Von Ruhe und Stabilität, die die Blau-Weißen seit mehr als zwei Jahren suchen, ist nach wie vor keine Spur. In grundsätzlicher Schieflage sehen sich die Berliner aber nicht. "Chaos-Klub?", sagte Präsident Werner Gegenbauer am Mittwoch, "da kann ich mich eigentlich auch nur totlachen."
Dieses Image der launischen Alten Dame ist allerdings selbstverschuldet. Der mit Windhorsts Investment in Höhe von 374 Millionen Euro nicht geringer gewordene Anspruch und die Wirklichkeit klaffen meilenweit auseinander. Aktuell belegt die Hertha nur Rang 14 der Tabelle. Pal Dardai betreut die Mannschaft als fünfter Trainer seit Sommer 2019.
Schmidt sollte den Klub als Vorsitzender der Geschäftsführung auf Kurs bringen, zum 1. Dezember 2020 hatte der langjährige CEO und Senior Advisor des Medienkonzerns Sky das Amt angetreten. Am Dienstag trat er zurück - aus persönlichen Gründen. "Es ist eine Situation, die ich nicht nebenbei managen kann", sagte Schmidt (58) über einen Krankheitsfall im direkten familiären Umfeld.
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Hertha verliert einen bestens vernetzten Chef. Schmidt hatte den Strategie-Prozess "Goldelse" federführend angeschoben, er lotste Fredi Bobic in die Hauptstadt, der seinen Aufgabenbereich in der Geschäftsführung mit Finanzchef Ingo Schiller übernehmen wird.

Gegenbauer: Keine internen Zerwürfnisse

Zurück lässt Schmidt einen Klub, der sich auf dem Weg in die erhoffte bessere Zukunft zu verlieren droht. Von Chaos wollte er aber wie Gegenbauer nichts wissen. "Chaos ist ein ungeordneter Haufen, der nicht weiß, was er tut", sagte Schmidt: "Das ist bei Hertha BSC zu keinen Zeitpunkt in meiner Zeit aus meiner Sicht der Fall gewesen."
Auch Spannungen zwischen den Verantwortlichen dementierte er. "Es gibt keinen Riss, es gab keinen Riss, es wird keinen Riss zwischen den Beteiligten geben", sagte Schmidt. Auch habe er "zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Widerstände gegen Initiativen gespürt, die ich angestoßen habe. Nullkommanull. Ich fühlte mich immer von allen Seiten unterstützt."
Spannend wird zu beobachten sein, wie sich Investor Windhorst nach dem Weggang Schmidts, zu dem er ein gutes Verhältnis pflegte, verhalten wird. Windhorst und Gegenbauer, heißt es, ringen um Einfluss und die Ausrichtung des Vereins. Gegenbauer äußerte sich am Mittwoch diplomatisch. "Es gibt nicht den Absolutheitsanspruch zwischen Neu und Alt", sagte er, "sondern zwischen gut und nicht so gut."
Carsten Schmidt wird die Entwicklung nur noch aus der Ferne beobachten. "Aber", das versicherte er, "ich werde mir jedes Spiel anschauen."
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(SID)

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