Selbst die schwarze Kappe auf dem Kopf von Marco Rose konnte die Sorgenfalten auf der Stirn des BVB-Trainers nicht vollständig verbergen. "Es ist keine einfache Situation im Moment", verriet der 45-Jährige nach der jüngsten 0:3-Testspielpleite gegen den Zweitligisten SC Paderborn.
Anstatt in der Länderspielpause an taktischen Feinheiten zu arbeiten, musste Borussia Dortmund fast täglich neue personelle Rückschläge verkraften. Mit Raphaël Guerreiro, Youssoufa Moukoko (beide Muskelfaserriss), Thorgan Hazard (Sprunggelenk) und Thomas Meunier (Fleischwunde am Knie) reisten in der vergangenen Woche gleich vier BVB-Stars aufgrund von Verletzungen vorzeitig von ihren Nationalteams ab.
Es kam sogar noch dicker: Auch Defensiv-Anker Manuel Akanji musste zuletzt aufgrund von Adduktorenproblemen die Heimreise früher als gedacht von der Schweizer Nationalmannschaft antreten. Immerhin gab die ärztliche Untersuchung am Dienstag leichte Entwarnung. Demnach habe sich der 26-Jährige nicht schwerer verletzt.
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Dennoch reiht sich Akanji zumindest für den Moment in die ohnehin lange Verletzungsliste der Schwarz-Gelben ein.

BVB: Gleich 12 Spieler stehen auf der Kippe

Nicht weniger als ein Dutzend Spieler stehen Rose derzeit nicht zur Verfügung. Neben dem bereits angesprochenen Quintett fehlten zuletzt Erling Haaland (muskuläre Probleme), Gregor Kobel (Sehnenansatzreizung im Knie), Giovanni Reyna (Muskelverletzung), Mahmoud Dahoud (Innenbanddehnung im Knie) sowie die langzeitverletzten Soumaïla Coulibaly, Mateu Morey (beide Kreuzbandriss) und Marcel Schmelzer (Knie-OP).
Speziell der erneut drohende Ausfall von Top-Torjäger Haaland für das kommende Heimspiel am Samstag gegen den 1. FSV Mainz 05 (15:30 Uhr im Liveticker) wäre ein enormer Rückschlag. Andererseits möchten die Verantwortlichen bei ihrem Ausnahmestürmer, der am Dienstag erstmals wieder auf dem Trainingsplatz stand, kein Risiko eingehen, um die Verletzung gar noch zu verschlimmern.
"Es wäre gut, wenn wir da jetzt einfach mal den Druck rausnehmen. Erling ist ein Mensch, keine Maschine", betonte Rose bereits vor dem vorläufig letzten Auftritt des BVB in der Liga gegen den FC Augsburg (2:1): "Es ist wichtig, dass wir den Jungen jetzt fit bekommen."
Schließlich nimmt die laufende Saison langsam aber sicher Fahrt auf. Ein langfristiger Ausfall von Haaland, der sich in den vergangenen Tagen im spanischen Marbella behandeln ließ, könnte drastische Folgen für die durchaus ambitionierten Saisonziele der Borussia haben. Immerhin zeigte sich der Norweger vor seiner Verletzung für fast die Hälfte der Dortmunder Treffer verantwortlich (elf von 23).

Erling Haaland - Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Drei englische Wochen in Serie - aber kein Kracher

Es ist ohne Zweifel ein Drahtseilakt, den Rose und sein Trainerteam im anstehenden heißen Herbst bewältigen müssen. Obwohl auf den BVB ein prallgefüllter Terminkalender wartet, muss der ehemalige Gladbach-Trainer seinen Spielern immer wieder Ruhephasen geben, um die Belastung zu steuern.
Immerhin warten von nun an gleich drei englische Wochen in Folge auf den BVB, der in der Bundesliga mit nur einem Punkt Rückstand auf den FC Bayern auf Rang drei liegt. In der Liga trifft der Pokalsieger nach dem Heimspiel gegen Mainz auf Arminia Bielefeld (23.10./A) und den formstarken 1. FC Köln (30.10./H). Alles zweifelsohne keine Laufkundschaft, aber trotz Verletzungssorgen eher Pflichtaufgaben für das Rose-Team, um den Anschluss an die Tabellenspitze nicht zu verlieren.
Anders sieht es dagegen in der Champions League aus, wo sich die Borussia zweimal im Kampf um den Gruppensieg mit Ajax Amsterdam (19.10./A, 03.11./H) messen muss. Dazwischen steht noch das DFB-Pokalspiel bei Zweitligist FC Ingolstadt (26.10./H) an.
Gut für den BVB: Die richtigen Kracher gegen RB Leipzig, Wolfsburg und FC Bayern warten allesamt erst im November respektive Dezember. Bis dahin könnte sich das Lazarett bereits ein Stück weit wieder gelichtet haben.

Manuel Akanji - Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

BVB: Hoffnung bei Haaland und Akanji

Trotzdem stellt sich aufgrund der jüngsten Verletzungsmisere die Frage, ob es tatsächlich nur an der Überbelastung liegt oder interne Mängel vorliegen. "Ich kann bis hierhin keine Fehler der medizinischen Abteilung, der Athletikabteilung oder in unserem Trainingspensum erkennen", stellte Rose gegenüber dem "Kicker" klar.
Hoffnung dürfte den Schwarz-Gelben ein Bericht der "Ruhrnachrichten" machen, wonach zumindest Meunier, Landsmann Hazard und Keeper Kobel bereits in absehbarer Zeit wieder zum Mannschaftstraining stoßen sollen. Auch bei Haaland und Akanji würde demnach noch Hoffnung auf einen Einsatz gegen Mainz bestehen.
"Die Stimmung bei uns ist gut. Es fallen zwar immer wieder Spieler weg, aber es kommen dann auch neue dazu", gab Rose kürzlich gute Miene zum bösen Spiel.
Ein erster Erfolg gegen Mainz könnte dem BVB nicht nur Auftrieb für die heiße Phase vor der Winterpause geben, sondern auch dabei helfen, die Sorgenfalten auf Roses Stirn langsam wieder verschwinden zu lassen.
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