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Klopp besiegt die Dämonen - und steckt in einem Dilemma

Klopp besiegt die Dämonen - und steckt in einem Dilemma

15/03/2019 um 09:59Aktualisiert 15/03/2019 um 10:00

Der FC Liverpool nimmt mit dem 3:1 beim FC Bayern München den nächsten Meilenstein auf dem Weg zurück zur europäischen Top-Mannschaft, was Trainer Jürgen Klopp stolz macht. "Es freut mich total, dass wir zurück sind auf der Landkarte des Fußballs", sagt der Coach. Der 51-Jährige lobt dabei den Reifeprozess seines Teams und freut sich über den wiedererlangten Status, hat nun aber ein Luxusproblem.

Jürgen Klopp klatschte energisch in die Hände und zeigte seinem jungen Außenverteidiger die Faust.

Trent Alexander-Arnold hatte gerade ein Laufduell mit Franck Ribéry für sich und sich selbst direkt danach für die rustikalste aller Klärungsvarianten entschieden: er spielte den Ball simple ins Aus. Seinem Trainer reichte das für die maximal motivierende Geste an der Seitenlinie.

Jürgen Klopp (FC Liverpool)

Jürgen Klopp (FC Liverpool)Getty Images

Mit einem breiten Grinsen herzte er schließlich noch Ersatzspieler Adam Lallana, ehe er in den Katakomben verschwand. Seine Zähne blitzen dabei mindestens bis zur 30. Reihe der Allianz Arena.

Klopp stolz auf sein Team

Kurz darauf stand er dem britischen Rechteinhaber "BT Sport" Rede und Antwort. Und der Liverpool-Coach freute sich seines Lebens. "Brillant, fantastic, outstanding", sagte er von da an immer wieder über die Vorstellung seiner Mannschaft: "Es war ein großer, gewaltiger Schritt für uns."

Dass ihm dieser gegen den FC Bayern gelungen war, wollte Klopp nicht selbst thematisieren. Ein Blick in sein Gesicht reichte jedoch, um zu sehen, wie viel ihm dieser Erfolg gegen diesen Gegner bedeutete.

16 von 30 Duellen hatte er als Trainer bis dato gegen Bayern verloren (bei nur neun Siegen). In Endspielen hatten die Münchner dem BVB-Coach 2012/13 den Champions-League-Titel sowie 2013/14 den DFB-Pokal verwehrt.

Den Fokus wollte Klopp lieber auf sein aktuelles Team denn auf seine persönliche Bayern-Bilanz gelegt sehen. "Dieser Klub hat sich die Aufmerksamkeit verdient. Wir müssen noch viel verbessern, viel lernen, aber wir sind wieder da und das gefällt mir sehr", sagte er.

Reife Leistung in Halbzeit zwei

Dabei präsentierte sich Liverpool in München nicht mal in Topform. Im ersten Durchgang spielte die Klopp-Elf viel zu tief, hatte erschreckend wenig Ballbesitz (36,8 Prozent) gegen einen an sich sehr durchsichtig aufbauenden Gegner und strahlte bis auf das 1:0 durch Sadio Mané (26.) wenig Torgefahr aus.

Das änderte sich in der zweiten Halbzeit. Klopp hatte seinem Team in der Pause in Videosequenzen aufgezeigt, wie das Positionsspiel zu verbessern sei. Prompt hatten die "Reds" bis zur 69. Minute und dem vorentscheidenden 2:1 durch Virgil van Dijk knapp 60 Prozent Ballbesitz.

"Die zweite Halbzeit war ziemlich erwachsen von uns", resümierte Klopp:

"Es ist der erste Schritt, solche Spiele zu gewinnen. Deinen besten Fußball zu spielen, absolut frei - das ist nicht möglich gegen einen solchen Gegner, weil du deine Geschwindigkeit nicht richtig einsetzen kannst. Man muss andere Wege finden - und das haben wir. Das macht mich stolz und glücklich."

Meisterschaft, Champions League - oder wieder nichts?

Genugtuung zog der 51-Jährige vor allem aus der Tatsache, dass sein Team mit dem Sieg beim FC Bayern den nächsten Meilenstein auf dem Weg zurück in die europäische Elite nahm. Bewies, dass die Final-Teilnahme im Vorjahr nicht bloß Zufall war.

"Es freut mich total, dass wir zurück sind auf der Landkarte des Fußballs. Und dann so ein Ausrufezeichen zu setzen, das ist schon brutal gut", sagte Klopp, wenngleich er das auch ein bisschen beängstigend fand:

"Wir werden wie eine absolute Top-Mannschaft wahrgenommen, obwohl wir das selbst manchmal gar nicht so sehen."

Bleibt ein kleines Dilemma: Das, dass in Liverpool der mögliche Meistertitel nach 29 Jahren Durststrecke mehr zählen würde als ein Champions-League-Triumph. Und dass das Viertelfinale im Europacup in der zweiten und dritten Aprilwoche nun ein kniffliges Liga-Heimspiel gegen den FC Chelsea einrahmt. Eine entscheidende Woche kündigt sich an - egal, wie der Gegner heißt.

Und die Furcht bleibt: Am Ende mit leeren Händen dastehen, dass kennen sie zu genüge an der Merseyside - wenngleich die Hoffnung nach dem Coup von München nicht größer sein könnte, dass es in dieser Saison anders kommt...

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