Getty Images

Nicht mehr gut genug: Bayern verabschiedet sich kleinlaut aus Europas Elite

Nicht mehr gut genug: Bayern verabschiedet sich kleinlaut aus Europas Elite

14/03/2019 um 13:00Aktualisiert 15/03/2019 um 10:04

Das Ende einer Ära war das Aus des FC Bayern München in der Champions League gegen den FC Liverpool nicht – die ist längst passé. Das 1:3 gegen das Team von Trainer Jürgen Klopp führte den Bayern allerdings schmerzvoll vor Augen, dass sie nicht mehr zu den besten Klubs Europas zählen. Nicht nur in Sachen Kaderplanung stehen die Bayern nun vor einem richtungsweisenden Sommer.

Vom FC Bayern berichtet Florian Bogner

Die Reaktion der Südkurve war bemerkenswert. Der FC Bayern München war gerade so früh wie seit 2011 nicht mehr in der Champions League gescheitert, und dennoch suchten die treusten Bayern-Fans den Schulterschluss mit der Mannschaft.

Zu den Klängen des Queen-Klassikers “The Show Must Go On” beklatschten die Fans ihre Spieler und schickten ein mehrkehlig-trotziges “Deutscher Meister wird nur der FCB” hinterher, während auf der Gegenseite Jürgen Klopp den paar tausend Anhängern des FC Liverpool richtig einheizte. Der Rest der Arena hatte sich ohnehin schon zur 85. Minute aus dem Staub gemacht.

Als Queen verklungen war, ging’s für die Spieler zur “Bitter Sweet Symphony” (“The Verve”) in die Kabine – was ganz gut zur Stimmungslage der Münchner passte.

Bayern-Führung geschockt

“Ich sage heute nur einen Satz: Liverpool hat einfach besser gespielt und verdient gewonnen. Schönen Abend”, gab Präsident Uli Hoeneß in zweieinhalb Sätzen von sich. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sprach gar nicht, Sportdirektor Hasan Salihamidzic nur kurz (“konnten in keinem Moment Druck aufbauen”).

“Wir haben es nicht geschafft, unsere Chancen ruhig auszuspielen. Deswegen haben wir verdient verloren”, meinte Trainer Niko Kovac kleinlaut:

"Wir haben unsere Grenzen aufgezeigt bekommen."

Video - Kovac nach Champions-League-Aus: "Haben nicht verdient, zu gewinnen"

05:21

FC Bayern sagt der Beletage adieu

Über all dem lag die bittersüße Erkenntnis, dass der FC Bayern nicht mehr gut genug für Europas Top-Teams ist. Adieu, Beletage.

Nachdem der deutsche Rekordmeister in den letzten sieben Jahren sechsmal das Halbfinale erreicht hatte, verwechselte so mancher das Aus gegen Liverpool mit dem Ende einer Ära.

Genau genommen endete Bayerns Ära aber bereits vor zwei Jahren, als man beim letzten Champions-League-Auftritt der Herren Philipp Lahm und Xabi Alonso heroisch (und vom Schiedsrichter benachteiligt) mit 2:4 n.V. im Viertelfinale an Real Madrid scheiterte.

2017/18 versuchten die Bayern irgendwie, den Geist der 2013er Siegermannschaft mit dem heimgekehrten Jupp Heynckes wieder zu erwecken – und scheiterten nach reichlich Losglück in den Runden zuvor im Halbfinale wieder an Real Madrid (1:2, 2:2).

Zu brüchig und bruchstückhaft

2018/19 stand dafür bereits von vornherein als Übergangssaison in den Büchern. Das Achtelfinal-Aus war nicht gewollt, aber kalkuliert.

Zu unausgewogen der Kader, zu brüchig und bruchstückhaft das Spiel unter dem neuen Trainer Niko Kovac, der von Klopp klar ausgecoacht wurde.

“Jürgen Klopp hat es geschafft, unsere Stärken aus dem Spiel zu nehmen”, sagte Mats Hummels.

Minusrekord vor heimischer Kulisse

“Es gibt keine Entschuldigung”, sagte auch Kovac ehrlich. Seine Rechtfertigung für den Schmalspurfußball: “Man muss eine Balance finden. Wenn man zu früh aufmacht, dann kann es ziemlich in die Hose gehen. Deswegen durften wir nicht von Beginn an mit offenem Visier angreifen.”

Doch als es galt, die Offensive anzukurbeln, fand sein Team die Kurbel nicht.

Von der Bank konnte der Bayern-Trainer aber auch keine großen Impulse mehr bringen. Mit der Einwechslung des angeschlagenen Kingsley Coman für Franck Ribéry (61.) hatte Kovac seine einzige Patrone früh verschossen. Später zog er dann noch Leon Goretzka und Renato Sanches den Youngstern Woo-yeong Jeong und Alphonse Davies vor.

Da wusste bereits jeder in der Arena: Nicht nur in Sachen Kaderstruktur stehen die Bayern vor einem richtungweisenden Sommer. Denn: “The Show Must Go On”.

0
0