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Der LIGAstheniker: Nur die Schweinehund-Bayern hauen die Königlichen weg

Der LIGAstheniker: Nur die Schweinehund-Bayern hauen die Königlichen weg

30/04/2018 um 14:14Aktualisiert 30/04/2018 um 22:13

Der LIGAstheniker kennt das Rezept, um den FC Bayern im Halbfinale der Champions League noch an Real Madrid vorbei zu hieven. Für Eurosport-Blogger Thilo Komma-Pöllath hat der Rekordmeister nämlich ein Problem in der Liga, das die Mentalität verkommen lässt. Deshalb fordert er ein bestimmteres Auftreten. Eine Schlüsselrolle dabei kommt Trainer Jupp Heynckes zu.

Dass man in einem sportlich unbedeutenden Spiel ein zukunftstaugliches Strategiekonzept ausfindig machen kann, passiert ja nicht so häufig. Allein deshalb war der Sieg der Bayern gegen die Eintracht am Wochenende beachtenswert.

Nicht deshalb, weil sich der Bayertrainer der Zukunft, Nico Kovac, seit Bekanntgabe seines Wechsels nach München mit seiner Alt-Mannschaft vom Main ein uns andere Mal blamiert und man sich fragen kann, was die Münchner mit so einer Art Fußball je gewinnen wollen?

In der Liga reicht Regionalliga-Auswahl

Auf diese zentrale Bayern-Frage aber liefert das Eintracht-Spiel schon jetzt erste Antworten: Wie umgehen mit der alltäglichen Unterforderung in der Liga und was heißt das für die finale Überforderung in der Champions League? Die Antwort lautet: Dorsch, Evina, Mai, Shabani.

Oder um es weniger kryptisch zu formulieren: In der Liga reicht den Bayern für ein 4:1 eine bessere Regionalliga-Auswahl, für die großen Erfolge in der Champions League braucht man dann das eigentlichen Team. Ein stärker getrenntes zwei Kader-Prinzip könnte die Lösung für Bayerns gespreizte Aufgabenstellung sein.

Niklas Dorsch (l.) und Franck Evina

Niklas Dorsch (l.) und Franck EvinaGetty Images

Zugleich unter- und überfordert

Und damit sind wir schon bei morgen, in Madrid. Es ist doch auffällig, wie gleichzeitig unter- und überfordert diese Bayern seit Jahren sind.

Die sechste Meisterschaft in Folge, aktuell sind es 24 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Schalke. Reporterikone Marcel Reif, ein mathematisches Naturtalent, hat vorgerechnet, dass die Bayern acht Spieltage (knapp ein Viertel der ganzen Spielzeit) aussetzen könnten und sie wären wohl immer noch Erster.

Und zur gleichen Zeit in Europa ein völlig anderes Bild: Mit Beginn der großen Spiele, spätestens mit dem Viertelfinale, wenn die Gegner Barcelona, Atletico oder Real Madrid heißen, ist die ganze siegesgewisse Bayern-Aura wie weggeblasen.

Flüchtigkeit statt Arroganz

Von Samstag auf Mittwoch zerlegt sich ein ganzes Selbstverständnis in seine Einzelteile, aus der nationalen Mia-San-Mia-Arroganz wird eine irritierende Flüchtigkeit, eine Angst vor der eigenen Courage, weil die Gegenspieler nicht mehr Wolf heißen, Fabian oder Jovic, sondern Ramos, Benzema oder Ronaldo.

Die Frage, warum das so ist, ist die Frage, an der letztlich Pep Guardiola gescheitert ist und sie wird die Bayern noch länger beschäftigen. Ein ausreichend für Europa bestückter und befähigter Kader muss im Angesicht großer Namen keine Selbstzweifel bekommen.

Sind die Bayern also nicht manisch-depressiv (manisch in der Liga, depressiv in der CL), bitte Nachfragen bei Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt, handelt es sich offenbar um ein Personalproblem.

Arjen Robben (m.) verletzte sich im Hinspiel gegen Real

Arjen Robben (m.) verletzte sich im Hinspiel gegen RealSID

"Jupp-Klasse auf die Straße bringen"

Morgen also in Madrid hat Jupp Heynckes die nächste Gelegenheit, die vom "LIGAstheniker" schon zum Hinspiel prophezeite Jupp-Klasse "auf die Straße zu bringen".

Er ist nicht verantwortlich für diesen in Unwucht geratenen Kader, der wahlweise zu alt (Robben, Ribery) zu oft verletzt (Robben, Boateng, Vidal, Alaba) oder im Stimmungstief (Lewandowski) ist. Ob er in seiner Gesamtheit für den Champions League-Titel taugt, muss zumindest bezweifelt werden, sonst wären die Ergebnisse in den letzten Jahren andere gewesen.

Vielleicht liegt die Lösung tatsächlich in zwei Bayern-Mannschaften: eine für den Alltag gegen Mainz, Glasgow und Frankfurt. Und eine für die großen Spiele, auf Schalke, beim BVB, gegen Real. Die mentale Robustheit, die für solche Augenhöhespiele nötig ist, können die Bayern in dieser Bundesliga nicht erfahren, geschweige denn einüben.

Nicht ein torloser Lewandowski ist schuld, wenn das morgen schief geht, sondern die Disposition einer ganzen Mannschaft, die ins Grübeln gerät, wenn Ramos mit Grimasse in die Backen bläst. Wenn einer in der Lage ist, zumindest punktuell für dieses eine Spiel, an der Mentalitätsschraube zu drehen, dann dieser unbeeindruckbare Jupp Heynckes.

Nur die Schweinehund-Bayern hauen die Königlichen weg.

Video - Wagner statt Lewandowski gegen Real? Heynckes reagiert gereizt

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Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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