Die einseitige Brisanz des Spiels machte sich bereits bei den Aufstellungen bemerkbar. Während Christian Streich alle Stammspieler aufbot und im Vergleich zum letzten Spieltag keine einzige Position veränderte, durften bei Bayer Leverkusen einige Ersatzspieler Einsatzminuten sammeln.
Torwart Andrey Lunev kam zu seinem Bundesliga-Debüt, Daley Sinkgraven begann auf der linken Abwehrseite und Exequiel Palacios übernahm die Position des am Zeh verletzten Kerem Demirbays. Julian Baumgartlinger, der neben Palacios auf der Sechs startete, durfte die Mannschaft in seinem Abschiedsspiel sogar als Kapitän aufs Feld führen.
Die Werkself begann vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena dominant und kontrollierte das Spielgeschehen, allerdings ausschließlich in den ungefährlichen Räumen.
DFB-Pokal
Mintzlaff schießt gegen Kritiker: "Wer immer noch nicht kapiert hat, dass ..."
22/05/2022 AM 13:17
In einem ruppig geführten Spiel mit vier Gelben Karten in der ersten Hälfte fanden die Freiburger zunächst gar nicht statt, das änderte sich unerwartet in der 20. Spielminute: Nach einer eigentlich verunglückten Ecke durch Vincenzo Grifo setzte Lucas Höler den Ball in der Folge mit einem strammen Kopfball an den Pfosten.
Im weiteren Verlauf flachte die Partie spielerisch wieder ab, bis Patrik Schick mit einem Kopfball nach Ecke den Ball am langen Pfosten vorbeisetzte und so den Ausgleich vergab (36.).
Auch in der zweiten Hälfte ließ die Anfangsphase offensive Durchschlagskraft vermissen. Beinahe aus dem Nichts kam Leverkusen dann zur Führung: Nachdem Schick steil geschickt wurde, setzte sich der Tscheche im Zweikampf clever gegen Nico Schlotterbeck durch und legte im Eins gegen Eins mit Mark Flekken clever auf Lucas Alario ab, der nur noch einschieben musste (54.).
Wenige Minuten später scheiterten erst Paulinho am stark reagierenden Flekken und Sekunden danach Schick an der Querlatte (59.). Die Freiburger Nummer eins musste Minuten später erneut gegen Paulinho retten – wieder Aluminium (64.).
Angespornt durch die zwischenzeitliche Bielefelder Führung gegen Leipzig und die damit mögliche Champions League Qualifikation warfen die Breisgauer noch einmal alles nach vorn und kamen durch Janik Haberer per Dropkick sogar noch zum Ausgleich (88.).
Die aufflackernde Hoffnung der Gäste torpedierte dann allerdings zuerst Leipzig, das gegen Bielefeld ausglich, und dann Exequiel Palacios, der in der 97. Minute aus dem Mittelkreis ins leere Tor zum 2:1 traf - Flekken war für einen Freistoß mit nach vorne geeilt.
Weil Union Berlin 3:2 gegen Bochum gewann, beendet der Sportclub die Saison auf dem sechsten Platz, ist damit aber zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert.
Revanche für das verlorene Fernduell mit Leipzig kann das Streich-Team bereits am kommenden Samstag (20:00 Uhr im Liveticker) auf großer Bühne nehmen: In Berlin kämpfen die Breisgauer und die Sachsen im DFB-Pokalfinale um den größten Triumph ihrer jeweiligen Vereinsgeschichte.
Leverkusen schließt die Saison hinter dem FC Bayern und Borussia Dortmund auf Rang drei ab und bescherte Rudi Völler durch den späten Siegtreffer noch das erhoffte Abschiedsgeschenk.
Der 62-Jährige erlebte sein letztes Spiel als Sport-Geschäftsführer der Leverkusener, er wechselt zur neuen Saison als Mitglied in den Gesellschafterausschuss der Rheinländer. Der ehemalige DFB-Teamchef Völler wurde vor dem Spiel vom Leverkusener Anhang mit einer Choreo emotional verabschiedet.
Die Fans präsentierten hinter dem Schriftzug "Danke Rudi" eine Auswahl von Völlers besten Sprüchen.

Rudi Völler verabschiedet sich von Bayer Leverkusen

Fotocredit: Getty Images

Die Stimmen zum Spiel:

Gerardo Seoane (Trainer Bayer Leverkusen): "Kompliment an die Mannschaft für die Entwicklung in diesem Jahr. Mit dem fantastischen Tor von Palacios gehe ich gerne nach Hause, das war ein wunderbarer Abschluss - auch für Rudi Völler. Das wünscht sich ganz Deutschland für ihn. Das war ein würdiger Abschluss für Rudi."
Christian Streich (Trainer SC Freiburg): "Wir waren in unseren Aktionen nicht sauber genug. Das 1:0 aus Bielefeld hat noch einmal Energie gegeben. Die Mannschaft hat sich gewehrt, alles reingeworfen. Wir sind Sechster. Einige Teams mit großen Namen stehen hinter uns, Kompliment an die Mannschaft. Sie hat alles gegeben und sehr konstant gespielt."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Freiburg ohne Durchschlagskraft

In der Offensive agierten die Gäste absolut harmlos und unkreativ, einzig Hölers Kopfball an den Pfosten brachte die Bayer-Defensive ins Schwitzen. Auch das Tor durch Haberer war eher Zufallsprodukt als tatsächliche Kombination oder Mentalität. Die Tabellensituation im Vorfeld betrachtet hätten sich die meisten Zuschauer vermutlich ein anderes Gesicht des SC Freiburg vorgestellt und gewünscht.

Die Statistik: 24

Patrick Schick hätte mit seinem 25. Saisontreffer den vereinseigenen Rekord einstellen können - und der Tscheche hatte vor dem 1:0 die perfekte Möglichkeit im Eins gegen Eins mit Flekken. Trotzdem entschied sich der Stürmer, den besser postierten Alario einzusetzen und so die Chance auf ein Tor zu erhöhen - vorbildlich uneigennützig.
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