Reaktion gezeigt, minimale Titelchance gewahrt: Borussia Dortmund ist zum Auftakt des 29. Bundesliga-Spieltags mit Mühe und dank Doppelpacker Julian Brandt in die Erfolgsspur zurückkehrt. Der BVB siegte sechs Tage nach dem 1:4-Debakel gegen RB Leipzig mit 2:0 (1:0) beim VfB Stuttgart und verkürzte den Abstand auf Tabellenführer Bayern München vorerst auf sechs Zähler. Für den VfB war es hingegen ein empfindlicher Rückschlag im Kampf gegen den Abstieg.
Der VfB, der zuvor vier Pflichtspiele in Folge nicht verloren hatte und in der Schlussphase vor 58.248 Zuschauern einige gute Chancen vergab, bleibt als 15. nur einen Zähler vor dem Relegationsrang und kann im Laufe des Wochenendes noch auf einen Abstiegsrang abrutschen.
Die kleine Resthoffnung auf einen engen Titelkampf war dem BVB bereits vor der Partie genommen worden, nachdem das DFB-Sportgericht den Einspruch des SC Freiburg nach dem Wechselfehler des FC Bayern abgewiesen hatte. BVB-Coach Marco Rose hatte sein Team nach dem biederen Auftritt gegen Leipzig vor einem Spannungsabfall im Saisonendspurt gewarnt - und seine Mannschaft war von Beginn an um Wiedergutmachung bemüht.
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Direkt mit der ersten gefährlichen Aktion brach Ausnahmestürmer Erling Haaland aus abseitsverdächtiger Position über links durch und legte quer auf Brandt, der nur noch einschieben musste - nach einem kurzen Check des Videoassistenten gab Schiedsrichter Harm Osmers den Treffer. Brandt war erst kurz zuvor für den verletzten Giovanni Reyna in die Partie gekommen.
Der BVB zeigte sich auch in der Folge offensiv variabel, defensiv aber immer wieder anfällig. Omar Marmoush verpasste den Ausgleich nur knapp, als er seinen Lupfer aus spitzem Winkel zu hoch ansetzte (23.). Trotz des Ausfalls des coronapositiven Top-Stürmers Sasa Kalajdzic setzte sich der VfB immer wieder in der Dortmunder Hälfte fest, ließ dabei aber die letzte Zielstrebigkeit vermissen.
Noch vor der Pause musste Rose dann erneut reagieren, diesmal erwischte es den an der Schulter verletzten Mahmoud Dahoud - Axel Witsel kam in die Partie (36.), die aufgrund vieler Unterbrechungen ein wenig abflachte.
Die Stuttgarter kamen schwungvoll aus der Kabine, Tiago Tomas verzog nach einem Freistoß aus dem Halbfeld (48.). Die Dortmunder waren um Spielkontrolle bemüht, ein Abschluss von Reus (59.) sauste rechts am Tor vorbei. Doch die Schwaben bäumten sich nochmal auf, Pascal Stenzel traf aus 20 Metern nur die Oberkante der Latte (61.). Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, ehe Brandt seinen starken Joker-Einsatz krönte. Stuttgart gab sich aber nicht geschlagen, Borna Sosa (90.) traf bei einer der vielen Möglichkeiten die Latte.

Die Stimmen zum Spiel:

Marco Rose (Trainer Borussia Dortmund): "Ich bin zufrieden. Die Mannschaft hat den Kampf, das Wetter und die Atmosphäre mitgenommen. Es war ein interessantes Spiel. Dazu hat auch Stuttgart seinen Teil beigetragen. Wir haben Chancen zugelassen - auch große Chancen des Gegners - gewinnen das Spiel aber am Ende verdient mit 2:0."
Julian Brandt (Borussia Dortmund): "Spiele zu gewinnen, ist die beste Antwort, die man geben kann. Wir wollen immer, heute haben wir zum Glück ein besseres Gesicht gezeigt. Das Wichtigste war, dass wir versucht haben, stabil zu stehen. Am Ende war auch etwas Glück dabei, aber die Hauptsache ist, dass wir das Spiel gewinnen."
Pellegrino Matarazzo (Trainer VfB Stuttgart): "Nach einer Niederlage ist man immer enttäuscht. Wir waren aber nicht so schlecht, wir hatten unsere Chancen. Das erste Gegentor war unnötig. Wir haben danach wenige Gelegenheiten zugelassen. In der zweiten Hälfte gehen wir mit dem Rückstand etwas mehr Risiko. Dadurch sind Räume für Dortmund aufgegangen. Wenn man gegen Dortmund bestehen möchte, muss man seine Chance nutzen."
Pascal Stenzel (VfB Stuttgart): "In unserer Situation brauchen wir Punkte. Mit etwas mehr Spielglück und etwas mehr Konsequenz wäre auch etwas drin gewesen. Wir hatten vier, fünf Situationen, in denen mit etwas Glück der Ball über die Linie geht. Gegen Dortmund kann man nicht alles wegverteidigen, dennoch ist es uns überwiegend ganz gut gelungen. Trotz der Niederlage stimmt mich die Leistung der Mannschaft positiv."
Atakan Karazor (VfB Stuttgart): "Wir haben gut dagegengehalten. Wir hatten auch unsere Chancen, treffen dann aber teilweise die falsche Entscheidung. Daran müssen wir für die kommenden Partien arbeiten. Die Ansätze haben aber auf jeden Fall gestimmt."

Der Tweet zum Spiel

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Der BVB lieferte heute alles in allem keine wirklich gute Partie ab, nimmt am Ende aber dennoch die drei Punkte mit nach Hause und festigt vorerst Platz zwei. Nach einer starken Anfangsphase begann der BVB regelrecht zu schwimmen, wenn die Stuttgarter mit Tempo in Richtung Kobel-Tor rannten. Mehr Torschüsse und sogar höhere Expected-Goals-Werte (1,83 für den VfB und 1,66 für den BVB) sprechen am Ende auch eher für die Gastgeber, die am Freitagabend an der eigenen Chancenverwertung und am Aluminiumpech gescheitert sind. Neben der immer wieder wackligen Defensive haperte es lange Zeit auch an der Kreierung von Chancen beim BVB. Am Ende nimmt die Borussia die drei Punkte aber dankbar mit. Der VfB verliert eigentlich verdiente Punkte im Abstiegskampf.

Die Statistik: 12

Julian Brandt erzielte das früheste Jokertor der Bundesliga-Geschichte. In der sechsten Minute wurde er eingewechselt, in Minute zwölf erzielte er die 1:0-Führung. Nie zuvor traf ein Einwechselspieler früher.
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(mit SID)

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