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FC Bayern: Jérôme Boateng ist Bayerns X-Faktor fürs Triple

Boateng wieder Weltklasse: Bayerns X-Faktor fürs Triple

13/03/2018 um 11:20Aktualisiert 14/03/2018 um 00:25

Jérôme Boateng nähert sich beim FC Bayern München wieder dem Zustand "Weltklasse". Nach verletzungsgeplagten Jahren, die ihn an sich und seinem Körper zweifeln ließen, ist der Innenverteidiger in der Rückrunde zum etablierten Pfeiler neben Mats Hummels geworden - und damit zu einer Art X-Faktor für Bayerns Attacke auf alle drei Titel.

Jérôme Boateng wählte den guten alten Telefon-Trick, was insofern günstig war, weil Telefon-Tricks bei Fußballprofis als unumstößliches Argument gelten. Man hat sich ja so viel zu erzählen nach Spielen gegen den HSV, wer weiß schon, wie oft Boateng solche Spiele in seiner Karriere noch erlebt.

Am Samstag war der Innenverteidiger des FC Bayern einer der Ersten, die sich in den Feierabend verabschiedeten, mit Tunnelblick, festem Schritt und dem Smartphone Botschaft: bitte nicht stören.

250 Bundesligaspiele hat Boateng jetzt für Bayern bestritten, 2013 war er Teil des Triple-Teams, fünf Jahre später ist eine Wiederholung möglich. Meister sind die Münchner faktisch, im DFB-Pokal haben sie das Halbfinale erreicht, in der Champions League ist die Runde der letzten Acht nach einem 5:0-Hinspielerfolg über Besiktas so gut wie gebucht.

Boateng nähert sich wieder der Weltklasse

"Wenn wir als Mannschaft auftreten, wird es sehr schwierig, uns zu schlagen. Die Geschlossenheit ist unsere Stärke. Wir haben Weltklassespieler, aber nicht den einen Superstar, von dem alles abhängt."

Der 29-jährige Deutsche hat sich wieder einem Zustand angenähert, der ihn einreiht in die Gattung jener Weltklasse - und damit zu einem X-Faktor für Bayerns Attacke aufs Triple erkort.

Jérôme Boateng vom FC Bayern

Jérôme Boateng vom FC Bayern Getty Images

Am Wochenende glänzte Boateng mit 103 Ballaktionen, 91 Pässen (90 Prozent kamen an) und exakt null verlorenen Zweikämpfen. Ja, es ging nur gegen Hamburg, das fast den Eindruck erweckte, Angst vor sich selbst zu haben. Aber trotzdem.

Es sind oft die kleinen Aktionen. Als der HSV mal hätte kontern können, war Boateng gedanklich wacher als jeder Gäste-Stürmer, legte einen gediegenen Antritt hin und lief die Kugel ab. Antizipationsfähigkeit nennen sie das in der Fußballersprache, davon besitzt Boateng reichlich; die Crux war halt, dass er zuletzt selten umsetzen konnte, was ihm sein Talent ermöglichen würde.

Boateng sorgte sich: "Was soll ich bloß machen?"

"Die vergangenen zwei Jahre", sagt er heute, "waren alles andere als einfach, ich war mehrfach schwerer verletzt und konnte wochenlang nicht trainieren und spielen". Mit einer Schulter-Operation im November 2016 begann die Malaise, rückblickend gesteht Boateng:

"Mein Körper war nicht mehr so, wie ich ihn kannte. Ich habe Fehler gemacht und zu früh angefangen."
Jérôme Boateng vom FC Bayern

Jérôme Boateng vom FC BayernGetty Images

Er wollte schnell zurück ins Geschehen, dieser natürliche Ehrgeiz half weder Bayern noch ihm persönlich. Das Gegenteil war der Fall. Beim Comeback im Mai 2017 riss ein Muskel im Oberschenkel, "und ich habe mir die Frage gestellt, was ich bloß noch machen soll".

Sein Glaube an Gott spendete Kraft, ebenso die Familie. Seit Dezember 2017 hat er sich in Bayerns Abwehr festgesetzt, zwölf Spiele über 90 Minuten, zweimal krank, zweimal geschont, in jedem Fall: ein Pfeiler.

Was die Töchter von Papa Boateng fordern

Präsentierte sich Mats Hummels in der Vorrunde noch deutlich stabiler, hat sich Boateng dem Niveau seines Nebenmanns angeglichen; inzwischen ist das Duo mehr oder minder gleichwertig unterwegs.

Dazu zählt neben der Verteidigungsarbeit die Spieleröffnung, per se eine Domäne Boatengs, der Diagonalbälle über 50 Meter zentimetergenau abschicken kann, wenn alles stimmt. Im Herbst stimmte wenig, damals segelten seine Pässe reihenweise ins Nirvana.

Jérôme Boateng vom FC Bayern

Jérôme Boateng vom FC Bayern Getty Images

Gegen den HSV bewies Boateng auch in diesem Bereich seine Steigerung. Aus dem Stand bediente er den startenden David Alaba, dieser ließ tropfen, Robert Lewandowski versenkte. Ein Tor aus der Schablone.

Boateng ist frischer, fitter, athletischer. "Ich habe viele gute Jahre vor mir und wieder volles Vertrauen in meinen Körper", sagt er. So bietet sich Gelegenheit, eine dringende Forderung zu erfüllen, wie er "DW" verrät:

"Meine Töchter sagen, ich soll mehr Tore schießen."

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