Dreimal, viermal, fünfmal - Robert Lewandowski küsste den Henkelpott so ausdauernd wie leidenschaftlich, als hielte er seine geliebte Anna im Arm. Doch weil seine Frau in München hatte bleiben müssen, nahm der Torjäger das 7,5 Kilogramm schwere Silberstück auch gleich mit auf sein Zimmer und bettete es mit dem glücklichen Blick eines frisch Vermählten zu seiner rechten Seite.

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Seit der schmerzhaften Finalpleite mit Borussia Dortmund 2013 gegen den FC Bayern war der polnische Jahrhundertstürmer diesem Pokal hinterhergejagt wie dem Heiligen Gral - jetzt, endlich, hat er sich seinen großen Lebenstraum erfüllt.

Lewandowski nach dem Champions-League-Triumph emotional

Und obwohl "Lewangoalski" beim Triumph von Lissabon anders als so oft nur eine Nebenrolle spielte, kam er dort einem anderen großen Ziel einen wesentlichen Schritt näher. "Robert spielt eine großartige Saison, die beste in seiner gesamten Karriere, und er hätte es verdient, dann auch hoffentlich diesen Golden Ball der FIFA zu gewinnen", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge über den 32-Jährigen, der nach dem 1:0 (0:0)-Triumph über Paris St. Germain überwältigt von seinen Gefühlen auf dem Rasen zusammengesackt war.

Nach dem Finale war Lewandowski auch torlos glücklich - seine 15 Treffer zuvor machten ihn schließlich zum Schützenkönig der Champions League. Dem ersten aus München übrigens seit der Reform des Wettbewerbs - im ehemaligen Landesmeister-Cup war dieses Kunststück "Bomber" Gerd Müller (1973, 1974, 1975, 1977), Rummenigge selbst (1981) und Dieter Hoeneß (1982) gelungen. "Lewy" komplettierte damit sein ganz persönliches Triple: Schon in der Bundesliga (34 Tore) und im DFB-Pokal (sechs) war er der beste Schütze gewesen.

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Rummenigges Lobbyarbeit zeigt Wirkung

Für Rummenigge ist es deshalb keine Frage, dass der Weltfußballer Robert Lewandowski heißen muss. Der Münchner Vorstandschef hatte eigens Lobbyarbeit beim umstrittenen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino betrieben, um Gedankenspiele des Weltverbandes zu stoppen, die Kür wegen der Coronakrise ausfallen zu lassen.

"Es wird stattfinden, das war eine Aussage von Gianni Infantino, mit dem hatte ich Kontakt", bestätigte Rummenigge am Rande des Finals: "Ich finde es auch gut so, denn sonst steht dort irgendwann ein Strich für 2020 und es ist ja alles zu Ende gespielt worden. Dementsprechend ist es auch berechtigt."

Ribéry hoffte 2013 nach dem Triple vergeblich

Lewandowskis Chancen stehen gut: Weder der in dieser Saison titellose Messi, dessen FC Barcelona die Bayern im Viertelfinale gedemütigt hatten (8:2), noch Ronaldo blicken auf überragende Spielzeiten zurück. Der Triumph in der Champions League gilt für die Wahl als hilfreiche, aber nicht zwingende Voraussetzung. Als bislang letzter Münchner hatte sich im Triple-Jahr 2013 Franck Ribéry große Hoffnungen gemacht - und landete hinter Ronaldo sowie Messi auf Rang drei.

Ribéry machte bei den Bayern eine Metamorphose vom Einzelkönner zum Teamplayer durch, die jener von Lewandowski durchaus ähnelt. Wer den Ausnahmestürmer zuletzt in vorderster Front voller Selbstvergessenheit den Gegner hetzen sah, erkannte den einstigen Egoshooter nicht wieder.

Seine wichtigste Währung aber sind und bleiben Tore, da ist er auch im reiferen Fußballeralter unersättlich. Nur in Lissabon war Lewandowski auch mit einem Pfostentreffer (22.) zufrieden - er hatte ja den Henkelpott neben sich liegen.

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(SID)

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