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Champions League | 3 Dinge, die auffielen: Das BVB-Problem ist offensichtlich

3 Dinge, die auffielen: Dortmunds Problem ist offensichtlich

14/02/2019 um 01:26Aktualisiert 14/02/2019 um 08:20

Borussia Dortmund hat den eigenen Negativtrend der vergangenen Wochen im Achtelfinal-Hinspiel bei Tottenham Hotspur konsequent fortgesetzt. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre verlor verdient mit 0:3 (0:0) und braucht im Rückspiel nun ein ausgewachsenes Fußballwunder, um noch ins Viertelfinale der Champions League einzuziehen. Was uns auffiel.

1. Flanke, Flanke, Flanke - Tor, Tor, Tor

Fußball ist ab und zu ein kompliziertes Spiel, das nur von Fachleuten durchschaut und erklärt werden kann. Wenn zum Beispiel der abkippende Sechser nicht richtig verschiebt und damit Halbräume zwischen den Ketten offenlässt, bleibt das dem 0815-Fan oft verborgen.

Bei Spielen mit Beteiligung von Borussia Dortmund ist das dieser Tage nicht so. Das Problem des BVB ist dermaßen offensichtlich, dass es nun wirklich jeder erkennt: Fliegt eine Flanke in den Dortmunder Strafraum, erzielt der Gegner meistens umgehend ein Tor.

Borussia Dortmund hadert nach der Niederlage gegen Tottenham

Borussia Dortmund hadert nach der Niederlage gegen TottenhamGetty Images

"Schon mehrere Wochen hintereinander bekommen wir jetzt die Gegentore durch Standards und Flanken. Wir haben einfach zu schwach verteidigt", schlägt Torwart Roman Bürki deswegen Alarm. Und weiter:

"Wir setzen uns zu wenig durch. Es kann nicht sein, dass wir in den letzten Wochen so viele Standard-Gegentore bekommen. Das müssen wir rigoros verteidigen. Es fängt schon im Training an. Das müssen wir auf jeden Fall in den nächsten Tagen verbessern."

Sieben Tore in Serie hat der BVB nun nach Flanken oder Standardsituationen kassiert. Ein echtes Problem für Trainer Lucien Favre, denn es ist Teil seiner Spielphilosophie, den Gegner zu eben genau diesen Flanken zu zwingen. Der 61-Jährige vertraut auf die Statistik, wonach Tore im Anschluss an hohe Hereingaben eher unwahrscheinlich sind. Allerdings nur, wenn man adäquat verteidigt.

Die Borussia ist defensiv aus dem Trott geraten. Ganz sicher auch, weil Abwehrboss Manuel Akanji seit Wochen verletzt fehlt. Favre war - weil auch der in London erstmals wieder eingesetzte Dan-Axel Zagadou fehlte - zu ständigem Verändern seiner Viererkette gezwungen. Insgesamt 15 unterschiedliche Versionen in nun 32 Spielen schickte der Schweizer aufs Feld.

Dies trug zu Instabilität und fehlenden Automatismen bei. Akanji ist kürzlich wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Schon in Kürze dürfte er zurück auf dem Platz stehen. Dann soll defensiv wieder mehr Ruhe einkehren.

2. Ist noch genügend Sprit im Tank?

Es war ein immer wiederkehrendes Phänomen der ersten Saisonhälfte: In den zweiten 45 Minuten drehte der BVB auf und entschied so manches Spiel für sich. Das lag an Favres fast beängstigendem Auge für den richtigen Einwechselspieler, aber auch an überlegener Fitness. So wurde die Borussia Herbstmeister, Favre zum Liebling der Fans und Paco Alcácer zum besten Joker der Bundesliga-Geschichte.

Mittlerweile ist vieles anders. Der BVB bekommt seine Spiele einfach nicht mehr zu Ende gespielt. In Frankfurt (1:0), gegen Bremen (2:1, 3:2) und Hoffenheim (3:0) wurden Führungen nicht über die Zeit gebracht. Tottenham erzielte drei Tore in Halbzeit zwei - nie kassierte Dortmund in den zweiten 45 Minuten einer Champions-League-Partie mehr. Der BVB hat nichts mehr entgegenzusetzen.

"Wir haben in der ersten Halbzeit gut gespielt, aber das Tor eine Minute nach der Pause war ein Geschenk", ärgerte sich Favre. "Nachher haben wir überhastet gespielt, und es war sehr schwer, Torchancen zu kreieren."

Wembley Stadium, London England; UEFA Champions League football, Tottenham Hotspur versus Borussia Dortmund; Jan Vertonghen of Tottenham Hotspur celebrates after scoring his sides 2nd goal in the 83rd minute to make it 2-0

Wembley Stadium, London England; UEFA Champions League football, Tottenham Hotspur versus Borussia Dortmund; Jan Vertonghen of Tottenham Hotspur celebrates after scoring his sides 2nd goal in the 83rd minute to make it 2-0Getty Images

Auch Tottenham-Matchwinner Jan Vertonghen redete nicht um den heißen Brei herum:

"Dortmund war in der ersten Hälfte besser als wir, aber dann haben sie nachgelassen. Auf mich wirkte es, als seien sie zufrieden mit dem 0:1. Deshalb haben wir sie weiter attackiert."

Besonders deutlich wurde das Kraft-Problem bei Achraf Hakimi, der überspielt und gestresst wirkte. Über lange Zeit in dieser Saison sowohl defensiv als auch offensiv überzeugend, agierte der Marokkaner gegen die "Spurs" erneut unglücklich. Vor dem ersten Gegentor leistete er sich einen überflüssigen Ballverlust, beim zweiten ließ er den Torschützen Vertonghen aus den Augen.

"In der zweiten Halbzeit haben wir das Fußballspielen komplett eingestellt“, sagte Sebastian Kehl und meinte sicher nicht nur Hakimi.

Auf den zuletzt starken Raphael Guerreiro hatte Favre bereits in der Startelf verzichtet. Der Portugiese brauche eine Pause, meinte der Trainer. Wohl nicht der einzige Akteur, auf den das zutrifft. Das nächste Spiel steht am kommenden Montag in Nürnberg auf dem Programm (ab 20:30 Uhr live im Eurosport Player).

3. Eine Woche, die Spuren hinterlässt

Bis kurz vor Weihnachten war eigentlich alles in Butter. Dann, durch die völlig verdiente erste Bundesliga-Niederlage bei (damals noch) Kellerkind Fortuna Düsseldorf bekam der schwarz-gelbe Lack erste Kratzer.

Claudio Pizarro jubelt (Borussia Dortmund vs. Werder Bremen)

Claudio Pizarro jubelt (Borussia Dortmund vs. Werder Bremen)Getty Images

Mittlerweile sind daraus regelrechte Furchen geworden. Besonders in den vergangenen sieben Tagen hat der BVB eine Menge Federn gelassen. In allen drei Wettbewerben gab es Rückschläge: Aus im Pokal, zwei verlorene Punkte in der Liga und eine 0:3-Hypothek in der Champions League. Geht besser.

In den Köpfen der Borussen werden diese drei Spiele ganz sicher Spuren hinterlassen. Die Frage ist nur, welche. Es besteht die Möglichkeit, dass Selbstsicherheit und daraus resultierende Leichtigkeit - besonders in weiten Teilen der Hinrunde zu beobachten - verloren geht.

Das Trainerteam um Favre wird aber versuchen, die Fehler nüchtern zu analysieren und dem eigenen Team Lösungsansätze aufzuzeigen. Gelingt dies, könnte der BVB aus dieser ersten Saison-Delle gestärkt hervorgehen. Denn bei aller Schwarzmalerei: Noch beträgt der Vorsprung in der Bundesliga fünf Punkte auf den FC Bayern.

Es ist der Wettbewerb, auf den sich Dortmund in Kürze wohl wird konzentrieren können...

Video - Dortmund vs. Gladbach: Welche Borussia krallt sich Lukebakio?

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