Bei Schalke 04 geht dem Kopfmenschen Ralf Rangnick das Herz auf. Unvergessen ist seine emotionale Ehrenrunde vor 15 Jahren, als er sich noch vor dem 1:0-Sieg gegen Mainz 05 von den Fans feiern ließ und damit seine Entlassung durch den erzürnten Manager Rudi Assauer provozierte. "Ich konnte nicht anders", sagte Rangnick hinterher, er habe den Rufen von den Rängen nicht widerstehen können.
Jetzt rufen die Fans wieder nach Ralf Rangnick, ihn haben sie als Retter in der Not auserkoren. Mehr als 45.000 Unterschriften bei der Online-Petition "Ralf Rangnick als Sport-Vorstand des FC Schalke 04" sprechen eine klare Sprache, die auch der zunächst skeptische und dann überrumpelte Aufsichtsrat nicht überhören kann. Am Montag bestätigte der Klub, Kontakt zum Rangnick-Berater aufgenommen zu haben.
Es gibt viele offene Fragen und intern auch Bedenken. Denn Rangnick ist die Idee einer Gruppe von etwa 20 einflussreichen Personen aus dem Sport, der Politik und Wirtschaft, die sich bislang noch nicht zu erkennen gab. Ex-Boss Clemens Tönnies ist nicht dabei. Medienberichten zufolge wollen manche von ihnen bei der Mitgliederversammlung im Juni für den Aufsichtsrat kandidieren.
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Die Gruppe will aber nicht nur den Reformer Rangnick als Sportvorstand installieren - inklusive einer kompletten Neubesetzung der Führungsebene - sondern laut "Kicker" auch schnellstmöglich die Ausgliederung der Profiabteilung forcieren. Anders dürfte Rangnick auch kaum zu bekommen sein.

Schalke: Fans sehnen sich nach Kompetenz

Das war bislang ein Rotes Tuch für einen Großteil der Fans, doch der Name Rangnick lässt bei vielen die Bedenken bröckeln. Die Hoffnung, in Rangnick den Heilsbringer gefunden zu haben, scheint bei vielen größer zu sein als die Skepsis gegenüber den gravierenden Veränderungen, die dessen Verpflichtung mit sich bringen würde.
Das mag naiv sein, doch die Sehnsucht nach Kompetenz, die Rangnick ohne Zweifel verkörpert, ist riesig beim designierten Absteiger. Sie wird dem aktuellen Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Jens Buchta, der dem sportlichen und wirtschaftlichen Niedergang des Traditionsklubs viel zu lange untätig zugesehen hat, größtenteils abgesprochen. Dass der angebliche Wunschkandidat für den Sportvorstand-Posten, Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche, nach den Rangnick-Diskussionen öffentlich absagte, schwächt die Position von Buchta und Co. zusätzlich.
Was nun? "Jetzt alle an einen Tisch" - das fordert Aufsichtsratsmitglied Stefan Gesenhues, über den die Geheimgruppe in einem zweiten Anlauf Kontakt zum Klub aufgenommen hatte. "Der Gruppe, die auf mich zukam, gehören seriöse Schalker an, die den Verein unterstützen wollen", sagte Gesenhues in der "WAZ": "Ich hoffe, dass keine Gräben entstanden sind, die man nicht zuschütten könnte."
Sollte der Aufsichtsrat Rangnick ablehnen, müsste er dafür schon sehr gute Argumente vorbringen. Die Stimmung an der Basis ist klar pro Rangnick - so wie vor 15 Jahren. Das sei "eine absolut emotionale Ausnahmesituation" gewesen, sagte Rangnick damals, und diese Emotionen hat er sich bewahrt. "Wenn ich sagen würde, Schalke interessiert mich überhaupt nicht, dann würde ich lügen", sagte der 62-Jährige im September: "Ich bin dem Verein immer noch verbunden."
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