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Manchester United - PSG | Julian Draxler muss beweisen, dass er mehr als nur ein Neymar-Ersatz ist

Draxler muss beweisen, dass er mehr als nur ein Neymar-Ersatz ist

12/02/2019 um 16:19Aktualisiert 12/02/2019 um 21:29

Julian Draxler ist bei Paris Saint-Germain im Achtelfinale der Champions League gegen Manchester United (21 Uhr im Liveticker) gefragt und muss beweisen, dass er mehr als nur ein Rollenspieler ist. Nach dem Ausfall von Neymar und Edinson Cavani fordert Trainer Thomas Tuchel von Draxler Unterstützung für Superstar Kylian Mbappé ein. Eine Aufgabe, die der 25-Jährige selbstbewusst annimmt.

Als er ausgesprochen hatte, grinste Julian Draxler verschmitzt in die Runde.

"Sie können mich ja nach dem Spiel nochmal fragen", sagte er. Die Frage des Journalisten bei der Pressekonferenz in Manchester war so simpel wie schwer zu beantworten gewesen: Wie kann man PSG-Superstar Neymar ersetzen?

Neymar-Ausfall schmerzt PSG

Die Antwort darauf gab's vom Chef persönlich.

"Spieler von solch Qualität kann man nicht ersetzen, auch wir nicht. Er fehlt uns sehr."

PSG mit Ausfällen zur Unzeit

Es ist schon vertrackt für PSG, das die letzten Jahre in der Champions League immer wieder Ausfälle von Schlüsselspielern verkraften musste.

Mal war es Zlatan Ibrahimovic, der im entscheidenden Moment nicht zu Verfügung stand, dann Thiago Motta, später Marco Verratti und vergangene Saison auch schon Neymar (1:3 und 1:2 im Achtelfinale gegen Real Madrid).

Seit sieben Jahren Dauergast in der Champions League, wartet der aus Katar finanzierte Klub immer noch auf seine erste Halbfinal-Teilnahme. Und nun fallen neben Neymar auch noch Thomas Meunier und Edinson Cavani aus.

Marco Verratti kann spielen

"Wir haben echt viel Pech", sagt Tuchel, "Das ist schon etwas viel Plan B, vielleicht eher Plan D." Immerhin kann Marco Verratti nach einer Knöchelverletzung spielen.

Abliefern muss PSG dennoch. Und Tuchel ist gewillt dazu:

"Das heißt aber nicht, dass wir unsere Identität verlieren werden. Wir spielen immer offensiven und angriffsorientierten Fußball."

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Auf Julian Draxler wird dabei eine tragende Rolle zukommen. Der deutsche Nationalspieler hat sein Spiel im dritten Jahr bei PSG unter Tuchel angepasst. Weil der Trainer mehr von ihm fordert als Vorgänger Unai Emery, ist der 25-Jährige flexibler geworden.

Julian Draxler in tragender Rolle

Spielte er in der Rückrunde 2016/17 noch ausschließlich auf den offensiven Außenpositionen, kam Draxler diese Saison auf allen Mittelfeldpositionen zum Einsatz. Vermehrt jedoch im Zentrum.

"Ich fühle mich sowohl im Mittelfeld als auch im Angriff wohl", sagte er am Montag. Neu ist: "Ich kann auch vor der Abwehr spielen."

Natürlich profitiert der ehemalige Schalker und Wolfsburger dabei auch vom Neymar-Ausfall. Unabhängig davon hat er seine Einsatzzeiten bei PSG in dieser Spielzeit steigern können.

"Es musste sich verändern und hat das auch gemacht", sagt PSG-Experte Vincent Bregevin von Eurosport.fr: "Er spielt jetzt aggressiver gegen den Ball und hilft dem Team gut im Gegenpressing. Er hat damit jetzt deutlich mehr Einfluss auf das Spiel von Paris."

Stand er in der Rückrunde 2016/17 in 58 Prozent aller PSG-Spielminuten auf dem Feld, ging die Zahl vergangene Saison nach der Ankunft von Kylian Mbappé und Neymar auf 51 Prozent zurück. 2018/19 stand Draxler dafür in 62 Prozent aller Pflichtspielminuten auf dem Platz.

Julian Draxler mit konstanten Werten

"Ich bin ein anderer Spielertyp als Neymar", stellte er am Montag nochmal klar. Eine Ausrede ist das nicht. "Ich werde alles geben, um eine gute Leistung zu zeigen", sagte Draxler und fügte selbstbewusst hinzu:

"Dazu bin ich aktuell auch in der Lage."

In dieser Saison kommt der 25-Jährige auf fünf Tore und neun Assists, was eine gewisse Konstanz offenbart. In seinem ersten Halbjahr waren es zehn Tore und drei Vorlagen, vergangene Saison fünf Treffer bei 19 Assists. In der Champions League blieb Draxler im PSG-Trikot mit erst vier Torbeteiligungen (1/3) aber noch hinter den Erwartungen zurück.

"In wichtigen Spielen war er bis jetzt zu selten ein Faktor", sagt Bregevin von Eurosport.fr: "Manchester wird ein großer Test für ihn, weil er zwangsläufig viele Ballkontakte in der Offensive haben wird und etwas ausrichten muss."

Julian Draxler - mehr als nur ein Rollenspieler?

Ein Grund mehr, es den Kritikern zu zeigen und zu beweisen, dass er mehr als nur ein Rollenspieler sein kann.

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Da Cavani ausfällt, wird wohl Mbappé die Rolle als Stoßstürmer zufallen. Dahinter bietet sich am ehesten eine Lösung mit Ex-United-Star Àngel Di María auf links, Draxler in der Mitte und Dani Alves auf rechts an. Was den Stärken des Deutschen entgegen käme - wenn Tuchel wirklich im 4-2-3-1 spielen lässt.

"Die zentrale Rolle liegt im besser", hat auch Bregevin beobachtet: "Unter Emery ist seine Wirkung auf dem Flügel oft verpufft. In der Mitte muss er sich zwangsläufig öfter zeigen. Er kann sich dort nicht verstecken. Gegen Manchester muss er beweisen, dass er auch im Kopf einen Schritt nach vorne gemacht hat."

Möglich ist aber auch ein 3-4-3-System, in dem Di María und Draxler Mbappé über die Flügel unterstützen würden. "Ich weiß noch nicht, auf welcher Position ich spielen werde", sagte der Deutsche am Montagabend.

Draxler soll Mbappé entlasten

Tuchel stellte bisher lediglich klar:

"Man kann Mbappé nicht die ganze Last der Erwartungen aufhalsen. Es ist nicht sein Job, Cavani und Neymar zu ersetzen. Er kann nicht auf allen drei Offensivpositionen gleichzeitig spielen. Wir müssen ihn unterstützen."

Wie er sich das am besten vorstellt, wusste er da bereits. "Wir wissen sehr klar, was wir tun werden", sagte der PSG-Coach: "Hoffentlich finden wir die richtigen Worte und ziehen die richtigen Schlüsse."

Wie Draxler strahlte der Trainer im Vorfeld damit ein gewisses Selbstbewusstsein aus. Neymar, Meunier, Cavani - einerlei. Eine Schwächung, klar. Aber Ausreden zählen nicht.

Oder wie es Torwart Gigi Buffon in Bezug auf Neymars Ausfall benannte:

"Es ist ein Problem für uns. Ich weiß nur noch nicht, ob ein großes oder ein kleines."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

ManUtd: De Gea - Young, Lindelöf, Jones, Shaw - Matic - Herrera, Pogba - Lingard, Rashford, Martial

PSG: Buffon - Kehrer, Silva, Kimpembe, Bernat - Marquinhos, Verratti - Alves, Draxler, Di Maria - Mbappé

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