Mark van Bommel in seinem letzten Jahr beim FC Bayern München

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Herr van Bommel, mit der PSV Eindhoven, dem FC Bayern und dem FC Barcelona spielen drei Ihrer Ex-Klubs diese Woche im Achtelfinale der Champions League. Zwei davon spielen um den Titel, oder?
Mark van Bommel: Bayern und Barcelona sind für mich die ganz großen Favoriten. Dazu kommen aber immer Überraschungen. Atlético Madrid ist eine gefährliche Mannschaft, und obwohl ich nach dem 0:0 im Hinspiel noch hoffe, wird es PSV sehr schwer haben. Auch Paris Saint-Germain kann ich mir im Halbfinale vorstellen.
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26/10/2021 AM 15:09
Am Mittwoch spielt Bayern gegen Juventus. Mit Juve-Trainer Massimiliano Allegri arbeiten Sie 2011 und 2012 beim AC Mailand zusammen. Was ist er für ein Typ?
Van Bommel: Er hat damals genau gewusst, wann er eingreifen muss und wann er die Mannschaft einfach machen lassen kann. Wir waren eine alte Mannschaft. Oder sagen wir besser: eine erfahrene! (lacht) Was ich sagen will: Wir haben auf dem Platz auf viele Situationen selbst reagieren können. In den richtigen Momenten war er im Vordergrund, in anderen hat er sich zurückgehalten. Das ist das A und O bei einer Mannschaft, die alles gewonnen und viel erlebt hat.

Juventus-Coach Massimiliano Allegri

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Wie erwarten Sie Juventus gegen Bayern?
Van Bommel: Sie werden sicher nicht voll angreifen. Das kann in Europa vielleicht nur Barcelona. Alle anderen schauen gegen Bayern erst mal, dass sie hinten sicher stehen. Die Qualität, vorne eins zu machen, die hat Juventus. Aber eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass die Münchener ausscheiden. Normalerweise kommt Bayern weiter.
Der FC Bayern liegt mir nach wie vor am Herzen.
Was verbindet Sie fünf Jahre nach dem Abschied noch mit dem FC Bayern?
Van Bommel: Der Draht ist sehr gut. Der Verein liegt mir nach wie vor am Herzen. Die Beziehungen zu den Leuten auf der Geschäftsstelle, zu Betreuern, Physios und Spielern, die bleiben.
Ihr Name fiel kürzlich, als Ottmar Hitzfeld Arturo Vidal mit Ihnen verglich. Stichwort: ‘Aggressive Leader’. Ist das nun ein Kompliment für Sie oder für Vidal?
Van Bommel: (lacht) Ich denke eher für mich. Aber auch ein bisschen für Vidal – Ottmar hat das schließlich positiv gemeint. Für mich hat das einen großen Stellenwert, wenn ein solch großer Trainer so etwas sagt.

Mark van Bommel spielt für die FC Bayern AllStars

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Können Sie sich mit Vidal identifizieren? Wie sehen Sie ihn bei Bayern?
Van Bommel: So einen Spieler hat man immer gerne in der Mannschaft. Es hört sich vielleicht komisch an, weil solche Spieler wie wir viel draufhauen, aber sie sind taktisch schlau. Das wird unterbewertet. Sie fühlen ganz genau, welchen Zweikampf man gewinnen muss, wann man vorangehen muss, wann man sich eine Gelbe Karte holen muss.
Spieler wie Vidal brauchst du in einer Mannschaft.
Stichwort: ‘Zeichen setzen’.
Van Bommel: Genau. Wenn das so ein Spieler macht, weiß die Mannschaft sofort: ‘Bis hierher – und nicht weiter.’ Diese Spieler sind keine schlechten Fußballer. Sie kämpfen immer, egal wie es steht. Aber sie haben auch wenige Ballverluste. Wenn sie ein Risiko eingehen, ist es meistens gut fürs Team. Solche Spieler brauchst du in einer Mannschaft.
Trainer beim FC Bayern? Ich kann mir das schon vorstellen.
Karl-Heinz Rummenigge rühmte zuletzt immer wieder das ausgezeichnete Verhältnis zu Ihnen. Wann werden Sie Trainer beim FC Bayern, vielleicht im Jugendbereich?
Van Bommel: Der FC Bayern reizt mich immer! Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt, aber leider haben sich die Wege 2011 getrennt. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt – aber ich kann mir das schon vorstellen. Wenn irgendwo Platz für mich ist, ist das immer eine interessante Option für mich, über die ich nachdenken würde. Aktuell ist das aber weit weg.
Wie oft sind Sie noch in München?
Van Bommel: Vielleicht drei, vier Mal im Jahr. Es bleibt einfach wahnsinnig wenig Zeit. Wenn wir mal alle in der Familie frei haben, fahren wir gerne nach München – so zum Beispiel in den letzten Faschingsferien.
Gut, dass Sie es ansprechen: Da wurden Sie nämlich in München im selben Hotel wie Carlo Ancelotti gesehen. Haben Sie sich dort getroffen, etwa eine gemeinsame Zukunft besprochen?
Van Bommel: (lacht) Das war wirklich reiner Zufall! Ich wusste gar nicht, dass er auch da ist. Klingt zwar doof, aber das dürfen Sie mir glauben. Wir haben uns nicht mal gesehen. Ich habe mich noch über die Fotografen vor dem Hotel gewundert…

Mark van Bommel vor dem Hotel

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Aber Ancelotti und Sie bei Bayern – wäre das was?
Van Bommel: Ich glaube, der bringt seine eigenen Leute mit. (lacht) Im Ernst: Da ist nichts dran. Aber ich höre nur gute Geschichten über ihn. Aus Mailand vor allem, da ist er eine Legende. Ich denke, das ist das, was ein Trainer will: dass alle gut über ihn sprechen – egal ob die Spieler gespielt oder auf der Ersatzbank gesessen haben. Wenn du ehrlich und offen bist, dann akzeptiert das jeder Spieler. Und das ist er.
Es war nicht geplant, dass es so endet.
Sie sind 2011 im Unfrieden mit Louis van Gaal aus München weggegangen. Gab es seither eine Versöhnung, eine Aussprache?
Van Bommel: Nein. Ich habe ihn zweimal gesehen und die Hand gegeben, das war’s. Ich will gar nicht mehr groß drüber sprechen. Ich sage nur: Wie oft kommt es vor, dass ein Kapitän einen Spitzenverein in der Winterpause verlässt? Es war nicht geplant, dass es so endet. Aber ich musste eine Entscheidung treffen. Im Nachhinein bin ich froh, weil ich so noch für Milan spielen konnte.
Bei Manchester spielt mit Bastian Schweinsteiger ein alter Kollege von Ihnen unter van Gaal. War sein Schritt weg von Bayern für Sie verständlich?
Van Bommel: Ich weiß nicht, ob das Verhältnis zwischen Pep und ihm da eine Rolle gespielt hat, darüber habe ich nie mit ihm gesprochen. Er hatte die Wahl: gehen oder das ganze Leben bei Bayern bleiben. Und für einen Wechsel war es sicher der richtige Zeitpunkt. Ich muss sagen, dass ich es immer geliebt habe, mit ihm im Mittelfeld zu spielen. Das ging wie blind. Bei Manchester ist es insgesamt eine schwierige Saison, da kann er als Einzelspieler wenig dafür.

Mark van Bommel (r.) mit Bastian Schweinsteiger

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Pep Guardiola haben Sie als Spieler beim FC Barcelona 2005/06 knapp verpasst, oder?
Van Bommel: Das stimmt, er spielte damals in Mexiko. Aber wir waren mal Mittagessen, das war hochinteressant. Guardiola war als Spieler mit seinem One-Touch-Fußball mein Vorbild.
Wie sieht Ihre Idee vom Fußball aus?
Van Bommel: Elemente des 4-3-3, aber am liebsten mit zwei defensiven Mittelfeldspielern. Damit ist man variabler, wenn einer der beiden verteidigenden Mittelfeldspieler sich mit nach vorne einschaltet. So wie wir früher bei Bayern gespielt haben. Aber man muss auch die richtigen Spieler dafür haben. Eine Idee ist immer nur eine Idee.
Als Trainer hast du nur wenige Versuche, viel weniger als die Spieler.
An welchem Trainer orientieren Sie sich eher – dem Taktiker Guardiola oder dem Mensch Ancelotti?
Van Bommel: Ich muss meinen eigenen Stil entwickeln. Ich weiß, dass ich den Riesenvorteil habe, als Spieler jahrelang in den Kabinen großer Klubs dabei gewesen zu sein. Aber das bedeutet nicht, dass man sofort einen großen Klub als Trainer übernehmen sollte. Sicher, das kann gut gehen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist viel größer, dass es nicht gut geht. Deswegen fange ich lieber kleiner an. Als Trainer hast du nur wenige Versuche, viel weniger als die Spieler. Als Profi kannst du es nach drei Vereinen immer noch woanders versuchen. Als Trainer kannst du dann schon weg vom Fenster sein.
Bei Pep Guardiola ist es gleich bei einem großen Klub gutgegangen, auch Zinédine Zidane coacht jetzt Real Madrid. Sind Sie die Ausnahmen?
Van Bommel: Man darf nicht vergessen, dass beide zuerst die zweite Mannschaft trainiert haben. Ich sage es mal so: Wenn man Barcelona oder Madrid trainiert, ist alles auf dem Rasen einfach – aber alles drumherum sehr schwer. Die Spieler kapieren gleich, was du von ihnen willst. Sie haben auch die technischen Fähigkeiten, das umzusetzen, was du forderst. Ein System einzubringen, ist also leicht. Aber so ein Umfeld zu beherrschen: puh, das ist hart und das kann auch nicht jeder.
Wie sieht denn Ihre aktuelle Arbeit aus?
Van Bommel: Bei PSV schaue ich mir die Mittelfeldspieler der U17, U19 und der zweiten Mannschaft im Training und im Spiel ganz genau an und bin da, wenn sie Fragen haben. Ich habe ein Auge auf die Jungs und gebe Tipps, mache mit ihnen Video-Analysen. Ich hoffe, dass sie damit einen Schritt weiterbringen kann.
Ich darf die taktische Vorbereitung auf die Spiele vornehmen, das ist super für mich.
Und bei Saudi-Arabien?
Van Bommel: Da kann ich meinem Schwiegervater Bert van Marwijk über die Schulter sehen, was für mich Gold wert ist. Genau zu sehen, wie er innerhalb von zehn Sekunden eine Besprechung vorbereiten kann, wie er mit den Spielern umgeht, wie er die anderen Trainer anleitet, wie er trainieren lässt – da kann ich eine Menge lernen. Ich wiederum darf die taktische Vorbereitung auf die Spiele vornehmen, das ist super für mich. Dazu kommt die Erfahrung, in einer anderen Kultur zu arbeiten und letztlich auch zu bestehen, was ich für sehr wertvoll halte.
Sehen wir Sie mit van Marwijk und Saudi-Arabien bei der WM 2018 in Russland?
Van Bommel: Das ist das Ziel. Wir sind jetzt am Ende unserer ersten Quali-Phase, müssen Ende März gegen Malaysia und in den Vereinten Arabischen Emirate spielen. Aktuell sind wir Erster mit drei Punkten und drei Toren Vorsprung vor den Emiraten. Die Chance aufs Weiterkommen ist groß. Und dann ist es nur noch eine Runde bis zur WM…
In Europa steht die EM vor der Tür – in Frankreich, ohne die Niederlande. Wie schlimm ist das Quali-Aus für Ihr Heimatland?
Van Bommel: Gut ist das nicht. Die Situation der Elftal ist schwierig. Die Mannschaft ist nicht so gut, wie man denkt. Leider. Eine gesamte Generation dankt ab, aber die jungen Jungs sind noch nicht so weit, die Lücke füllen zu können. Zwischen 22 und 30 Jahren haben wir ein Riesenloch. Da gibt es eigentlich nur Kevin Strootman und der ist oft verletzt. Wir haben keine so große Auswahl wie in Deutschland. Wir haben nur 17 Millionen Einwohner. Ich sehe, dass in den Jugendteams von Ajax, PSV und Feyenoord etwas heranwächst, gute Jungs. Aber es wird einige Jahre dauern, bis wir wieder auf dem gewohnten Niveau dabei sind.
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