Die Gedanken sind wieder frei. Oder sagen wir: freier.

Zu sehen in der ersten Halbzeit in Augsburg – da spielte der FC Bayern München fast schon wieder wie aus einem Guss. 12:0 Torschüsse erarbeitete sich das Team von Trainer Hans-Dieter Flick, wirkte geistig wie körperlich enorm frisch, ließ den FCA kaum aus dem eigenen Würgegriff.

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Das Problem: Bayerns Herrlichkeit hielt nur für eine Halbzeit. Nach der Pause erschlafften die Münchner Automatismen. Und weil es nur 1:0 stand, roch Augsburg Lunte und kam immer besser ins Spiel. 9:2 Torschüsse notierten Statistiker in der zweiten Halbzeit für den FCA – inklusive des verschossenen Elfmeters von Alfred Finnbogason (76.).

Unterm Strich stand so ein wenig souveräner Sieg. "Das sehe ich genauso", sagte Joshua Kimmich nach der Partie bei "Sky". Man habe es "wie so oft" nicht hinbekommen "souverän weiterzuspielen. Das war in der zweiten Halbzeit wirklich dünn, was wir angeboten haben."

"Das ist nicht Bayern-like", kritisierte auch Lothar Matthäus bei "Sky": "Es fehlt die Leichtigkeit. Bayern quält sich zu den Siegen. Es ist nicht souverän, nicht verdient."

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Flick stellt das Positive heraus

Nach einem Pfostenschuss von Robert Lewandowski in der 42. Minute hatte Bayern keine ernsthafte Torchance mehr.

Als der Stürmer nach 65 Minuten angeschlagen das Feld verließ, kam Bayern nicht mal mehr in Tornähe der Augsburger. Dennoch versuchte Trainer Hans-Dieter Flick, das Positive rauszustellen.

"Wir haben es jetzt mal geschafft, dass die Null steht", sagte der 55-Jährige: "Das ist gut. Ich fand es auch gut, wie sich jeder einzelne dagegengestemmt, reingeworfen und das Tor verteidigt hat. Das ist das, was wir brauchen."

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FC Bayern: Es ist ein weiter Weg

Irgendwie durchhalten, bis die geistige Frische wieder dauerhaft da ist – so die Bayern-Devise. "Wir haben in den letzten Wochen nicht so glänzen können, sondern kamen eher über Arbeitssiege und die Mentalität", gab Kimmich in Augsburg zu Protokoll. So wird's wohl auch erstmal weitergehen.

"Ich habe schon vorher gesagt: Es ist ein weiter Weg, bis wir wieder so dominant spielen können wie in der letzten Saison", meinte Flick: "Aber das ist unser Ziel, unser Anspruch, und daran müssen wir weiterhin arbeiten."

Was gut ist: die kommenden zwei Wochen stehen für die Münchner ausnahmsweise mal keine englischen Wochen an.

Kiel als Weckruf

Die Gegner sind mit dem FC Schalke 04 (18.), der TSG 1899 Hoffenheim (11.) und Hertha BSC (14.) auch überschaubar anstrengend – wenngleich die Bayern im Hinspiel von Hoffenheim mit 1:4 ordentlich auf den Deckel bekommen hatten.

In diesen zwei Wochen wollen die Bayern nun die Grundlagen für eine erfolgreiche Rückrunde legen. Wieder rausarbeiten, was zuletzt abgegriffen wirkte. "Wir haben mit Ball nicht mehr so zielstrebig gespielt und gegen den Ball hatten wir nicht mehr so hohe Ballgewinne", tadelte beispielsweise Kimmich über die zweite Halbzeit in Augsburg.

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Mit den zwei Siegen gegen Freiburg (2:1) und Augsburg (1:0) haben sie den ersten Schritt gemacht. Die Pokalniederlage in Kiel hatte dabei als Weckruf fungiert, wie Manuel Neuer zugab: "Wir hatten nach dem Ausscheiden in Kiel einen Motivationsschub, dass wir wieder zeigen müssen, dass wir der FC Bayern sind, dass wir den Gegner dominieren und unsere Spiele auch gewinnen."

Man habe zwar noch nicht wieder " die Selbstverständlichkeit wie früher, den Gegner über 90 Minuten zu dominieren", meinte Neuer. Man brauche aber auch nach einem Zu-Null-Sieg in der Liga, übrigens dem ersten seit dem 24. Oktober 2020 "nicht alles schlecht reden".

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Etappenziel erst am 24. März geschafft

Die Probleme der Bayern seien ohnehin eher mentaler Natur. "Es ist eher der Kopf – körperlich bin ich fit", sagte Neuer: "Es ist schon sehr viel, was wir in den letzten Wochen und Monaten abgespult haben. Wir haben immer wieder Höhen und Tiefen."

Flick denkt deshalb auch erstmal nur in Zwischenschritten. Zwei Wochen mit vernünftigem Training, dann ein Zwischensprint mit der Klub-WM und (möglicherweise) vier Spielen in elf Tagen, ehe Ende Februar/Mitte März zwei weitere englische Wochen mit dem Champions-League-Achtelfinale gegen Lazio Rom (23.2./17.3.) anstehen. Erst danach ist mit der Länderspielpause ab 24. März das nächste Etappenziel geschafft.

Steht Bayern dann immer noch auf Rang eins der Tabelle und darf sich ferner Klub-Weltmeister sowie Champions-League-Viertelfinalist nennen, wäre dann alles bereitet für einen formidablen Saison-Endspurt.

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