. Das würde seiner Zeit bei RB zum einen nicht gerecht, zum anderen könnte dies - um im Bild zu bleiben - einen etwas tieferen Kratzer im Lack verursachen.
Schon in der vergangenen Saison schwächelte Leipzig zum Saisonende hin, nachdem man am 20. Spieltag noch von der Tabellenspitze grüßte. In München werden Schwächephasen wenn überhaupt erst dann geduldet, wenn die Meisterschale längst gesichert ist. Aussagen wie "Ich finde nicht, dass wir schlechter waren" werden ihm in München schnell um die Ohren fliegen - mögen sie auch noch so belegbar sein.

Julian Nagelsmann

Fotocredit: Getty Images

Am Trainertalent von Nagelsmann zweifelt weiterhin niemand. Daran ändert auch ein verlorenes Pokalfinale gegen Borussia Dortmund nichts. Und dass Nagelsmann seinen Job beim FC Bayern ohne eigenen Titel in seiner Vita antritt, ist ungewöhnlich, letztlich aber kein Problem.
Ebenso tat es schließlich auch Hansi Flick.
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