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FC Bayern München pflegt das Außenseiter-Image

Neue Töne aus München: Bayern pflegt das Außenseiter-Image

08/11/2018 um 09:25Aktualisiert 08/11/2018 um 13:28

Der FC Bayern München überzeugt auch im zweiten Champions-League-Spiel gegen AEK Athen (2:0) nicht sonderlich, Präsident Uli Hoeneß wähnt den Rekordmeister nach derzeitigem Leistungsstand für das Bundesliga-Spiel bei Borussia Dortmund deshalb auch nur als Außenseiter. Ein Image, an das sich die Bayern erst noch gewöhnen müssen – ebenso wie an spielerische Hausmannskost.

Das Problem des FC Bayern München ist derzeit auch ein bisschen, dass die wirklich unterhaltsamen Dinge eher abseits des Fußballplatzes passieren.

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So formulierte der 66-Jährige im Bauch der Allianz Arena vor locker 30 Journalisten neben einer Entschuldigung an Juan Bernat auch die bemerkenswerten Sätze, dass Bayern nur als Außenseiter in das nicht ganz unwichtige Top-Spiel am Wochenende in Dortmund gehe und eine Saison ohne Meistertitel für die Bayern kein Beinbruch sei. Und dass er im übrigen ganz gut leben könne mit der zweiten Halbzeit gegen Athen:

"Da haben wir guten Fußball gespielt. Ich bin ein sehr kritischer Mensch, aber mit den zweiten 45 Minuten war ich heute zufrieden."

Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass die erste Halbzeit erneut nicht so prickelnd war. Und ein 2:0 gegen einen erneut schwachen Gegner auch kein Befreiungsschlag, kein Brustlöser vor dem Kräftemessen mit dem BV Borussia aus Dortmund.

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Mehr "Friss oder Stirb" als "Wünsch Dir was"

"Es war kein Feuerwerk, aber das war auch nicht zu erwarten", sagte Trainer Niko Kovac, der sich am Dienstag noch einen überzeugenden Sieg gewünscht hatte. Aber Bayern-Spiele haben zurzeit wenig von "Wünsch Dir was" und eher was von "Friss oder Stirb".

Da war zum Beispiel die Tatsache, dass die Bayern zwar zur Halbzeit durch einen nach einem Eckball von Robert Lewandowski herausgeholten und verwandelten Elfmeter (31.) führte, aber kein Spieler außer Javi Martínez bis dahin eine positive Zweikampfbilanz zustande gebracht hatte.

Erneut kaum Kreativität

Die Konsequenz: jeder Bayer werkelte so vor sich hin, eine Spielidee war aber erneut nicht zu erkennen. Abwehrmann Jérôme Boateng spielte 24 lange Bälle, für die sich dummerweise kein Abnehmer der Güte Cristiano Ronaldo fand.

Dafür zählten die Statistiker bei allen Bayern zusammen nur zwei die Abwehr aufbrechende Schnittstellenpässe - und bei den vier offensiven Mittelfeldspielern gemeinsam (!) nur 13 Pässe ins Angriffsdrittel sowie lediglich 16 in den Strafraum.

Robert Lewandowski im Spiel FC Bayern gegen Athen

Robert Lewandowski im Spiel FC Bayern gegen AthenGetty Images

Im Endeffekt war Bayern so nur durch Halbfeldflanken des Sportskameraden Kimmich gefährlich. Und durch dessen Ecken. "Wir tun uns spielerisch weiterhin schwer", sagte Mats Hummels. "Es ist immer noch nicht so, wie wir das haben wollen", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Ribéry ist nicht mehr die erste Option

Denn die alten Automatismen greifen nicht mehr. Franck Ribéry, jahrelang oft Ausgangspunkt der bayrischen Angriffsschemen sowie Mastermind abschließender Offensivaktionen, kam nur auf 49 Ballkontakte - lediglich Mittelstürmer Robert Lewandowski und Torhüter Manuel Neuer hatten aus Bayerns Startelf weniger.

So war Bayerns rechte Seite mit Kimmich, Müller und Gnabry die deutlich aktivere, das Trio leiste sich aber auch 45 Ballverluste. Dass Bayern zudem im Heimspiel gegen den schwächsten Gruppengegner über 150 Pässe weniger spielte als bei Saisonbestleistung (und über 200 als der CL-Topwert), offenbarte ebenfalls eine gewisse Schwerfälligkeit.

Athen taugt nicht fürs Sparring

Zufriedenstellend war so letztlich erneut nur das Ergebnis, dass zum einen dadurch begünstigt wurde, dass die eine große Chance der Gäste, ein aussichtsreicher Kopfball von Abwehrmann Vasilis Lampropoulos, diesmal hauchzart am Tor vorbei strich (5.), und zum anderen dadurch, dass Manuel Neuer in der zweiten Halbzeit tatsächlich mal einen Ball parieren konnte.

"Wir wissen, dass wir momentan nicht die Super-Bayern sind", sagte eben jener Neuer hinterher, sah aber zumindest "einen Schritt in die richtige Richtung". Zumindest gewonnen und dem Achtelfinale näher gekommen.

Als Sparringspartner für Dortmund taugte das schwarzgelbe Athen hingegen höchstens optisch. "Das Spiel hat keine Bewandtnis für Samstag, weil sich der BVB nicht so tief aufstellen und nur verteidigen wird", sagte Hummels.

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Bayern-Star trainieren besser

Auffällig bemüht waren die Bayern dann noch, den (neu entdeckten?) Teamgeist hervorzuheben. "Wir hatten einen guten Spirit auf dem Platz, haben viele Konter im Keim erstickt. Das war die Basis für den Sieg", sagte Hummels.

Leon Goretzka hatte derweil zuvor schon "in den letzten zwei Tagen eine sehr positive Stimmung und auch einen anderen Zug im Training" wahrgenommen. Und er sagte es wirklich genau so:

"Die Qualität im Training war besser, alle waren engagierter."

Was Bayern-Fans dann doch ein wenig Hoffnung für Samstag machen dürfte. "Nach einem Sieg ist man immer selbstbewusster als vorher", versuchte sich Salihamidzic dann noch als Brazzo-Konfuzius, ergänzte, dass er das Glas ohnehin lieber halbvoll als halbleer sehe mit der Quintessenz:

"Wir können es besser, aber das können wir ja dann am Samstag zeigen."

Wenn sie nur Außenseiter sind.

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