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FC Bayern probt gegen Besiktas den Ernstfall: Alle Augen auf den Henkelpott

Alle Augen auf den Henkelpott: Bayern probt den Ernstfall

15/03/2018 um 00:17Aktualisiert 15/03/2018 um 10:40

Jupp Heynckes überrascht beim 3:1-Erfolg des FC Bayern im nur bedingt spannenden Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Besiktas mit der ersten Garde. Neben einigen Gelben Karten kostet dieses Risiko den Münchnern auch Thiago. Doch was auf den ersten Blick wie ein unnötiges Wagnis erscheint, könnte genau die richtige Marschroute im Kampf um den Henkelpott sein.

Keine 15 Sekunden rollte der Ball im Vodafone Park von Istanbul, da ruderte Thomas Müller bereits wild mit den Armen und regte sich lautstark über seinen Lupfer-Pass auf, der Robert Lewandowski relativ deutlich verfehlt hatte.

Zu hören war der Kapitän des FC Bayern gewiss nicht, schließlich war er in diesem Moment nur eine von knapp 42.000 Stimmen, die die Arena im Herzen der türkischen Metropole vom Anstoß an zum Beben brachten. Die Szene stand jedoch sinnbildlich für den Stellenwert, den diese Partie für die Münchner hatte.

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Viele hatten mit einer B-Elf gerechnet. Nach dem 5:0-Erfolg im Hinspiel gegen Besiktas wäre das auch wenig überraschend gewesen. Doch Jupp Heynckes hegte andere Pläne.

FC Bayern hält die Spannung hoch

Der deutsche Rekordmeister agierte von Beginn an konzentriert, setzte die angriffslustigen Türken früh unter Druck und konterte seinerseits immer wieder gefährlich. Das energische Pressing belohnte Thiago bereits in der 18. Minute nach Flanke von Müller. Von Urlaubsfeeling am Bosporus keine Spur.

Das 2:0 direkt nach der Pause ließ die Lautstärke im sonst unermüdlich lärmenden Vodafone Park gar zeitweise von forte auf mezzoforte absinken.

"Wir wussten, dass hier eine gute Stimmung herrscht. Wir haben versucht, von Beginn an konzentriert zu spielen. Wir hatten ein paar unnötige Ballverluste, aber unter dem Strich haben wir das gut gelöst“, resümierte Jérôme Boateng bei "Sky".

Auch sein Pendant Mats Hummels lobte im "ZDF":

"Es ist ganz wichtig, dass die Mentalität stimmt und in jedem Spiel da ist."

FC Bayern: "...dann ist das auch menschlich"

"Wenn man dann irgendwann 7:0 führt - dass man hier und da nicht immer so konzentriert spielt, ist auch menschlich."

David Alabas Fauxpas in der 59. Minute, der zum Gegentreffer durch Vágner Love führte, ist in der Auflistung dieser Unkonzentriertheiten wohl eher zu verkraften, als die mittlerweile fünf vorbelasteten Spieler, mit denen Bayern ins Viertelfinale geht.

Neben den ohnehin schon doppelt verwarnten Lewandowski, Joshua Kimmich, Corentin Tolisso und Sebastian Rudy handelte sich auch Boateng seine zweite Gelbe Karte ein. Hinzu kam Hummels' erste.

Jupp Heynckes schafft den Spagat

Denn was könnte schlimmer sein, als den Rhythmus zu verlieren, wenn für die europäischen Top-Teams wie Barcelona und Manchester City die Saison erst so richtig losgeht? Momentan schafft es Heynckes, sein komplettes Star-Ensemble bei der Stange zu halten.

Der Erfolgscoach hat eine Art "gemäßigte Rotation" eingeführt, die etwa einem Rafinha und einem Sandro Wagner, der sich übrigens - passend zu seinem Charakter - mit der Brust für das dritte Bayern-Tor in Istanbul verantwortlich zeichnete (84.), Chancen eröffnet, als auch einen Vidal und einen Müller immer wieder zu Höchstleistungen anstachelt. Konkurrenzkampf trifft Kontinuität. Was kann sich ein Trainer mehr wünschen?

Sandro Wagner (FC Bayern)

Sandro Wagner (FC Bayern)Eurosport

Gerade die kritische Reaktion Müllers zeigt, dass sich das Team mit nichts anderem als Top-Leistungen zufrieden gibt:

"Besiktas hat offensiv viel versucht, aber auch Räume gelassen. In der zweiten Halbzeit war es dann ein wildes Spiel. Ich kann mich selten an ein Spiel erinnern, wo wir so viele leichte und einfache Ballverluste hatten. Die zweite Halbzeit hat sich jetzt nicht wirklich super angefühlt."

Drohende Gelbsperren hin oder her. Aktuell dürfte jeder Viertelfinalist drei Kreuze machen, wenn der Lostopf am Freitag nicht unbedingt den FC Bayern als kommenden Gegner ausspuckt.

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