Beide Mannschaften mussten coronabedingt und aufgrund der Abstellungen für den Afrika-Cup auf mehrere Akteure verzichten. Bayer-Coach Gerardo Seoane setzte auf ein 4-2-3-1-System – unter anderem mit Mitchel Bakker, der auf der linken Abwehrseite nach überstandener Verletzung in die erste Elf zurückkehrte.
Die Eisernen mussten unter anderem auf Top-Stürmer Taywo Awoniyi verzichten, der mit Kamerun beim Afrika-Cup am Start ist (neun Saisontore). Das fehlende Tempo in der Sturmspitze versuchte Urs Fischer taktisch auszugleichen – ließ in einem 4-3-3 mit Ball agieren.
Mit Ball ging bei Union allerdings zunächst wenig, weil schlichtweg wenig Ballbesitz vorhanden war. Bayer dominierte und kombinierte sich immer wieder gefährlich in die Offensive. Nach zehn Minuten verpasste die Werkself binnen weniger Sekunden gleich dreimal den Führungstreffer. Patrick Schick und Florian Wirtz scheiterten an Andreas Luthe (10./11.), Jonathan Tah zielte nach einer Ecke etwas zu ungenau (11.).
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Signal an Bayern und den BVB: Bayer verlängert vorzeitig mit Schick
GESTERN AM 10:13
In der 38. Minute belohnte sich Leverkusen schließlich für den getätigten Aufwand. Zunächst scheiterte Moussa Diaby nach einem Doppelpass mit Paulinho aus kurzer Distanz an Luthe, den Nachschuss setzte Schick aus spitzem Winkel aus der linken Strafraumhälfte ins Tor und erzielte seinen 17. Saisontreffer (38.).
Bayer blieb gefällig und aktiv, drängte auf den zweiten Treffer vor der Pause und schlief in der Defensive. Union Berlin gelang wie aus dem Nichts der Ausgleichstreffer. Nach einem Eckball von der linken Seite kam Christopher Trimmel aus der Distanz zum Abschluss, Hrádecký hielt im rechten Eck, auch den anschließenden Kopfball von Kevin Behrens entschärfte der Schlussmann, war gegen Grischa Prömel aus kurzer Distanz jedoch machtlos (45.).
Kurz nach der Pause schockten die Eisernen die Hausherren erneut. Trimmel flankte den Ball von der rechten Seite in die Mitte, Tah verlängerte per Kopf unglücklich auf Max Kruse, der die Kugel aus halblinker Position flach auf das Tor brachte. Prömel war am Fünfmeterraum zur Stelle und schob problemlos zur Führung ein (50.).
Bayer suchte nach der passenden Antwort, spielte in die Offensive und kam immer wieder zu guten Abschlüssen – doch sowohl Schick (62.), als auch Paulinho (65./ 69.) scheiterten aus guten Abschlusspositionen immer wieder am überragenden Luthe. In der Schlussphase war der Keeper allerdings machtlos. Nach einer Flanke des eingewechselten Karim Bellarabi von der rechten Seite, köpfte der aufgerückte Tah aus acht Metern zum späten Ausgleich ein (84.).
Auch Union Berlin blieb gefährlich, traf in Person von Kruse die Latte (79.) - kurz vor Schluss setzte der eingewechselte Linksverteidiger Bastian Oczipka den Ball aus 16 Metern halblinker Position flach an den rechten Torpfosten und vergab so die Chance zum Last-Minute-Sieg (90.+3).

Die Stimmen:

Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen): "Mir hatten schon die Möglichkeit – vor allem im ersten Durchgang – viel mehr diesen Killerinstinkt zu haben und in Führung zu gehen. Das haben wir ein bisschen liegen gelassen. Wir haben uns zu lange mit den zu einfachen Gegentoren aufgehalten und hätten mehr daraus machen können."
Andreas Luthe (Union Berlin): "Es war ein sehr, sehr gutes Auswärtsspiel von uns, obwohl wir schwer reingekommen sind. Leverkusen hat viel, viel Druck gemacht. Wir haben uns in die Partie gekämpft, glücklich das 1:1 gemacht und das hat uns geholfen. In der zweiten Halbzeit waren wir richtig gut im Spiel."

Der Tweet zum Spiel:

Luthe war mit etlichen Paraden überragender Akteur auf dem Feld.

Das fiel auf: Erfolgreicher Minimalismus

In der Premierensaison im deutschen Oberhaus überraschte Union Berlin Kritiker, Fans und Experten – zeigte mit mannschaftsdienlichem, individuellem Einsatz und geschlossenen Auftritten wie es möglich ist, die Liga zu halten und in der Tabelle oben anzugreifen. Europa war die Belohnung. Die Eisernen haben ihre Ansprüche angepasst – weil es möglich war – und spielen auch in dieser Saison um das europäische Geschäft. Gegen Bayer 04 Leverkusen zeigte Union, was dafür mitunter nötig ist: Auch passiver, unorthodoxer Fußball mit wenig Spektakel, jedoch mit maximaler Ausbeute. Mit den ersten zwei Chancen erzielten die Berliner zwei Tore und drehten das Spiel zu ihren Gunsten – trotz klarer Überlegenheit der Werkself – und holten letztlich verdient einen Punkt.

Die Statistik: 17

17 Treffer nach 18 Spielen - Schick schreibt Geschichte: Noch nie ist es einem Leverkusener gelungen, so viele Tore nach 18 Partien zur erzielen.
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