Pep Guardiola war zufrieden mit dem Ergebnis, noch mehr aber mit der Leistung seiner Mannschaft. Bei Dinamo Zagreb, so sagte es Philipp Lahm, ist es für den FC Bayern München zum Abschluss der Champions-League-Vorrunde schließlich "nur ums Geld“ gegangen. 1,5 Millionen Euro Siegprämie. Abgeholt. Passt. Dazu mit 15 Punkten und 19:3 Toren einen Vereinsrekord aufgestellt.
Beim Bayern-Trainer schwang Stolz mit, als er nach dem 2:0 sagte: "Wir haben gezeigt, dass unsere Einstellung immer korrekt ist.“ Verlass war in erster Linie mal wieder auf seinen Top-Angriff in Gestalt von Robert Lewandowski und Thomas Müller. Lewandowski traf doppelt (61./64.), Müller brachte als in der zweiten Halbzeit eingewechselter Joker den nötigen Schwung dafür mit.
Verlass war aber auch auf Spieler aus der zweiten Reihe, auf die, für die Einsatzminuten normalerweise rar sind. Auf die Spieler auf den Kaderplätzen 15 bis 22, also die, die in einem Top-Top-Top-Spiel eher nicht zum Einsatz kamen.
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Härtetest bestanden

Guardiola weiß, wie schnell er einen von ihnen brauchen kann – das bayrische Verletzungspech in seiner Ära ist ja fast schon grotesk. Deswegen testete er sie, in Zagreb, die Ulreichs, Rodes, Kimmichs. Und war zufrieden.
Mit Torwart Sven Ulreich zum Beispiel, dem vor der Saison verpflichteten Vertreter von Manuel Neuer, der seinen Startelf-Job beim VfB Stuttgart gegen einen Platz auf der Bayern-Bank aufgegeben hatte. Aber eben auch für Spiele wie diese: Champions League, sein erster Auftritt. "Er hat es sehr, sehr gut gemacht. Ich bin sehr zufrieden mit ihm“, sagte Guardiola nach fünf parierten Torschüssen des 27-Jährigen.

Sven Ulreich zeigte in Zagreb eine starke Leistung

Fotocredit: SID

Auch Sebastian Rode verdiente sich Fleißpunkte. Halblinks im Mittelfeld aufgeboten, spielte der ehemalige Frankfurter giftig und umsichtig, bereitete zudem das 2:0 vor. "Ich habe ganz ordentlich gespielt. Ich kann es nur immer wieder zeigen, alles andere liegt dann am Trainer“, sagte der 25-Jährige hinterher und schloss gleich mal einen Wechsel im Winter aus: "Die Verantwortlichen sind sehr zufrieden mit mir.“
Joshua Kimmich ist derweil Guardiolas ganz besonderes Projekt; der 20-Jährige durfte zum einen in Zagreb im fünften von sechs Champions-League-Spielen auf dem Platz stehen, zum anderen wieder gleich mehrere Rollen ausfüllen.
Der eigentliche Sechser wurde zunächst als Achter aufgeboten, um das Spiel dann schließlich als Linksaußen zu beenden. "Ich habe ja auf ein paar Positionen heute gespielt“, stellte er hinterher fest. Kein Problem, natürlich. "Ich habe mich wohl gefühlt auf dem Platz. Es ist für mich jedes Mal eine neue Chance – das sehe ich nicht als Druck, sondern als Chance.“
Rafinha bedurfte es da schon gar keiner weiteren Erwähnung; der Brasilianer spielte als halblinker Verteidiger in der Dreierkette gewohnt sorgfältig. "Links, rechts, Innenverteidiger – alles kein Problem für mich“, sagt der Neu-Deutsche.

In der Sackgasse

Ein "Aber“ gab’s allerdings auch. Denn in der Schublade unter 22 Jahren hat der FC Bayern derzeit außer den neu und teuer verpflichteten Kimmich (20) und dem in Zagreb geschonten Kingsley Coman (19) kein Personal, dass einem ernsthaften Champions-League-Auftritt gewachsen wäre. Das zeigte unter anderem die etwas fahrige Leistung von Julian Green (20), 2014 ja immerhin WM-Torschütze, aber 2015 in einer Sackgasse angelangt, weil bei Bayern sonst auf die Regionalliga Bayern beschränkt.
Auch bei den anderen einst vielversprechenden Youngstern läuft’s nicht. Sinan Kurt (19) und Gianluca Gaudino (19) tauchten zuletzt nicht mal mehr im Kader der Bayern-Amateure auf, waren deswegen keine Option für Zagreb. Ihre Demission, so munkelt man, hat disziplinarische Gründe. Offizielle Statements gibt es dazu nicht. Pierre-Emile Höjbjerg (20) nimmt derzeit einen weiteren Umweg über den FC Schalke 04, seine Zukunft bei Bayern ist - vor allem wegen Kimmich - fraglich.
Und sonst? Regionalliga-Angreifer Patrick Weihrauch (21) hat für Guardiola offenbar kein Profi-Format. Der diese Saison schon mal eingesetzte Milos Pantovic (19) spielte in Zagreb für die U19 in der "Youth League“, nicht für die Profis in der Königsklasse.
Überhalb der jetzigen vielversprechenden U17 verbleiben derzeit eigentlich nur die schon zur U19 bzw. U23 beförderten Fabian Benko (17) und Niklas Dorsch (17) als Hoffnungsschimmer. Die beiden Jungspunde reisten mit nach Zagreb, mit großen Augen verfolgten sie den Champions-League-Rummel. Benko hätte gar der jüngste jemals für Bayern in der Champions League eingesetzte Spieler werden können. Doch Guardiola verzichtete. Weil er sich lieber auf die anderen verlässt.
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