Bruno Labbadia schüttelte den Kopf und vergrub die Hände in den Manteltaschen. Nach dem erneuten Tiefschlag wirkte der Trainer von Hertha BSC wie verloren. Seine Zeit in Berlin läuft ab, nach dem 1:4 (1:2) im seinem vermeintlichen "Endspiel" gegen Werder Bremen droht dem 54-Jährigen das Aus.
"Es ist eine Scheißsituation, ein Scheißgefühl", sagte Labbadia bei "Sky": "Natürlich fehlen die Argumente, uns allen. Wenn die Ergebnisse nicht da sind, ist der Trainer in der Kritik. Dass man Hiebe bekommt, ist ganz normal."
Der 54-Jährige fügte an: "Wir sind die Letzten, die irgendetwas schönreden. Ich kann nur sagen, was wir jeden Tag alles betreiben. Wir haben jetzt eine brutale Enttäuschung erfahren, das ist ein Scheiß-Gefühl und dem kann man mal freien Lauf lassen. Alles andere werden wir dann sehen. Es geht vor allem darum, dass der Verein Erfolg hat."
Bundesliga
1:4 gegen Bremen: Labbadias Stuhl bei der Hertha wackelt
23/01/2021 AM 19:24
Laut "Bild"-Zeitung soll die Entscheidung gegen Labbadia bereits gefallen sein. "Das kann ich nicht bestätigen", sagte Manager Michael Preetz dem "ZDF," fügte aber an: "Das ist ein extrem bitterer Abend für uns alle." Der Stuhl des Managers wackelt in Berlin ebenfalls.
Für Labbadia könnte Ex-Coach und aktueller U16-Trainer Pál Dárdai als Interimscoach einspringen. Labbadia wollte sich zu seiner Zukunft in Berlin nicht äußern: "Man wird zum Wohle des Vereins entscheiden."
Hertha muss inzwischen ernsthaft den Abstieg fürchten. Der Kredit für Labbadia, der die Berliner vor einem Jahr in einer schwierigen Lage zum Klassenerhalt geführt hatte, könnte deshalb aufgebraucht sein.

Bundesliga: Auch Preetz steht bei Hertha BSC unter Druck

In einem hektischen und kampfbetonten Spiel erzielte der Ex-Herthaner Davie Selke für Werder mit einem verwandelten Foulelfmeter das 1:0 (10.). Zehn Minuten später bekam auch Hertha einen zweifelhaften Strafstoß zugesprochen, doch der angeblich gefoulte Matheus Cunha vergab kläglich. Verteidiger Ömer Toprak besorgte nach einer Ecke per Kopf das 2:0 (29.) für die Gäste.
Jhon Córdoba gelang zwar noch der 1:2-Anschlusstreffer (45.+2) für Hertha, doch Leonardo Bittencourt sorgte mit dem 3:1 (57.) wieder für klare Verhältnisse. Josh Sargent (77.) erhöhte in der Schlussphase. "Wir waren sehr effektiv", meinte Bremens Maximilian Eggestein.
Nicht nur Labbadia steht stark unter Druck. Vor dem Anpfiff hatten rund 250 Menschen auf einer bei der Polizei angemeldeten Demonstration den Rücktritt von Preetz und dessen großen Fürsprecher, Präsident Werner Gegenbauer, gefordert. "Das ist kein schöner Moment, das kann sich jeder vorstellen", sagte Preetz, "aber ich kann völlig nachvollziehen, dass unsere Fans enttäuscht sind."
Labbadia ging bei der Aufstellung ein Risiko ein. Der Hertha-Coach verhalf dem erst 17 Jahre alten Linksverteidiger Luca Netz zum Startelf-Debüt, dafür strich er Angreifer Dodi Lukébakio aus sportlichen Gründen aus dem Kader. "Manchmal geht es darum, aufzuwecken und keine Angst zu haben, solche Dinge zu machen", begründete Labbadia.

Davie Selke trifft - Hertha BSC vs. Werder Bremen

Fotocredit: Getty Images

Bundesliga: Bremen nutzt Berliner Schwächen eiskalt

Hertha brachte sich jedoch erneut selbst in Schwierigkeiten. Maximilian Mittelstädt grätschte völlig unnötig im eigenen Strafraum und traf Romano Schmid klar am Fuß - Elfmeter. Selke verwandelte mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel und feierte das Tor gegen seine ehemaligen Teamkollegen ausgelassen. Der Stürmer musste jedoch offenbar am Oberschenkel verletzt bereits nach einer halben Stunde ausgewechselt werden.
Nach Cunhas vergebenen Strafstoß rannten die Berliner das Bremer Tor an - doch auch den zweiten Treffer schossen die Gäste nach einer Ecke. Die Berliner antworteten mit wütenden Angriffen und wurden in der Nachspielzeit der ersten Hälfte mit dem Anschluss durch Córdoba, der den Ball nach einer Flanke von Peter Pekarik wuchtig in die Maschen köpfte, belohnt.
Auch nach dem Seitenwechsel setzten die Berliner angetrieben vom nimmermüden Cunha die Bremer stark unter Druck. Werder kam nur noch selten zu Entlastungsangriffen und musste in der 51. Minute den Ausfall des bis dahin so sicheren Abwehrchefs Toprak verkraften. Bremen verunsicherte das aber nicht, das Tor zum 3:1 war zudem sehenswert herausgespielt.
"Wir sind jetzt in einer Situation, die total unbefriedigend ist. Wir haben uns vor der Saison bewusst für einen recht großen Umbruch entschieden und haben auch erwartet, dass der Entwicklungsprozess der Mannschaft ein wenig schneller vonstatten geht. Wenn die Ergebnisse ausbleiben, dann musst du umso mehr gegen Widerstände ankämpfen", meinte Hertha-Manager Michael Preetz.
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(mit SID)

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