292 Tage, 36 Spiele.

So lange brauchte Hansi Flick beim FC Bayern, um von einer anfänglichen Verlegenheitslösung zur absoluten Legende für die Ewigkeit aufzusteigen. Die Bilanz des 55-Jährigen in diesem Zeitraum könnte beeindruckender nicht sein - sie wirkt fast unheimlich: 33 Siege, ein Remis, zwei Niederlagen.

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Der Final-Sieg gegen PSG (1:0) komplettierte nicht nur das zweite Triple der Vereinsgeschichte, sondern auch eine perfekte Champions-League-Saison, in der alle elf Spiele gewonnen wurden.

Flick alza la Champions vinta con il Bayern Monaco nella finale di Lisbona 2020

Fotocredit: Getty Images

Eigentlich unvorstellbar, denkt man an den FC Bayern aus dem Herbst 2019 zurück.

"Ich weiß noch, was im November zu lesen war", sagte Flick auf der Pressekonferenz nach der Pokalübergabe. "Es hieß, dass man keine Angst und keinen Respekt mehr vor der Mannschaft hat, wie schlecht sie eigentlich ist." Doch sein Team habe eine "sensationelle Entwicklung" genommen.

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Darauf sei das komplette Trainerteam beim Rekordmeister stolz.

FC Bayern: Flick widerlegt Niko Kovac

"Man kann nicht versuchen, 200km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 km/h schaffen." Unvergessen sind die Worte von Flicks ehemaligem Chef Niko Kovac, die er auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokal-Spiel beim VfL Bochum im Oktober 2019 auf die Frage antwortete, ob er sich von seiner Mannschaft einen ähnlichen Powerfußball wünsche, wie ihn Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool zeige.

Kovac schien recht zu haben, denn seine Mannschaft mühte sich mit maximal 80 km/h zu einem 2:1-Erfolg im Bochumer Ruhrstadion - es sollte Kovacs letzter Sieg als Bayern-Trainer werden.

Denn nur vier Tage später wurde der Kroate nach einer 1:5-Niederlage in Frankfurt entlassen - und Assistent Flick kurzerhand zum Cheftrainer befördert.

Niko Kovac trainierte zuletzt den FC Bayern München

Fotocredit: SID

Und was macht der Mann aus der zweiten Reihe? Er beschleunigt das bajuwarische Vehikel in Rekordzeit auf mindestens 200 Km/h, behält das Tempo über Monate bei, holt die 30. deutsche Meisterschaft, den 20. DFB-Pokal-Titel und nach einer Serie von 30 ungeschlagenen Spielen in Serie zum sechsten Mal die Champions League für den FC Bayern. Triple.

Flick ist nach Sir Alex Ferguson (Manchester United, 1999), Pep Guardiola (FC Barcelona, 2009), José Mourinho (Inter Mailand, 2010), Jupp Heynckes (FC Bayern, 2013) und Luis Enrique (FC Barcelona, 2015) der erst sechste Trainer, der diesen Triumph feiern darf.

Kovac widerlegt, könnte man sagen.

FC Bayern: Flick komplettiert Guardiola

Doch es sind nicht nur die reinen Statistiken, mit denen der gebürtige Heidelberger, der ganz nebenbei zum ersten Mal eine Profi-Mannschaft als Cheftrainer betreut, verblüfft. Es ist auch die Art und Weise, wie er Fußball spielen lässt.

In München schwärmt man noch heute von den dominanten Auftritten der Mannschaft zwischen 2013 und 2016. Damals hielt der oft als "bester" Trainer der Welt beschriebene Pep Guardiola das Zepter in der Hand - und war ja auch nicht unerfolgreich.

Drei Meisterschaften (2014, 2015, 2016), zweimal der DFB-Pokal (2014, 2016), einmal die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft (2014) und einmal der UEFA Supercup (2014) sind eine beachtliche Titelsammlung.

Doch die Zeit des Katalanen in München hatte einen Makel: die Champions League. Drei Mal scheiterte Pep im Halbfinale, drei Mal an spanischen Vereinen. Es gibt im Fußball halt keinen Schönheitspreis.

FC Bayern München | Karl-Heinz Rummenigge und Pep Guardiola

Fotocredit: Imago

Oder doch? Unter Flick jedenfalls erinnern die Münchner von ihrer Spielweise her extrem an die Guardiola-Zeit. Die Mannschaft ist dominant, auf Ballbesitz ausgerichtet, lauffreudig, passsicher und ungemein hungrig.

Flick ist daher so etwas wie die Komplettierung dessen, was Guardiola in München einst verkörperte. Vielleicht ist er sogar der bessere Pep.

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