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341 Millionen für einen lumpigen Scudetto: Juventus trotz Ronaldo raus

341 Millionen für einen lumpigen Scudetto: Juventus trotz Ronaldo raus

17/04/2019 um 13:52

Raus ohne Applaus, dafür aber mit vielen verpulverten Millionen Euro: Juventus Turin muss in der Champions League die Segel vorzeitig streichen - mal wieder. Gegen ein stürmisches Ajax Amsterdam half nicht einmal das Königsklassen-Sieger-Gen eines Cristiano Ronaldo. Rund 341 Millionen Euro hat Juve im vergangenen Sommer investiert. Trainer Massimiliano Allegri soll trotzdem bleiben.

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es nun her, da schien die Sensation für Juventus zum Greifen nahe. 3:0 führte die "Alte Dame" im Santiago Bernabéu bei Real Madrid im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League, das bittere 0:3 aus dem Hinspiel war egalisiert.

Doch in der 97. Spielminute trat Cristiano Ronaldo zu einem umstrittenen Elfmeter an und versenkte die Kugel in den Maschen. 1:3 und damit das Aus für die Turiner.

Rund ein Jahr später standen die Italiener nun wieder im Viertelfinale, dieses Mal gegen Ajax Amsterdam, dieses Mal mit Ronaldo in den eigenen Reihen. Ihn hatte Juve als X-Faktor ausgemacht, um den Henkelpott nach 23 Jahren endlich wieder nach Turin zu holen.

Selbst mit Ronaldos eingebauter Torgarantie reichte es jedoch nicht aus, um die Überflieger aus Amsterdam zu stoppen. Wieder raus, wieder wird es am Ende nur der Scudetto und es stellt sich die Frage: Was nun?

Juventus und die bittere Ronaldo-Erkenntnis

"Geld hilft natürlich. Ab einer gewissen Summe kannst du Erfolg nicht mehr verhindern", hatte jüngst BVB-Boss Hans-Joachim Watzke betont. Ähnliches dachte sich wohl Juventus im Sommer 2018. Über 260 Millionen Euro nahm der italienische Serienmeister in die Hand und verpflichtete mal eben zehn neue Spieler. 117 Millionen Euro gingen allein für Ronaldo flöten, mit den ganzen Gehältern hat der Klub geschätzte 341 Millionen Euro locker gemacht haben.

Die bittere Erkenntnis folgt nun acht Monate später: Ronaldo ist auch nur ein Spieler. Sicher, Atlético Madrid hatte dieser eine Spieler im Achtelfinale quasi im Alleingang abgeschossen und auch gegen Ajax traf der 34-Jährige sowohl im Hin- als auch im Rückspiel.

Gegen das niederländische Überraschungsteam von Erik ten Hag reichte das allerdings nicht aus. Dabei hatte man Ronaldo ausschließlich für diesen einen Titel geholt, Meister war Juventus in den Jahren zuvor auch ohne ihn geworden - problemlos.

Cristiano Ronaldo

Cristiano RonaldoGetty Images

Auch Ronaldo selbst hatte nach seinem Dreierpack gegen Atlético betont: "Dafür wurde ich geholt." Genutzt hat es alles nichts. Am Ende wird es wieder nur der Scudetto werden. Wer muss dafür nun die Verantwortung tragen? Der Trainer? Oder braucht es weitere Spieler?

Jobgarantie für Allegri

Massimiliano Allegri konnte man an diesem Dienstagabend eigentlich keinen konkreten Vorwurf machen. Seine Mannen hatten gut begonnen gegen Ajax, Paulo Dybala war von seinem Coach zum persönlichen Wadenbeißer von Frenkie de Jong verdonnert worden.

Nach 45 Minuten war jedoch aufgrund einer Verletzung Schluss für den argentinischen Nationalspieler und fortan konnte de Jong in Ruhe seine Kreise ziehen.

Dass Ajax am Ende den Sieg schlicht verdient hatte, sah auch Juventus-Präsident Andrea Agnelli so und verwies auf die große Qualität des Gegners, der immerhin zuvor schon den FC Bayern und Real Madrid vor große Probleme gestellt hatte.

So wollte er seinen Trainer Allegri nicht in Frage stellen: "Was bei uns auf der Bank passieren wird? Allegri wird bleiben, er hat noch ein Jahr Vertrag. Am Ende der Saison werden wir uns treffen, um wieder zu beginnen."

Massimiliano Allegri stringe la mano a Erik Ten Hag, Ajax-Juventus, Getty Images

Massimiliano Allegri stringe la mano a Erik Ten Hag, Ajax-Juventus, Getty ImagesGetty Images

Damit ist klar: Auch in Turin sieht man nicht im Trainer den Grund für das nächste Scheitern der Operation Henkelpott.

Folgt stattdessen die nächste Transferoffensive im Sommer?

Junge Unbekümmertheit schlägt Erfahrung

Was gegen Ajax ebenfalls auffiel: All die Erfahrung und die vielen Champions-League-Tore von Ronaldo (immerhin stolze 126 an der Zahl) halfen nichts gegen die Unbekümmertheit dieser jungen Ajax-Truppe. 28 Jahre betrug das Durchschnittsalter der Turiner Startelf, 24,6 Jahre das des 33-fachen niederländischen Meisters.

Nun ist es im Nachhinein natürlich leicht, zu kritisieren, dass die vielen Millionen für einen jetzt 34-Jährigen möglicherweise besser in eine jüngere Ausgabe investiert gewesen wären. Zudem hat Ronaldo das Team in den K.o.-Spielen mit seinen Toren mal wieder am Leben gehalten. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch.

Klar ist: Juve wird in der kommenden Saison den nächsten Angriff auf Europas Krone wagen, sehr wahrscheinlich mit weiteren Neuzugängen. Ronaldo ist 34, die beiden gesetzten Innenverteidiger Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini 31 und 34 Jahre alt. Auch wenn alle drei noch größtenteils Leistungen auf allerhöchstem Niveau zeigen, rückt ihr Karriere-Herbst immer näher.

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Kein Wunder also, dass umgehend nach der Pleite gegen die umworbenen Ajax-Talente die ersten Gerüchte aufkamen. Laut der "Gazzetta dello Sport" stehen unter anderem Ajax-Juwel Matthijs de Ligt, Cristian Romero (FC Genua), João Félix (Benfica) und Federico Chiesa (AC Florenz) auf Juves Wunschliste für den Sommer.

Sie alle haben eines gemein: Sie alle sind nicht älter als 21 und sie alle gehören zu den vielversprechendsten Talenten ihres Jahrgangs. Denn in Turin weiß man spätestens nach dem K.o. gegen Ajax: Erfahrung alleine reicht nicht. Es braucht auch junge Unbekümmertheit.

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