Mats Hummels ließ es sich nicht nehmen und machte ein Selfie wie ein normaler Fan.
Das Motiv? Nicht etwa ein anderer Spieler, sondern der Celtic-Park, die Heimstätte des FC Celtic, wo der FC Bayern München gerade sein Champions-League-Spiel mit 2:1 (1:0) gewonnen, oder besser: die grüne Hölle überlebt hatte.
"Eine unfassbare Stimmung, ich hab's sehr genossen", sagte Hummels. "Bei der Champions-League-Hymne hatten wir alle Gänsehaut", meinte Niklas Süle.
Champions League
3 Dinge, die bei Bayern auffielen: Erleichternde Effizienz, aber auch zwei große Probleme
31/10/2017 AM 23:24
Auch der Boss schwärmte. "Das war Fußball in Reinkultur: Von der Atmosphäre her hat man sich ein bisschen in die alten Zeiten zurückversetzt gefühlt", meinte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Bankettrede im Radisson-Blu-Hotel.
"Ein rassiges Kampfspiel", sei es gewesen, er selbst mit dem Ausgang "hochzufrieden". Gibt Schlimmeres, als wenn der Boss solche Worte wählt. Einige Spieler waren jedoch nicht so angetan vom Erlebten. Vor allem Arjen Robben legte den Finger in die Wunde. "Es war nicht unser bestes Spiel", bilanzierte der Rechtsaußen kritisch:
Manche Spiele musst du versuchen zu überleben und sie zu gewinnen. Wir haben nicht viele Chancen herausgespielt.

Mehr Torschüsse für Celtic

Keine Frage: Das Ergebnis war glänzend aus Bayern-Sicht, der Wille war da, der mannschaftliche Zusammenhalt auch - das war's dann aber auch schon.
Mit Celtic zeigte ein eher mittelmäßiges Champions-League-Team den Münchnern auf, woran es vor allem auswärts noch hakt, brachte den FCB sogar mit einem Chancenplus und 12:8 Torschüssen an den Rande einer Niederlage. Ein Remis wäre für die Schotten jedenfalls nicht unverdient gewesen.
"Es war ein hartes Spiel", sagte Matchwinner Javi Martínez und stand externalmit seinem blauen Auge sinnbildlich für die Partiehttp://buzz.eurosport.de/action/schmerzhafte-halloween-einlage-von-martinez-30084/None:
Wir wussten, dass sie Kämpfer sind und dass wir genau so zurückkämpfen mussten.

James fällt als Stürmer durch

Die Mängelliste bei Heynckes' Champions-League-TÜV zog sich dagegen von vorne bis hinten.
In vorderster Front klappte das Experiment mit James Rodríguez als Ersatz für Robert Lewandowski überhaupt nicht. Der Kolumbianer brachte wie Kingsley Coman nur einen Torschuss und eine Torschussvorlage zustande, wirkte aber deutlich ungefährlicher als der Franzose und schien Zweikämpfen aus dem Weg zu gehen.
Das eigentliche Problem der Bayern-Statik trat jedoch dahinter auf: In der Besetzung mit Arturo Vidal und Corentin Tolisso auf den Halbpositionen im 4-1-4-1 hatte Bayern deutlich weniger Stabilität im Mittelfeld als wenn Thiago und Sebastian Rudy spielen, weil beide keine besonders starken Spieler im Gegenpressing sind.

Tolisso und Vidal mit Problemen

"Celtic hat uns phasenweise sehr aggressiv angegriffen und damit hatten wir Probleme", sagte Heynckes.
Tolisso hatte außerdem zwar die beste Passquote bei Bayern (97 Prozent), spielte aber beinahe nur Kurzpässe, zumeist ohne Phantasie oder Impuls nach vorne, und hatte nur drei Balleroberungen. Arturo Vidal lieferte derweil die schwächste Passquote in des Gegners Hälfte (81 Prozent) und hatte ohnehin nur 52 Ballkontakte, benahm sich zudem bei seiner Auswechslung durch Heynckes rüpelhaft.
"Es geht nicht nur um den Stürmer, es geht um das Gesamtpaket. Darum, wie wir stehen und wie wir es ausspielen. Das hätten wir besser machen können", kritisierte Robben:
Die Besetzung im Mittelfeld war nicht immer richtig, wir hatten Schwierigkeiten im Spiel gegen den Ball.

Schwache Zweikampfbilanz

Doch nicht nur die reinrotierten Spieler, auch arrivierte Kräfte blieben blass: Jérôme Boateng verlor vier seiner sieben Zweikämpfe, Robben war an gar keinem Abschluss direkt beteiligt. Von der rechten Angriffsseite schlugen so nur Rafinha und Tolisso drei mickrige Flanken, lediglich eine kam an. "Es muss besser werden", sagte Robben.
Erschwerend hinzu kam: Nur zwei Bayern aus der Startelf gelang es, die Mehrheit ihrer Zweikämpfe zu gewinnen (Süle und Robben). Daraus resultierte unmittelbar Torgefahr der Celts. Fünf Chancen zählte selbst Ulreich für den Gegner, neben dem ersten Gegentor unter Heynckes aus dem Spiel heraus von Callum McGregor (74.) hatten die Hausherren noch mindestens zwei weitere große Möglichkeiten.
"Wir haben den Ball zu oft zu einfach verloren. Nach dem Tor ist das Stadion so richtig aufgewacht", bemängelte Boateng.

FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Bayern personell gebeutelt

Die Vorsichtsmaßnahme, Hummels, Joshua Kimmich, Rudy und Thiago auf die Bank zu setzen sowie Robert Lewandowski ganz zuhause zu lassen, hätte Trainer Heynckes beinahe mit zwei verlorenen Punkten bezahlt. "Dass bei unserem momentanen Programm die Frische ein wenig fehlt, ist ganz normal. Wir sind momentan personell ein wenig gebeutelt", sagte der Trainer.
Irgendwann musste eben auch der 72-Jährige die Rotation in sein Repertoire mit aufnehmen, überspielten Profis eine Pause gönnen. Robben stand nun sogar schon sieben Mal in Folge in der Startelf, das machte sich in Glasgow bemerkbar.
"Manchmal musst du Spielern eine Pause geben", sagte der Niederländer, "das ist ganz normal. Ich habe es bei mir auch gemerkt. Du merkst, dass du richtig kaputt bist am Ende."

Coman lobt Charakter der Mannschaft

Dass es nicht zum Punktverlust, lag daran, dass Bayern aus sehr wenig sehr viel machte: Die Treffer von Kingsley Coman (22.) und Martínez (77.) waren die beiden einzigen Szenen, die Glasgows Tor ernsthaft in Bedrängnis brachten - Keeper Craig Gordon musste ansonsten nur zwei Bälle parieren, einen weniger als Ulreich.
"Immerhin waren wir effektiv", lobte Robben. "Die Jungs haben sich richtig reingekniet", sagte Heynckes. "Wir haben Charakter gezeigt", meinte Torschütze Coman:
Es war vielleicht nicht schön anzusehen, aber wir sind mannschaftlich geschlossen aufgetreten und haben uns fürs Achtelfinale qualifiziert.
Und ein schönes Selfie ergattert.
Champions League
FC Bayern in der Einzelkritik: Martínez als bayerischer Braveheart
31/10/2017 AM 22:07
EURO 2020
Nationaltrainer verteidigt Lewandowski: "Hat sich geopfert"
GESTERN AM 21:42