"Unser Ansatz ist sicher nicht, uns komplett hinten reinzustellen. Wir wollen wie im Hinspiel viele Torchancen herausspielen - mit dem besseren Ende für uns dann natürlich", erklärte Dortmund-Trainer Marco Rose noch kurz vor dem Anpfiff. Davon war allerdings nur eine Viertelstunde lang etwas zu sehen. Dann nämlich erzielte der FC Bayern das 1:0: Eine Ecke von Joshua Kimmich legte Leon Goretzka im Fünfmeterraum per Kopf zurück zu Serge Gnabry. Der Nationalspieler nahm den Ball am Strafraumrand lauernd sehenswert an und traf dann aus 15 Metern volley ins linke Eck (15.).
Dortmunds Widerstand war nun gebrochen, der BVB erspielte sich im ersten Durchgang nur eine nennenswerte Torchance. Nach Steckpass von Julian Brandt zielte Erling Haaland aus elf Metern halblinks links am Tor vorbei (27.).
Bayern hingegen übernahm mehr und mehr die Kontrolle und hatte Pech, dass Gnabrys zweiter Treffer wegen einer vorausgegangenen Abseitsposition von Kingsley Coman zurückgenommen wurde (30.). Davon ließ sich der Rekordmeister allerdings nicht lange irritieren. Im Gegenteil, nur vier Minuten später fing Kimmich einen Fehlpass von Dan-Axel Zagadou ab und leitete zu Thomas Müller weiter. Der wiederum schickte Robert Lewandowski rechts im Strafraum steil. Der Pole Marvin Hitz ganz cool und schob rechts unten zu seinem 33. Saisontreffer ein (34.).
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Rekordmeister Müller - Bayern-Star stellt Titel-Rekord auf
UPDATE 23/04/2022 UM 19:35 UHR
Dortmund war im zweiten Durchgang nun gefordert - und lieferte. Nach einem Foul von Kimmich im Strafraum an Marco Reus entschied Schiedsrichter Daniel Siebert folgerichtig auf Strafstoß. Diesen verwandelte Emre Can sicher ins linke Eck (52.).
Nur kurz darauf hatte Marco Reus den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte nach Vorarbeit von Haaland aber aus kurzer Distanz am herausgeeilten Neuer (54.). Aber der BVB blieb dran und hatte wenig später in Person von Reus die nächste gute Möglichkeit. Wieder hatte Haaland seinen Kapitän steil geschickt, dieses Mal grätschte Lucas Hernández stark dazwischen (55.).
Dann forderte der BVB den nächsten Elfmeter. Jude Bellingham wurde im Sechzehner von Benjamin Pavard gefällt, Schiedsrichter Siebert und VAR Marco Fritz ließen aber weiterspielen (59.). Eine zumindest strittige Szene.
Vom FCB war lange nichts zu sehen – dann aber meldete sich Lewandowski zurück. Ein abgefälschter Müller-Schuss rutschte durch zum Polen, der aus vier Metern am stark reagierenden Marvin Hitz scheiterte (69.).
In der Schlussphase hatte Haaland gleich doppelt die Chance zum Ausgleich, scheiterte aber zunächst an Manuel Neuer (80.) und schoss wenig später drüber (81.).
Auf der anderen Seite machte ein Joker dann alles klar: Jamal Musiala scheiterte zwar zunächst an Hitz, bekam den Ball aber zurück und traf dann aus fünf Metern ins linke Eck (83.). Es war der Schlusspunkt unter den deutschen "Klassiker", in dem der FC Bayern München die zehnte deutsche Meisterschaft in Folge klar machte.

Die Stimmen:

Thomas Müller (FC Bayern München): "Wir wollten natürlich unbedingt. Es hat sich natürlich viel Frust in den letzten Tagen breit gemacht und das konnten wir uns heute gut von der Seele spielen. Wir haben dem ganzen Druck standgehalten. Egal, was von außen kommt, wie die Liga zu bewerten ist, du musst es erstmal auf den Platz bringen. Deutscher Meister zu werden ist einfach immer wieder das Schönste. Die Bundesliga ist das, wofür die Fans ins Stadion gehen. Vom heutigen Gefühl her, ist es schwierig wegzugehen."
Manuel Neuer (FC Bayern München): "Das ist natürlich Wahnsinn. Es war wichtig, dass wir es nach dem Ausscheiden gegen Villarreal vernünftig abschließen. Jeder will, das ist das Besondere in unserem Team."
Robert Lewandowski (FC Bayern München): "Es war ein sehr schöner Moment, gegen Dortmund zu gewinnen und deutscher Meister zu sein. Die Meisterschaft ist immer besonders für Bayern München. Heute haben wir wieder gezeigt, dass wir besser sind und haben es wieder geschafft. Die letzten zwei Wochen war die Laune nicht gut, aber jetzt können wir die Meisterschaft genießen. Über meinen Vertrag ist noch nicht gesprochen worden, das wird in den nächsten Wochen passieren."
Julian Nagelsmann (Trainer FC Bayern München): "Der Rahmen stimmte. Deswegen haben wir es Gott sei Dank heute gemacht. Wir hätten das Spiel früher entscheiden müssen. Ich bin immer noch zarte 34, es ging alles sehr schnell. Das Jahr war nicht ganz so leicht. Deswegen bin ich froh, dass wir es mit dem Meistertitel gekrönt haben."

"Eher Tanzfläche": So feiert Nagelsmann die Meisterschaft

Marco Reus (Borussia Dortmund): "Wenn man sich die Gegentore anschaut, passiert dasselbe wie über die ganze Saison hinweg: individuelle Fehler. Bayern hatte schon auch mehr Torchancen. Wir waren im letzten Drittel zu ungefährlich und laden hinten den Gegner ein. Wir haben acht Niederlagen - das ist zu viel. Dann brauchen wir nicht darüber reden. Wir waren nicht gut genug, das muss man ganz klar sagen. Sie waren auch heute konsequenter als wir. Wir haben es einfach nicht durchgezogen."
Marco Rose (Trainer Borussia Dortmund): "Wir machen wieder einen ganz einfachen Fehler, legen dem Gegner das 2:0 auf. In der zweiten Halbzeit können wir es dann insgesamt offener gestalten. Wir hatten ein paar richtig gute Möglichkeiten hinten raus, noch dazu habe ich gehört, dass wir einen Elfmeter hätten bekommen können. Was soll ich sagen? Es ist ein absolutes Spitzenspiel, es geht um eine Menge. Da erwarte ich einfach, dass alles mit rechten Dingen abläuft. Die Saison hat ja eine Geschichte. Fakt ist, wenn wir weniger Fehler gemacht hätten, dann hätten wir vielleicht weniger Gegentore bekommen und dann wären wir hier heute unter anderen Voraussetzungen hergefahren. Es ist unter einem Strich eine wenig zufrieden stellende Saison, die aber noch nicht für uns zu Ende ist."
Bernd Neuendorf (DFB-Präsident): "Im Namen des DFB gratuliere ich dem FC Bayern München herzlich zur deutschen Meisterschaft. Die Konstanz des Klubs ist überaus beeindruckend. Diese Meisterschaft ist für den FC Bayern aber sicher nicht nur deshalb etwas Besonderes, weil es bereits der zehnte Triumph in Folge ist. Denn zum ersten Mal seit 2019 waren bei der Meisterkür wieder Zuschauer*innen im Stadion, die ihre Mannschaft ausgiebig feiern konnten, nachdem sie bei den beiden Titelgewinnen zuvor aufgrund der Pandemie nicht dabei sein durften. Ohne die Fans ist der Fußball nur halb so schön. Das ist am Samstag in München wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt worden."
Donata Hopfen (DFL-Geschäftsführerin): "Herzlichen Glückwunsch an die Mannschaft, das Trainerteam um Julian Nagelsmann sowie die Verantwortlichen um Herbert Hainer und Oliver Kahn. Zehn deutsche Meisterschaften in Folge – diese einmalige Bilanz und der auch in diesem Jahr wieder verdiente Titel unterstreichen die herausragende Arbeit des FC Bayern."
Hansi Flick: (Bundestrainer): "Der FC Bayern ist zum wiederholten Mal das Maß aller Dinge in der Bundesliga. Die zehnte Meisterschaft in Folge ist ein herausragender Erfolg für den Verein, die Mannschaft und die vielen Fans. Besonders freue ich mich für meinen Trainerkollegen Julian Nagelsmann, seinen Stab und unsere Nationalspieler. Die deutsche Meisterschaft ist der ehrlichste Titel und die Basis für weitere Erfolge. Jeder Titelgewinn gibt Selbstvertrauen – und hoffentlich für unsere Nationalspieler auch Rückenwind für die anstehenden Aufgaben in der UEFA Nations League sowie als Höhepunkt bei der WM in Katar."
Oliver Bierhoff (DFB-Direktor): "Die Diskussionen über die fehlende Spannung in der Bundesliga können diesen großartigen Erfolg nicht schmälern. Zehnmal hintereinander deutscher Meister zu werden, ist beeindruckend und macht deutlich, wie gut der Verein seit vielen Jahren arbeitet. Das gilt auch für unsere Nationalspieler um Kapitän Manuel Neuer, die wieder einmal ihre Klasse gezeigt haben."
Heike Ullrich (DFB-Generalsekretärin): "Der zehnte Meistertitel in Serie, der 32. insgesamt – am FC Bayern führte auch in dieser Bundesligasaison kein Weg vorbei. Es ist eine Sache, an die Spitze zu kommen. An der Spitze zu bleiben, ist oft die noch größere Herausforderung. Dass dem FC Bayern München dies schon so lange gelingt, verdient höchste Anerkennung."
Markus Söder (Ministerpräsident Bayern): "Herzlichen Glückwunsch an den FC Bayern zum Gewinn der deutschen Meisterschaft! Eine tolle Serie mit dem zehnten Titel in Folge. Der FC Bayern ist ein Aushängeschild Bayerns in der ganzen Welt. Bayern ist stolz auf diese Leistung."

Der Tweet zum Spiel:

Wenn der FC Bayern München die Meisterschaft gewinnt, müssen besonders Bier-Freunde stark sein. Bierduschen sind wieder angesagt.

Das fiel auf: Qualitätsunterschied auf der Bank

Auch der FC Bayern hatte in dieser Saison schwerwiegende Ausfälle. Auch der FC Bayern musste mitunter mit unbekannten Teenagern antreten. In diesem entscheidenden "Klassiker" aber wurde einmal mehr der eklatante Unterschied zu Borussia Dortmund deutlich. Während Julian Nagelsmann mit Jamal Musiala schließlich den entscheidenden Torschützen einwechseln konnte, kam beim BVB Jamie Bynoe-Gittens zu seinem erst zweiten Bundesliga-Einsatz. Nicht, dass der junge Engländer nicht ähnlich talentiert ist - die Qualität und Tiefe des Kaders hat beim BVB letztlich aber über die ganze Saison nicht ausgereicht, um den FC Bayern München und die Meisterschaft ernsthaft anzugreifen. Wenn dann, wie im Spitzenspiel, auch noch diverse Stammspieler (Kobel, Witsel, Hummels, Hazard, Meunier, Reyna usw.) ausfallen, dann stehen die Chancen, in der Allianz Arena etwas mitzunehmen, einfach schlecht.

Die Statistik: 10 und 1

Nie zuvor in den europäischen Top-5-Ligen ist es einer Mannschaft gelungen zehn Meisterschaften in Folge zu feiern. Für Julian Nagelsmann ist es zudem der erste Titel überhaupt.
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