Karl-Heinz Rummenigge behauptet von sich, er könne "nicht führen". Eine überraschende Aussage für jemanden, der seit fast 20 Jahren dem FC Bayern vorsteht und entscheidend mithalf, den deutschen Fußball-Rekordmeister zum zweimaligen Triple-Gewinner und zur Weltmarke zu formen.

Und so spricht Rummenigge auch nicht von seinem Job, den er in 15 Monaten aufgeben wird, sondern: vom Tanzen. Neben dem Schwimmen seine größte Schwäche, wie er vor seinem 65. Geburtstag am Freitag verrät, "zum Leidwesen meiner Frau. Da hat sie sich nicht den besten Ehemann ausgesucht."

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Ansonsten aber ist Martina Rummenigge sehr zufrieden mit ihrem Karl-Heinz. Auch, weil er sein Versprechen wahrgemacht hat, das sie ihm 1978 am Trau-Altar abgerungen hatte: "Übrigens, ich möchte fünf Kinder." Die, sagt Rummenigge, "hat sie mir und uns geschenkt".

Fünf Enkel sind dazugekommen, ein sechster, ein Mädchen, ist "in der Pipeline", wie Rummenigge im Bild-Podcast "Phrasenmäher" stolz berichtet. Wer ihn da von seiner Familie schwärmen und entspannt über Privates wie das Kicken mit Enkel Dante (benannt nach dem Ex-Bayern-Profi) plaudern hört, erkennt den einstigen "Killer-Kalle" nicht wieder.

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Sein Bild in der Öffentlichkeit sei "ein bisschen oberflächlich", meint er. Rummenigge, der kühle Funktionär und Lobbyist, der ebenso rücksichtslos wie arrogant auftritt? Ganz falsch, gibt er zu, sei dieses Image nicht. "Ich war früher emotionaler, manchmal ein Stück weit aggressiv. Aber immer zum Wohle von Bayern München." Heute, "im Alter", betont Rummenigge, sei er "entspannter".

Rummenigge und Hoeneß "haben sich immer zusammengerauft"

Seit der Ankündigung seines Abschieds für Ende 2021 gefällt er sich in der Rolle des Elder Statesman. Dazu passt seine dezente Brille ebenso wie der graumelierte Fünftagebart, die Krawatte lässt er häufiger weg. Er wolle als "seriöser, rationaler, ehrlicher und erfolgreicher Mensch" wahrgenommen werden, sagt der frühere Weltklassestürmer und DFB-Kapitän. Dass er hier und da "mal etwas kritischer" gesehen werde, habe er zu akzeptieren gelernt. Früher sei er "sehr, sehr nachtragend" gewesen.

Zum Beispiel bei Franz Beckenbauer, der das einstige Stürmertalent als "Bratwurst" verspottete. Andere hießen ihn "Rotbäckchen". Als er mit 18 Jahren "aus dem kleinen Örtchen" Lippstadt in die Weltstadt München gekommen sei, habe er "viel lernen müssen", erinnert sich Rummenigge - und er lernte schnell. Auf und neben dem Platz. Am meisten von "Kaiser" Beckenbauer und seinem "Bettgenossen" Uli Hoeneß, an dem er sich immer rieb. "Aber egal, wie wir uns gefetzt haben: Wir haben uns immer zusammengerauft", sagt er.

Verglichen mit Hoeneß tappte Rummenigge in wenige Fettnäpfchen. Wie mit den berühmten Uhren aus Katar, die ihm 249.00 Euro Geldbuße und eine Vorstrafe einbrachten. "Ein teurer Fehler", sagt er.

Rummenigge übergibt an Kahn

Zum Mann von Welt wurde er in Mailand - dank Walter Zenga. Die italienische Torwartlegende nahm Rummenigge am Tag seiner Präsentation als millionenschwerer Neuzugang 1984 an die Hand - und mit in ein Modegeschäft. Dort musste Rummenigge seine weißen (!) Socken ablegen, die er zum Anzug trug; Zenga verordnete ihm Seidenstrümpfe. Rummenigge trägt das Accessoire bis heute.

Bei seiner Rückkehr nach München als Vize-Präsident 1991 war der Aufstieg des FC Bayern zum Weltklub kein Automatismus. "Wir waren nicht erfolgreich, es war kein Geld da", erinnert er sich: "Wir mussten den Klub im Schnelldurchlauf neu aufstellen." Das gelang bravourös, ebenso der Neustart nach dem "Vize-Triple" 2012. Immer mit Rummenigge an vorderster Front. Präsident Herbert Hainer würdigt ihn zum 65. als "Ikone des deutschen und des Weltfußballs".

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Kann ein Macher wie er einfach aufhören? "Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich für unersetzlich halten", sagt er. Sein Entschluss, den Stab an Oliver Kahn zu übergeben, sei "endgültig".

Und danach? Die Bayern wollen ihn in anderer Funktion einbinden. "Ich fühle mich nicht alt", sagt Rummenigge. Pläne habe er keine - abgesehen vom Kicken mit den Enkeln und ausgedehnten Strand-Spaziergängen mit seiner Martina auf Sylt. "Sie ist der wichtigste Mensch in meinem Leben."

(SID)

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