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Zwischen Quadrupel und Desaster: Geht Pep die Champions-League-Flatter?

Zwischen Quadrupel und Desaster: Geht Pep die Champions-League-Flatter?

17/04/2019 um 19:23

Zwischen historischem Quadrupel und sportlichem Desaster. Manchester City steht sowohl in der Premier League als auch in der Champions League vor einer entscheidenden Woche. Der Druck auf Pep Guardiolas Team vor dem Viertelfinal-Rückspiel gegen Tottenham Hotspur ist riesig. Der Star-Coach, dem in großen Spielen schon das ein oder andere Mal die Nerven flatterten, droht erneut zu scheitern.

Nervöses Trommeln mit den Fingern auf dem Pressepult, unkontrolliertes Kratzen an der Glatze und am Bart. Der Stuhl schwenkte teilweise wild hinter dem Rücken von Pep Guardiola hin und her.

Auch einige Aussagen des Spaniers dürften bei den anwesenden Journalisten das ein oder andere Fragezeichen hinterlassen haben.

Pep Guardiola - der Meister des Understatements

So gratulierte Pep im Laufe der Pressekonferenz geradezu euphorisch dem Klub und seiner Belegschaft dazu, dass City auch in der kommenden Saison in der Champions League spielen wird (rein rechnerisch ist den "Sky Blues" die Könisklasse nicht mehr zu nehmen).

Dem Manchester City, das noch alle Möglichkeiten hat, das historische Quadrupel zu gewinnen. Dem Manchester City, das seit Guardiolas Amtsantritt 2016 über 600 Millionen Euro in neue Spieler investiert hat. Fast so, als wäre das große Saisonziel schon erreicht.

Pep Guardiola droht mit Manchester City erneut zu scheitern

Pep Guardiola droht mit Manchester City erneut zu scheiternGetty Images

Wenn die "Citizens" erneut frühzeitig ausscheiden? "Dann sind wir für ein oder zwei Tage traurig", spielte der 48-Jährige nach dem 3:1-Auswärtssieg bei Crystal Palace die Bedeutung der Partie gegen Tottenham herunter, "danach spielen wir um die Premier League und die Chance, Meister zu werden".

Dass das die Situation natürlich nicht wirklich widerspiegelt, ist Pep - dem Meister des notorischen Unterstatements - natürlich bewusst.

Der Druck auf City und besonders auf den Spanier ist enorm - vielleicht größer denn je. Bereits zum zweiten Mal von der internationalen Presse zum Favoriten auf den Königsklassen-Thron gekürt, wollen auch die Klubverantwortlichen in Jahr drei unter dem vermeintlich besten Trainer der Welt Ergebnisse sehen.

"Mein Chef hat mit mir gesprochen und mich darum gebeten, dreimal hintereinander die Champions League zu gewinnen. Das war sein Wunsch", verkündete Guardiola leicht sarkastisch. Ganz so weit von der Wahrheit dürfte die Aussage des Trainer aber nicht entfernt sein.

Guardiola droht Ziele zu verpassen

Liverpool (85 Punkte) liegt in der Tabelle zwei Punkte vor ManCity (83 Punkte). Auch wenn die "Sky Blues" bisher ein Spiel weniger absolviert haben als die "Reds" ist das alles andere als eine komfortable Ausgangslage.

Kein Wunder also, dass Guardiola vor den zwei Duellen gegen Tottenham in der Champions League und vier Tage später in der Liga nervöser als sonst wirkt. Die "Spurs" könnten ihm gleich in zwei Wettbewerben einen Strich durch die Rechnung machen und die potenzielle Quadrupel-Saison der Blauen zum Desaster werden lassen.

Video - Stones: "Träumen alle vom Quadruple"

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Selbst wenn Manchester neben dem League Cup auch den FA Cup (Finale gegen FC Watford) gewinnen sollte - gemessen werden Top-Teams in England an Champions League und Premier League.

Manchester City hat einen Lauf

Rein sportlich spricht aktuell alles für die Elf von Guardiola. City hat seine letzten zwölf Heimspiele gewonnen, neun davon ohne Gegentreffer. Zudem hat sich das Lazarett in Manchester gelichtet.

Während City nur auf Linksverteidiger Oleksandr Zinchenko verzichten muss, fehlt bei Tottenham mit Top-Torjäger Harry Kane ein absoluter Eckpfeiler des Teams. Hinter den Einsätzen von Dele Alli und Harry Winks stehen zudem dicke Fragezeichen.

Trotzdem mag in Manchester dem Frieden keiner so wirklich trauen.

Guardiola: Schmaler Grat zwischen Genie und Wahnsinn

"Guardiola hat die Eigenschaft, zu verkopft an große Spiele heranzugehen", meint auch Premier-League-Experte Ben Snowball von Eurosport in London: "Nach der 3:0-Demontage vergangenes Jahr gegen Liverpool wollte er es im Hinspiel gegen Tottenham etwas konservativer angehen.“

Zum Leidwesen von Kevin De Bruyne und Leroy Sané, die im Hinspiel 89 Minuten auf der Bank schmoren mussten - und des Ergebnisses. Guardiola beraubte sein Team der eigenen Stärken. Sicher stehen und verwalten, statt kombinieren und angreifen. Ganz und gar nicht City-like.

"Er ist die ganze Zeit so gestresst. Egal, wie viel mentaler Stress wir als Spieler haben, ich glaube, bei ihm ist es doppelt so viel", versuchte De Bruyne in einem Interview mit "The Players' Tribune" die Gedankengänge seines Trainers zu erklären:

"Er ist nicht nur am Sieg interessiert. Er will Perfektion."

Ein schmaler Grat zwischen Genie und Wahnsinn, der Guardiola bereits in seiner Zeit beim FC Bayern München zwar drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege bescherte, ihn aber auch dreimal die Champions League kostete.

Aber: Dass der Spanier den Henkelpott gewinnen kann, hat er beim FC Barcelona schon bewiesen (2009, 2011). In Manchester hoffen sie inständig, dass es nicht Guardiolas letzte Erfolge in der Königsklasse waren...

Video - Guardiola: Das war ein "großer Misserfolg" bei Bayern

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