In Zeiten des VARs ist das Schiedsrichter-Anpöbeln natürlich en vogue.

Meist geht es um Beeinflussung, paradoxerweise oft bei Dingen, die nicht zu beeinflussen sind.

Bundesliga
Nach Verletzung gegen Mainz: Gnabry gibt Update
04/01/2021 AM 16:32

Am Sonntagabend trat nun Joshua Kimmich nach dem kontrovers erzielten 1:0 des 1. FSV Mainz 05 auf den Plan. Aber nicht, um das Gegentor verbal noch zu verhindern.

"Pfeif an jetzt", schrie er Schiedsrichter Markus Schmidt an. Dem Schwungrad des FC Bayern München hatte die ganze Chose offenbar zu lange gedauert.

Kimmich trifft und serviert

Die Episode mit Schmidt ist sicherlich nur eine kleine Anekdote, zeigt aber ganz gut, wie Kimmich tickt. Gegen Mainz war der 25-Jährige einmal mehr der Garant für die bayrische Wende. Aus 0:2 machten die Münchner nach der Halbzeit noch ein 5:2.

Kimmich selbst pfiff dabei nicht nur den Schiedsrichter an, sondern hatte selbst gehörigen Anteil am Bayern-Sieg. Als der Nationalspieler nach der Halbzeit auf die rechte Seite wechselte, änderte sich die Tektonik des Spiels. Das 1:2 (50.) erzielte Kimmich nach Vorarbeit von Serge Gnabry und Leroy Sané höchstpersönlich und trieb danach seine Mitspieler zur Aufholjagd an.

Bemerkenswert: Zwölf seiner 15 letzten Treffer waren entweder das erste Bayern-Tor im Spiel oder das entscheidende (so zum Beispiel das 3:2 im DFL-Supercup gegen Borussia Dortmund oder das 2:1 bei Lok Moskau).

Kimmich schon wieder auf Betriebstemperatur

Zum 2:2 von Leroy Sané (56.) gab Kimmich den Assist. Der 25-Jährige steht damit nach 13 Saisoneinsätzen schon bei 13 Scorerpunkten (vier Tore, neun Vorlagen).

Dass Kimmich entscheidend bei Bayern wirkt, kommt natürlich nicht überraschend. Dass er es nach seiner Meniskus-OP schon wieder auf Anhieb tut, ist die eigentliche Nachricht.

Nur 42 Tage nach seiner im Ligaspiel gegen Dortmund (3:2) erlittenen Meniskusverletzung stand er im letzten Spiel des Jahres 2020 bei Bayer Leverkusen schon wieder auf dem Platz und provozierte als Joker das Bayern-Siegtor von Robert Lewandowski (90.+3).

Zuvor hatte sich Kimmich, ehrgeizig bis an die Haarspitzen, mehr oder weniger selbst eingewechselt. "Es war nicht geplant, dass er spielt", hatte Hansi Flick nach der Partie verraten. Kimmich hatte ihm in der Halbzeit jedoch sehr deutlich zu verstehen gegeben, "dass er sich bereit fühlt". Und so spielte er.

Dynamo für Bayern

Für die Frühphase 2021 erhoffen sich die Bayern von ihm nun eigentlich in erster Linie Stabilität im Zentrum. Gegen Mainz war Kimmich aber erst spielentscheidend, als ihn Flick nach der Pause statt des erneut schwachen Benjamin Pavard auf die Rechtsverteidigerposition setzte.

Hier pushte er nicht nur verbal seine Mitspieler zur Aufholjagd, sondern ließ den Worten auch erwähnte Taten folgen.

Kurzum: Kimmich war Bayerns Dynamo und legte hinterher auch schön den Finger in die Wunde. "In der zweiten Halbzeit sind wir mit einer komplett anderen Einstellung herausgekommen. In der ersten Halbzeit war das nicht nur spielerisch, sondern auch vom Kopf, von der Einstellung, vom Kämpferischen her zu wenig", kritisierte er.

Acht Mal in Folge in Rückstand: Das sagt Flick

Mentalität vor Klasse

Nach nun acht Ligaspielen in Serie, in denen Bayern 0:1 zurücklag, will Kimmich nun auch Garant für mehr Ernsthaftigkeit sein. Ganz allein wird es der heimliche Kapitän aber nicht reißen können.

"Das ist brutal wichtig und ein überragendes Gefühl, wenn man weiß, dass wir das Spiel drehen können. Aber es muss unser Ziel sein, dass wir mal wieder eine Führung herausspielen", sagte er.

"Wir haben den Sieg mit einer Mentalität erzwungen, aber wir wissen alle, dass die erste Halbzeit nicht das war, was wir uns vorstellen", meinte hingegen Trainer Flick. In den nächsten Spielen müsse man "etwas besser, vielleicht auch etwas rustikaler zur Sache gehen".

Auf Kimmich kann er dabei zählen.

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