José Ramón Alexanko, Ángel Pedraza, Pichi Alonso, Marcos Alonso Peña.
Diese vier Namen wird Helmuth Duckadam niemals vergessen, denn sie haben sein Leben verändert. Es sind die Namen der Spieler des FC Barcelona, deren Elfmeter der Torhüter im wichtigsten Spiel seiner Karriere hielt.
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Bundesliga
Vergessene Helden des Fußballs: Der Bundesliga-Torschützenkönig, den keiner kennt
04/05/2020 AM 21:06
"Schon als Kind wollte ich immer in einem großen Spiel zum Helden werden und meiner Mannschaft zu Ruhm und Ehre verhelfen", schwärmte der heute 61-Jährige noch Jahre später. "Niemals aber hätte ich für möglich gehalten, dass dieser Traum ausgerechnet in einem Europapokalfinale Wirklichkeit wird."
Genauer gesagt im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister. Vor 70.000 Zuschauern im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán zu Sevilla standen sich am 7. Mai 1986 die hochfavorisierte Auswahl des FC Barcelona um ihren deutschen Kapitän Bernd Schuster und Steaua Bukarest gegenüber.
Im Tor der Rumänen: Der damals 27-Jährige Helmuth Duckadam.

Helmuth Duckadam hält den Elfmeter von Angel Pedreza

Fotocredit: Imago

Zwei Helikopter und ein Spezialtrikot

Steaua hatte eigentlich keine Chance, das stand für fast alle Experten fest. Der Armee-Sportklub aus dem kommunistischen Rumänien war eher zufällig in das Endspiel gerutscht und hatte bei seinen vorherigen sechs Versuchen nie die erste Runde überstanden.
Da der höchste europäische Wettbewerb damals noch komplett im K.o.-System ausgespielt wurde, hatten in der 1986er Ausgabe dann aber Siege über Vejle BK, Honved Budapest, Kuusysi Lahti und den RSC Anderlecht für den Einzug ins Finale gereicht.
Beim Viertelfinal-Rückspielsieg in Finnland hatte der Schnee neben den Außenlinien des Spielfelds rund einen Meter aufgeragt. Das Rückspiel hätte um ein Haar nicht stattfinden können, weil Rumänien von einer großen Flutkatastrophe heimgesucht wurde.

Unter den Fittichen des Gönners

Die Armee "föhnte" den Platz schließlich mit zwei Helikoptern trocken. "Valentin Ceausescu - der Sohn des Regierungschefs Nicolae - hatte uns unter seine Fittiche genommen", erinnerte sich Duckadam mehr als 25 Jahre später. So wurde dem Verein auf dem Weg zum prestigeträchtigen Erfolg vieles ermöglicht.
Ceausescu organisierte für Steaua ein Wintertrainingslager hoch oben in den Bergen. Mit durchschlagendem Erfolg. "Als der Frühling kam, waren wir stark wie Bullen", sagte Duckadam mit einem Augenzwinkern. Die Ausnahmegenehmigungen die das Regime für den Fußballklub durchsetzte, waren aber nicht zu übersehen.
"Obwohl eigentlich Stromknappheit herrschte, durften wir unter Flutlicht trainieren und als die UEFA uns sagte, wir dürften im Finale nicht in unseren gestreiften Trikots spielen, ließ man schnell ein rot-weißes Spezialtrikot herstellen."

Duckadam wird vor dem König zur Legende

In diesem hielten elf tapfere Steaua-Spieler dann auch über 120 Minuten ein Unentschieden gegen Barca, das vor den Augen von König Juan Carlos kein einziges Tor gegen diesen - ganz in grün gekleideten - Torwart zu Stande bekommen hatte.
Dann kam das Elfmeterschießen, dessen Geschichte Duckadam schon millionenfach erzählt hat. In Rumänien ist er bis heute ein Nationalheld, jedes Kind kennt die genaue Abfolge des Fußballkrimis von Sevilla. Kein Wunder. Jeden Mai läuft das Spiel gleich auf mehreren Sendern in voller Länge im Fernsehen.
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Ich habe in Alexankos Augen gesehen, dass er nach rechts schießen will.
"Beim ersten Spieler - Alexanko - habe ich in den Augen gesehen, dass er auf meine rechte Seite schießen will. Dort habe ich den Ball auch gehalten. Dann habe ich mich sofort in den Kopf des zweiten Schützen versetzt und mich gefragt, was ich nun tun würde, wäre ich an seiner Stelle", erklärte Duckadam seine Taktik im Jahr 2013 der "ARD".
Der Rumäne spekulierte damit, dass Pedraza davon ausginge, der Torhüter würde nun die Seite wechseln. Also hechtete Duckadam wieder nach rechts und hielt auch den zweiten Ball. Ein echtes Psycho-Spiel.
"Der dritte war dann der einfachste. Natürlich konnte ich mich nicht schon wieder für die gleiche Ecke entscheiden, oder?" Konnte er doch. Und so hielt Rumäniens neuer Fußball-Held auch den Versuch von Alonso. Der vierte Elfmeter war dann nur Formsache und der Europapokal der Landesmeister gewonnen.

Die Mannschaft von Steaua Bukarest mit dem Pokal 1986

Fotocredit: Imago

Spieler werden zu Nationalheiligtümern

Nach ihrer Rückkehr nach Bukarest wurden die Spieler mitten in der Nacht von 20.000 Menschen gefeiert. Die waren alle zu Fuß zum Flughafen gelaufen. Es folgte ein Empfang beim Regierungschef, der Medaillen und Prämien in Höhe von 200 Euro aushändigte.
Niemand hatte diesen Erfolg für möglich gehalten. Dementsprechend euphorisch fielen die Reaktionen aus.
"Helmuth hat in Rumänien bis heute einen großen Namen. Er ist ein Mann der für den Verein Steaua und den gesamten Fußball des Landes sehr viel geleistet hat", sagt Laurentiu Reghecampf, der ehemals in der Bundesliga für Cottbus spielte und später Steaua als Trainer zu zwei Meisterschaften führte.
Der Europapokalsieg sei bis heute der größte Erfolg des rumänischen Fußballs. Und damit natürlich auch in der Karriere von Helmuth Duckadam. Denn die sollte schon bald ein jähes Ende nehmen.

Schnelles Karriereende und Gerüchte

"Ich hatte ein Blutgerinsel im Arm. Um ein Haar hätte man mir den Arm abnehmen müssen", erklärt er. Deswegen musste er seine Karriere mit 27 Jahren beenden. Das Finale gegen Barcelona war sein letztes Spiel.
Bis heute halten sich Gerüchte, das sei nicht die ganze Wahrheit. Von einem Übergriff des Regimes wegen Duckadams Weigerung, bei der Verschiebung eines Meisterschaftsspiels mitzuwirken, ist die Rede.
Der Betroffene selbst hat dies stets abgestritten. So sei es nicht gewesen, proklamiert er bis heute. Er will nicht, dass über seinem großen Tag ein schwarzer Schatten liegt.

Helmuth Duckadam - Präsident von Steaua Bukarest

Fotocredit: Imago

"Das ist heute nicht mehr möglich"

Heute ist Helmuth Duckadam Präsident von Steaua und sieht die Entwicklungen im internationalen Fußball kritisch.
"Ein solcher Erfolg wie 1986 ist heute nicht mehr möglich. Man konkurriert in der Champions League mittlerweile mit Mannschaften wie Chelsea, Barcelona oder dem FC Bayern. Die geben den zehnfachen Jahresetat von Steaua für einen Spieler aus", sagt er lapidar. Da könne man nicht mehr mithalten.
Er aber konnte es. Damals, im Mai 1986 in Sevilla, als er zum Helden wurde. Eine Nacht, die für Helmuth Duckadam durchweg positiv verlief. Nur eine Sache schmerzt ihn im Nachhinein.
"Meine Handschuhe wollte ich eigentlich als Erinnerung für meinen Sohn aufheben. Aber 15 Jahre nach dem Spiel geriet ich in finanzielle Probleme und verkaufte sie für 3.000 Euro. Das", so sagt er, "tut mir heute sehr leid. Aber, was will man machen."
Es gibt Spieler, die den Fußball über Jahre prägen. Jedes Kind kennt sie. Es sind die Messis, Ronaldos, Zidanes und Müllers, deren Stern aufgeht und über Jahre hell leuchtet. Doch wo viel Licht ist, kann Schatten nicht weit sein. Und so gibt es viele Spieler, denen nicht Talent, aber Konstanz, Gelegenheit oder Glück zur ganz großen Karriere gefehlt hat. Sie standen nur kurz im Mittelpunkt und verschwanden dann von der Bildfläche. Das sind die vergessenen Helden des Fußballs. Wir haben ihre Geschichten aufgeschrieben.
Vergessene Helden des Fußballs:

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