Pellegrino Matarazzo nahm auch die siebte und achte Nachfrage zum unerwartet schnell eskalierten Machtkampf an der Klubspitze mit einem milden Lächeln auf. "Kein Problem, das war zu erwarten", sagte der Trainer von Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart nachsichtig über die Neugier.
Tatsächlich konnte niemanden überraschen, dass nach dem Silvester-Knall am Neckar weniger über den Neustart mit dem kniffligen Heimspiel gegen RB Leipzig am Samstag (20.30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) als über die interne Schlammschlacht diskutiert wurde.
Schließlich waren Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt bei ihrem lange hinter den Kulissen geführten Duell am letzten Tag des Jahres zu offenen Attacken übergegangen. Schwere Vorwürfe und eine Kampfkandidatur von Hitzlsperger um Vogts Amt inklusive.
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Der frühere Nationalspieler will den Präsidenten und Aufsichtsratschef bei der Mitgliederversammlung am 18. März stürzen - und strebt selbst an die Spitze des Gesamtvereins. Zum Wohle des von Vogt laut Hitzlsperger tief gespaltenen VfB, dessen sportlicher Höhenflug angesichts der Unruhe mit einer schmerzhaften Bruchlandung zu enden droht.

Hitzlsperger attackiert VfB-Präsident Vogt scharf

Vogt, seit Dezember 2019 im Amt, sorge für einen "tiefen Riss" beim fünfmaligen deutschen Meister, sagte Hitzlsperger und setze mit seiner Profilierungssucht die "Existenz des ganzen Vereins" aufs Spiel. Seine düstere Prognose: "Wir sind auf dem Weg, kaputtzumachen, was wir in den letzten zwölf Monaten erreicht haben." Seine Kandidatur solle "ein Ausweg aus dieser Lage sein", betonte der 38-Jährige.
Vogt warf seinem Widersacher in einem offenen Brief vor, die Unwahrheit zu sagen. Hitzlsperger bringe "das Vertrauen, das alle Mitglieder seit einem Jahr wieder zum VfB haben, zum Einsturz", schrieb er. Statt als Spalter zu agieren, habe er, Vogt, mit seinen Kollegen Gräben "zugeschüttet", "dringend benötigte Kontinuität" geschaffen und "ein positives, sympathisches Bild nach außen abgegeben. Die Menschen mögen uns. Das war nicht immer so in Stuttgart."
Hitzlsperger hielt dem entgegen, Vogt habe bei keinem einzigen seiner Vorhaben erkennbare Fortschritte zu verzeichnen: "Es tut mir leid, aber das lässt sich nicht auf die Corona-Pandemie schieben."

VfB-Coach Matarazzo um Normalität bemüht

Der Konflikt habe "sehr schnell eine gewisse Dimension erreicht, die bemerkenswert ist", gab Matarazzo zu. Der Trainer ist bemüht, den hässlichen Machtkampf von seinem jungen Team fernzuhalten. Noch an Silvester habe er das Thema vor versammelter Mannschaft angesprochen, um es "im Keim zu ersticken".
Ob das gelingen kann? Matarazzo jedenfalls betonte: "Ich spüre, dass wir Bock haben auf das Spiel."
Von Hitzlspergers Kandidatur hat der Coach nach einem Vier-Augen-Gespräch gewusst, zu Vogt gebe es in der Tagesarbeit "wenig Schnittstellen", sagte er: "Wenn wir uns sehen, ist es ein ganz normaler, oberflächlicher Austausch, das geht selten in die Tiefe." Ganz anders das Duell an der VfB-Spitze - Fortsetzung folgt.
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(SID)

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