Aus Bielefeld berichtet Andreas Morbach

Eineinhalb Stunden lang hatte Thomas Müller seine Mitspieler lautstark angetrieben, sie mit aufmunternden Gesten immer wieder zu forschen Tacklings oder gelungenen Pässen beglückwünscht. Dann war der völlig ungefährdete 4:1-Erfolg der Bayern in Bielefeld unter Dach und Fach - und der emsige Kümmerer aus der Münchner Offensive marschierte zum Feierabend schnurstracks auf seinen neuen alten Kollegen Douglas Costa zu.

Bundesliga
Kuriose Szene: "Bahnschranke" Costa bringt Flick zum Lachen
18/10/2020 AM 11:06

Thomas Müller als unentbehrlicher Raumdeuter

Der 30-jährige Brasilianer, schon zwischen 2015 und 2017 beim FCB beschäftigt, war Anfang Oktober auf Leihbasis an die Säbener Straße zurückgekehrt. Jetzt stand er da in der rustikalen Arena der Arminia, ließ sich von Müller herzlich drücken - und ehe der auf seiner Gratulationstour weiterzog, tippte er Costa mit zwei Fingern noch vorsichtig auf den Kopf. Eine rührende Szene, die Müllers aktuelle Rolle beim Rekordmeister perfekt symbolisiert.

Der gebürtige Oberbayer ist nicht nur der unentbehrliche Dauerrenner und Raumdeuter im Team der Münchner, sondern auch dessen emotionaler Lokomotivführer. "Ich hätte ihn heute, ähnlich wie Robert Lewandowski kurz vor Schluss, auch gerne früher rausgenommen", erklärte Trainer Hansi Flick. Aber das ging eben nicht. Denn, so erklärte der Coach: "Es ist einfach klasse, wie er die Räume sieht, wie er uns hilft. Das war ein sehr, sehr gutes Spiel von ihm."

Thomas Müller vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Botschaft an Bundestrainer Löw

Der Hochgelobte wollte da auch gar nicht widersprechen. In Bielefeld erzielte Müller den ersten und letzten Treffer der Gäste, leistete für den ebenfalls zweifachen Torschützen Lewandowski beim 3:0 zudem die Vorarbeit. Es war sein 150. Assist in der Bundesliga - eine Rekordmarke, zu der Müller spontan einfiel: "Das ist schon ganz nett."

Ganz nett fände der Weltmeister von 2014 auch mal wieder eine Einladung zur Nationalmannschaft. Im März des vergangenen Jahres verkündete Bundestrainer Joachim Löw, dass Mats Hummels, Jérôme Boateng und Müller nicht mehr Teil der DFB-Auswahl seien. Diskussionen über eine Rückkehr der Verbannten köcheln seitdem immer wieder hoch, im Zusammenhang mit der hohen Belastung durch den verspäteten Saisonbeginn griff Müller dieses Thema in Ostwestfalen nun selbst auf.

"Lang, lang ist’s her, dass ich Nationalspieler war", erwähnte er da ebenso beiläufig wie spitzbübisch. "Damals haben wir auch von September bis Weihnachten durchgespielt. Die Beschwerden wegen der Corona-Geschichte kann ich nicht nachvollziehen, das packen wir schon. Aber dass es immer neue Wettbewerbe gibt - das ist eine andere Sache", kommentierte der 31-Jährige. Ansonsten ließ er Löw im Zusammenhang mit der EM im kommenden Jahr ganz ohne falsche Bescheidenheit wissen: "Dass ich mich in einer guten Verfassung befinde, sieht jeder. Darüber brauchen wir nicht mehr viele Worte zu verlieren."

FC Bayern: Blick voraus auf Atlético

Er wolle diese Angelegenheit "schön ruhig angehen und schauen, was passiert". Und die Trainer der gegnerischen Mannschaften werden sich von Woche zu Woche überlegen, wie sie den bajuwarischen Hansdampf in den Griff bekommen. Als nächster damit beschäftigen muss sich der Argentinier Diego Simeone, der zum Start in die neue Champions-League-Runde mit Atlético Madrid am Mittwoch in München gastiert.

"Was das defensive Bollwerk betrifft, wird das natürlich eine andere Hausnummer als hier", bereitete sich Thomas Müller in Bielefeld seinerseits schon auf das Duell mit den Spaniern vor. Während Uwe Neuhaus noch mit dem frisch Erlebten beschäftigt war. Zur Bekämpfung der "überragenden Laufwege" von Müller hatte sich Arminias Cheftrainer am Samstagabend für eine Doppel-Sechs entschieden. Und als die Partie dann gespielt war, blieb dem 60-Jährigen nur noch die Erkenntnis: "Thomas Müller ist eine Augenweide - es macht richtig Spaß, ihm zuzugucken."

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