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Real Madrid | Vinícius Júnior: Parallelen zu Cristiano Ronaldo sind unverkennbar

Reals neuer Wunderknabe: Die Parallelen sind unverkennbar

13/02/2019 um 16:35Aktualisiert 13/02/2019 um 21:03

Real Madrid hat den Weg aus der Krise gefunden. Pünktlich zum Beginn der K.o.-Phase in der Königsklasse spielen die Königlichen wieder königlich. Mitverantwortlich für den Aufschwung des Teams von Trainer Santiago Solari: der 18-jährige Vinícius Júnior. Eurosport beleuchtet die Ursprünge des brasilianischen Flügelstürmers und das große Erbe, das er bei Real anritt: jenes von Cristiano Ronaldo.

Real Madrid spielt wieder königlich. In den vergangenen zehn Spielen gelangen dem Team von Trainer Santiago Solari acht Siege und ein Remis, lediglich im Pokal gab es eine letztlich unbedeutende Niederlage (0:1 bei CD Leganés nach 3:0 im Hinspiel).

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In jedem der zehn erwähnten Spiele stand der 18-Jährige von Beginn an auf dem Platz. Eine Entwicklung, die für Vinícius selbst überraschend kam:

"Niemand hätte sich vorstellen können, dass ich nach sechs Monaten in Madrid so oft von Anfang an spiele."

Eine Entwicklung, die sich der Brasilianer laut "AS" aber verdient habe, weil er "die zuvor lethargisch wirkende Mannschaft mit seiner Begeisterung, Kühnheit und Beharrlichkeit angesteckt hat".

Vinícius und die großen Fußstapfen

Vinícius spielt dabei auf dem linken Flügel. Auf jener Position, die zuvor neun Jahre lang einem gewissen Cristiano Ronaldo vorbehalten war. Nicht gerade kleine Fußstapfen. Und ausgerechnet ein 18-Jähriger soll sie füllen?

Die Zweifel der Real-Fans waren groß. Zu Beginn. Mittlerweile, so der spanische Sportjournalist Guillem Balague, "lieben" die Madridistas ihren Brasilianer. Das eigentlich so skeptische Publikum im Bernabéu glaube nun endlich daran, dass auch das Zeitalter nach der Ära CR7 ein erfolgreiches werden kann. Dank Vinícius.

Vinícius Júnior soll bei Real Madrid eine neue Ära einläuten

Vinícius Júnior soll bei Real Madrid eine neue Ära einläutenEurosport

Einer muss diesen Glauben schon länger gehabt haben: Florentino Pérez. Nicht umsonst überwies der Real-Präsident 2017 45 Millionen Euro an Flamengo Rio de Janeiro, plus jeweils acht Millionen Handgeld an den Spieler und seinen Berater. 61 Millionen für einen damals 16-Jährigen mit stolzen 17 Minuten Erfahrung im Profifußball.

Der Diamant aus Sao Goncalo

Die Real-Verantwortlichen wussten: Vinícius Jose Paixao de Oliveira Júnior ist kein normaler Teenager, sondern ein "Diamant", wie ihn die "Marca" damals schon beschrieb. Ein Diamant, der schon früh seinen immensen Wert unter Beweis stellte.

Der ehemalige brasilianische U15-Trainer Claudio Cacapa entdeckte Vinícius 2014, im Alter von 13 Jahren. Er kickte damals an der "Escolinha Fla Sao Goncalo", einer Schule in seinem Geburtsort Sao Goncalo im Bundesstaat Rio de Janeiro.

Schon seit Kindertagen habe Vinícius "auf einem höherem Level gespielt als seine Mitspieler im gleichen Alter", erinnert sich sein Schultrainer Cacau im brasilianischen Fernsehen:

"Wenn wir es zugelassen hätten, wäre er in das Training von allen Altersgruppen gegangen. Er schien einfach nicht müde zu werden, das war schon kurios."

Dank seiner Technik, Übersicht und Geschwindigkeit habe er auch ältere Spieler "mit Leichtigkeit vernascht".

Star der "Generation 2000"

Die logische Folge: der Wechsel in die Jugendakademie von Flamengo. Vinícius war dort Star der "Generation 2000", eines Jahrgangs, der in drei Jahren kein einziges Spiel verlor. Es folgten Südamerikatitel mit der brasilianischen U15 und U17.

Der endgültige internationale Durchbruch gelang ihm schließlich 2017 bei der "Copa Sao Paolo", einem renommierten Jugendturnier, bei dem auch regelmäßig Scouts europäischer Topklubs zugegen sind. Der FC Barcelona und Manchester City sollen Interesse gezeigt haben. Den Zuschlag erhielt Real.

Nach zähem Beginn unter dem mittlerweile entlassenen Trainer Julen Lopetegui und einigen Einsätzen in der B-Mannschaft nimmt der Diamant Vinícius Júnior auch im dortigen Starensemble nun langsam Gestalt an. In 22 Pflichtspielen gelangen ihm drei Tore und elf Vorlagen.

Real-Coach Solari lobt Vinícius

Während die "Marca" bereits glaubt, Real habe mit dem Brasilianer "eine tödliche Waffe gefunden", wiegelt Solari trainertypisch etwas ab: "Er ist noch kein gemachter Fußballer. Mit seinen 18 Jahren hat er noch einiges zu lernen."

Allerdings sagt der Real-Coach auch:

"Er lernt von den Besten. Er hat zudem Dinge an sich, die man nicht lernen kann. Er ist sehr schwer, ihn mit anderen Spielern in seinem Alter zu vergleichen. Sein Fußball macht einfach Freude."

Neben seinem Fußball dürfte dem Trainer auch Vinícius' Verhalten gefallen. Der 18-Jährige gibt bereits Interviews auf Spanisch, trinkt laut eigenen Angaben keinen Alkohol und verzichtet auch auf verlockende Disco-Besuche.

Vinícius Júnior konzentriert sich bei Real Madrid auf Fußball

Vinícius Júnior konzentriert sich bei Real Madrid auf FußballEurosport

Gegenüber der "AS" spricht er, ganz bescheiden und demütig, von einem "Traum" und einem "Privileg, hier zu spielen. Ich komme aus einer sehr einfachen Familie und ich bin sehr stolz auf alles, was sie für mich gemacht haben und die Werte, die sie mich gelehrt haben."

Wohl auch wegen Aussagen wie dieser ist Solari voll des Lobes für seinen Schützling:

"Er ist mental sehr frisch, sehr lern- und wissbegierig. Er hat das Zeug dazu, ein Großer zu werden."

Vielleicht sogar so groß wie Ronaldo?

Vinícius: Ronaldo? Lieber Messi!

Giovane Elber mahnt bei "Spox.com" vor voreiligen Vergleichen: "Vinícius kann es schaffen, aber er ist immer noch sehr jung und unerfahren. Man kann nicht erwarten, dass er in einem Jahr der neue Cristiano ist."

Laut Balague braucht es dafür zuerst "die richtige Mentalität, harte Arbeit und Glück mit Verletzungen", also jene Dinge, die auch den fünfmaligen Weltfußballer immer auszeichneten.

Doch spielt Vinícius so weiter wie in den vergangenen Wochen, zeigt er weiterhin so CR7-typische Attribute wie "Explosivität, Zug und Mut" (Balague), werden sich die Vergleiche mit seinem direkten Vorgänger unweigerlich häufen - egal, ob nun voreilig oder nicht. Und egal, ob sie Vinícius nun gefallen oder nicht.

Wohl eher nicht. Der 18-Jährige soll nämlich einmal gesagt haben, dass eigentlich Neymar sein Vorbild sei und er sich bei einer Wahl zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi für den Mann des FC Barcelona entscheiden würde.

Die Real-Fans werden es Vinícius verzeichen, ist er doch schließlich ihr neuer Liebling. Ihr "Gesicht des Wandels".

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