Das entscheidende Wort heißt "kompliziert".
Mit diesem Adjektiv beschrieb Lucas Hernández im vergangenen September im Interview mit "Téléfoot" seine Lage beim FC Bayern. Es komme nun auf die Saison 2020/2021 an, so der Franzose. "Wenn es weiterhin so kompliziert ist, werde ich sehen."
Wenngleich Hernández diese Abschiedsgedanken später korrigierte und bei "France Football" davon sprach, sich "immer beim FC Bayern gesehen" zu haben, bleibt doch festzuhalten: Die Situation des Weltmeisters beim deutschen Rekordmeister ist noch immer eine sehr komplizierte.
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Nach 23 Spieltagen kommt Hernández in der Liga nur auf acht Partien über die volle Distanz, siebenmal fand sich der 25-Jährige ohne Einsatz im Kader.

Hernández: Keine Wende, eine Minute gegen BVB

Und das, obwohl der Abwehrspieler mit Ausnahme von leichten Oberschenkelproblemen im Dezember stets fit war und mit 80 Millionen Euro noch immer der teuerste Einkauf der Bundesliga-Geschichte ist.
Was also läuft falsch?
Im Prinzip gar nicht so viel. Wenn Trainer Hans-Dieter Flick den Linksverteidiger in dieser Spielzeit aufstellte, wusste der durchaus zu überzeugen.

Flick lobt Hernández: "War sehr aggressiv"

Gleich in seiner ersten Partie im Kalenderjahr 2021 sammelte Hernández gute Argumente in eigener Person. "Sehr gutes Spiel, sehr aggressiv, nach vorne gute Akzente gesetzt", lobte Flick den französischen Nationalspieler nach dem 1:0-Erfolg am 17. Spieltag beim FC Augsburg. Hernández präsentierte sich bissig in den Zweikämpfen und holte zudem den Elfmeter, den Robert Lewandowski zum einzigen Treffer nutzte, heraus.
Es hätte die Wende sein können für den 80-Millionen-Euro-Mann. Hätte. In den Folgewochen durfte Hernández gegen Hertha und Bielefeld zwar zweimal durchspielen, an den vergangenen drei Spieltagen reichte es aber nur noch zu Kurzeinsätzen. Beim jüngsten 4:2-Spektakel gegen Borussia Dortmund vor drei Tagen stand der Verteidiger genau eine Minute auf dem Platz.

Davies in der Hackordnung über Hernández

Das "Problem" für Hernández: Mit Alphonso Davies hat er auf der linken Abwehrposition einen jungen Konkurrenten, der beim FC Bayern einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hat und in der Hackordnung vor dem Franzosen steht. Gegen den BVB etwa spielte der 20-Jährige durch.

Lucas Hernández (l.) mit seinen Bayern-Teamkollegen Serge Gnabry (Mitte) und Leroy Sané (r.)

Fotocredit: Getty Images

Hernández muss allerdings nicht zwingend am Kanadier vorbeikommen, um zur Stammkraft in München zu werden. Der 25-Jährige kann ebenso in der Innenverteidigung auflaufen, so wie etwa beim 3:3 gegen Arminia Bielefeld. Da die Karten in der Abwehr aufgrund des als sicher geltenden Abschieds von David Alaba sowie dem möglichen Wechsel von Jérôme Boateng nach der Saison neu gemischt werden, bietet sich Hernández perspektivisch die Chance, hier seine Rolle zu finden.
"Ich habe noch einen Vertrag für vier Jahre. Ich will nicht nur hierbleiben, ich will mir hier einen Namen machen und langfristig zur Mannschaft gehören", hatte der Bayern-Profi erst vor ein paar Monaten erklärt. Er spüre "immer das Vertrauen des Klubs, sei es seitens des Managements, des Trainers oder der Teamkollegen".

Trübsal? Nicht bei Hernández

Hernández macht tatsächlich trotz aller Widrigkeiten seit seiner Ankunft in München im Sommer 2019 nicht den Eindruck, den Spaß an der Sache verloren zu haben. Selbst beim gewonnenen Champions-League-Finale 2020 gegen Paris Saint-Germain, das er nur als Zuschauer erlebte, war er alles andere als angefressen.
Im Gegenteil: Hernández feierte den Coup ausgelassen mit den Kollegen, postete dazu ein witziges Foto mit der Trophäe über dem Kopf.
In der Königsklasse sieht es für Hernández in dieser Saison ohnehin besser aus als in der Liga, bestritt er doch bislang alle Partien, vier davon über 90 Minuten.
Der Abwehrspieler genießt, trotz der reduzierten Einsatzzeiten in der Liga, generell hohes Ansehen bei Flick. "Lucas ist Wahnsinn mit seiner Einstellung. Die ist sensationell, er ist ein richtiger Kämpfer", stellte der 56-Jährige klar. Das lässt hoffen. Die aktuelle Lage mag noch immer kompliziert sein für Hernández, aussichtslos ist sie aber ganz sicher nicht.
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