Ohne Lucas Alario, der sich auf der Länderspielreise mit Argentinien leicht am Knie verletzte, kam Bayer Leverkusen gegen die Gäste aus Berlin nur schwer in die Partie. Hertha BSC lief die Werkself vor allem in der Anfangsphase sehr fleißig und hoch an und ließ den Favoriten kaum zur Entfaltung kommen.
Zwei Abschlüsse von Dodi Lukébakio in Richtung Tor von Lukáš Hrádecký blieben jedoch ungefährlich (8., 12.). Die Hausherren waren zwar ebenfalls bemüht und zeigten sich passsicher, kamen aber selten einmal in die Nähe des Berliner Strafraums.
Wirklich gefährlich wurde es auf beiden Seiten allerdings nicht. Die Gäste aus der Hauptstadt bereiteten Leverkusen vor allem mit guter Zweikampfquote immer wieder Kopfzerbrechen. Die Flügelspieler von Bayer, Leon Bailey und Moussa Diaby, konnten ihre Schnelligkeit kaum einmal ausspielen.
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So war ein Distanzschuss von Kerem Demirbay nach etwas mehr als einer halben Stunde die gefährlichste Aktion der ersten Halbzeit - Hertha-Torhüter Alexander Schwolow parierte (32.). Kurz darauf probierte es auch Bailey aus der Ferne, wieder war Schwolow zur Stelle (34.).
Zum Ende der zweiten Halbzeit steigerte sich die Mannschaft von Trainer Peter Bosz und spielte sich immer mehr in der Hälfte der Gäste aus Berlin fest, dennoch ging es mit einem torlosen Remis in die Pause.
Im zweiten Durchgang bot sich ein ähnliches Bild: Hertha stand defensiv sicher, Leverkusen war bemüht, aber ohne Durchschlagskraft. Weiterhin prägten vor allem Distanzschüsse das Bild. Einen Freistoß aus 23 Metern zirkelte Demirbay zwar über die Mauer, allerdings auch am Tor vorbei (55.). Dasselbe geschah wenig später, als Demirbay - diesmal aus 18 Metern halbrechter Position - verzog (67.).
Auch im Anschluss gewann die Partie nicht unbedingt an Fahrt, die Gäste aus der Hauptstadt wollten hinten unbedingt die Null halten, der Werkself aus Leverkusen steckte die Europa-League-Partie vom vergangenen Donnerstag gegen Hapoel Beer Sheva (4:1) merklich in den Knochen. Auch die drei Wechsel von Bruno Labbadia, der Matthew Leckie, Jessic Ngankam und Márton Dárdai, der Sohn von Ex-Trainer Pál, änderten nichts an den zurückhaltenden Offensivbemühungen der Gäste.
Dagegen gelang Bayer 04 in der Nachspielzeit beinahe der glückliche Siegtreffer, im Anschluss an eine Freistoßflanke von Demirbay köpfte Lars Bender hauchdünn am rechten Pfosten vorbei (90.+2).
So allerdings blieb es beim torlosen Unentschieden, wodurch Leverkusen den Sprung auf Platz zwei der Tabelle verpasste.

Die Stimmen:

Arne Friedrich (Sportdirektor Hertha BSC): "Das zu null nehmen wir sehr gerne mit. Wir haben besser verteidigt, das war in den letzten Wochen nicht so der Fall, daher war es sehr wichtig mal wieder zu null zu spielen. Offensiv haben wir es dagegen nicht so gut gemacht, aber Leverkusen ist eine starke Mannschaft, deshalb sind wir mit dem Punkt zufrieden."
Simon Rolfes (Sportdirektor Bayer 04 Leverkusen): "Hertha ist eine gute Mannschaft, aber ich kann mich an keine wirkliche Torchance von Hertha erinnern. Wir haben das Spiel schon kontrolliert, was uns aber gefehlt hat und da merkt man vielleicht die fehlende Frische, ist eben die Spritzigkeit im letzten Drittel."
Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen): "Der eine Punkt war heute nicht unser Ziel. Zu Beginn haben wir nicht so mutig gespielt, wie gewohnt. Zum Ende der ersten Halbzeit sind wir besser reingekommen. Doch Hertha stand sehr gut, sie haben uns nicht viele Räume gelassen."

Der Tweet zum Spiel:

Die Partie war sicherlich kein Gassenhauer.

Das fiel auf: Bei Hertha BSC steht die Null

Nur ein einziges der bisherigen acht Bundesliga-Spiele hatte Hertha BSC bislang ohne Gegentor bestreiten können. Mit ganzen 18 Gegentreffern hatten die Berliner vor der Partie gegen Bayer 04 gleich doppelt so viele Tore kassiert wie der heutige Gegner.
Gegen Leverkusen gab Bruno Labbadia also eine klare Marschrichtung vor. Herthas Trainer hatte festgestellt, dass seine Mannschaft zwar selten in Unterzahl verteidigt, sich in den Zweikämpfen allerdings zu häufig den Schneid abkaufen ließ. Gegen den Tabellendritten der Bundesliga wurde nun vor allem Mittelfeldregisseur Julian Baumgartlinger von Hertha BSC immer wieder früh angelaufen und gut zugestellt, sodass Bayers Passmaschinerie nur selten einmal auf Betriebstemperatur kam.
Zudem wurden die Offensivkräfte Matheus Cunha und Dodi Lukébakio sowie Krzysztof Piątek vor allem auf ihre defensiven Aufgaben eingeschworen. Merklich häufig verteidigten die drei Spieler mit nach hinten, dass das Kreativspiel der Berliner darunter litt, dürfte Bruno Labbadia wohl erst einmal zweitrangig gewesen sein.

Die Statistik: 14 zu 5

Normalerweise unterstreicht eine Statistik die Unter- beziehungsweise Überlegenheit einer Mannschaft. Dies ist heute nicht unbedingt der Fall. Gegen Hertha BSC verzeichnete Bayer Leverkusen gleich 14 Torschüsse, wirklich gefährlich wurde es für das Tor von Alexander Schwolow dabei allerdings nicht. So zählt eben auch im Fußball manchmal die Qualität mehr als die Quantität.

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